Studie schafft Grundlage für einheitliche Definition der atrialen funktionellen Mitralklappeninsuffizienz23. Juni 2026 Eine aktuelle Metaanalyse liefert die Grundlage für die Definition einer speziellen Herzklappenerkrankung: Der atrialen funktionellen Mitralklappeninsuffizienz. (Symbolbild: ©iushakovsky/stock.adobe.com) Eine aktuelle Studie der MedUni Wien zeigt, dass die Diagnose der atrialen funktionellen Mitralklappeninsuffizienz bislang uneinheitlich erfolgt – und legt den Grundstein für eine einheitliche Definition. Obwohl die atriale funktionelle Mitralklappeninsuffizienz (AfMR) bereits seit einigen Jahren als eine Form der funktionellen Mitralklappeninsuffizienz anerkannt ist, besteht international bislang kein einheitlicher Konsens darüber, wie diese Erkrankung genau definiert werden soll. Diese Unsicherheit hat weitreichende Folgen: Je nachdem, welche Kriterien verwendet werden, unterscheiden sich Diagnosestellung, Einschätzung des Schweregrads, morphologische Einordnung sowie Prognose erheblich. Entsprechend schwanken auch die Angaben zur Prävalenz: Je nach Definition tritt AfMR bei zwei bis 62 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Herzklappenerkrankung auf – ein Hinweis auf den enormen Klärungsbedarf, dem Kardiologinnen und Kardiologen der Universitätsklinik für Innere Medizin II der MedUni Wien (Österreich) nun erstmals systematisch nachgingen. Ihre im Fachmagazin „Journal of the American College of Cardiology“ veröffentlichten Forschungsergebnisse liefern erstmals die wissenschaftliche Grundlage für eine einheitliche Definition der Erkrankung und damit für eine präzisere Diagnose sowie individualisierte Behandlungsmaßnahmen. 72 unterschiedliche Definitionen entdeckt Bei ihrer umfassenden Literaturanalyse entdeckten die Forschenden, dass bisher 72 unterschiedliche Definitionen der AfMR verwendet wurden. Beim anschließenden Vergleich dieser Definitionen mit den Daten von mehr als 10.500 Patienten, bei denen zwischen 2010 und 2020 eine Herzultraschalluntersuchung durchgeführt worden war, wurden die weitreichenden Folgen der uneinheitlichen Beurteilung deutlich: „Wir konnten zeigen, dass bereits kleine Unterschiede in den Diagnosekriterien zu erheblichen Unterschieden in der klinischen Einordnung führen“, erklärt Sophia Koschatko, Erstautorin der Studie. „Das betrifft nicht nur die Frage, wer überhaupt als AfMR-Patient:in gilt, sondern auch, welche morphologischen Veränderungen vorliegen und wie hoch das Sterberisiko ist.“ Von besonderer Relevanz war dabei die Erkenntnis, dass die strukturelle Vergrößerung des linken Vorhofs das zentrale Merkmal der Erkrankung darstellt, während das bloße Vorliegen von Vorhofflimmern allein nicht ausreicht, um AfMR verlässlich zu diagnostizieren. Besonders starke prognostische Aussagekraft zeigte die Definition des American College of Cardiology, die auch Patienten mit eingeschränkt beweglichen Herzklappen berücksichtigt. Neue Evidenz für Diagnostik, Therapieplanung und Leitlinien „Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine einheitliche und morphologisch fundierte Definition dringend notwendig ist“, betont Philipp Bartko, Letztautor der Studie. „Nur wenn klar definiert ist, welche Patientinnen und Patienten tatsächlich eine AfMR haben, können wir Therapieentscheidungen gezielter treffen, interventionelle sowie chirurgische Verfahren präziser einsetzen und Studien besser vergleichen.“ Die Studienergebnisse haben damit unmittelbare Bedeutung für die moderne Herzklappenmedizin, die Weiterentwicklung internationaler Leitlinien – und die individualisierte Therapie der Betroffenen.
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