DGKJ aktualisiert ihre Empfehlungen zur vegetarischen und veganen Ernährung16. Juli 2026 Vegane Ernährungsformen im Kindes- und Jugendalter erfordern erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Mangelerscheinungen. (Foto: © Oksana Kuzmina – stock.adobe.com) Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat ihre Stellungnahme zur vegetarischen und veganen Ernährung im Kindes- und Jugendalter grundlegend aktualisiert. Anlass sind unter anderem neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Nährstoffversorgung bei restriktiven Kostformen. Vegetarische Ernährung hat sich in Deutschland längst aus der Nische bewegt. Nach dem aktuellen Ernährungsreport des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat geben 14 Prozent der 14- bis 29-Jährigen an, sich vegetarisch zu ernähren. In der Gesamtbevölkerung geben 37 Prozent an, sich flexitarisch, also überwiegend pflanzenbasiert, zu ernähren. Motive sind meist ethischer, ökologischer oder gesundheitlicher Natur.„Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte betreuen mittlerweile viele Familien, die bewusst auf bestimmte Lebensmittel oder ganze Lebensmittelgruppen verzichten“, erklärt Prof. Hermann Kalhoff, Mitautor der Stellungnahme und Mitglied der DGKJ-Ernährungskommission. Aufgabe der Kinder- und Jugendmedizin sei es, diese Familien evidenzbasiert und zugleich respektvoll zu begleiten – nicht ideologisch, sondern wissenschaftlich fundiert. Die Stellungnahme macht deutlich, dass insbesondere vegane Ernährungsformen im Kindes- und Jugendalter erhöhte Aufmerksamkeit erfordern. Grundsätzlich könne jede einseitige oder stark einschränkende Ernährungsweise das Risiko von Nährstoffdefiziten erhöhen, erläutert Prof. Silvia Rudloff, ebenfalls Mitautorin der Stellungnahme und aktiv in der DGKJ-Ernährungskommission, denn „mit jedem weiteren Ausschluss von Lebensmittelgruppen steigt die Wahrscheinlichkeit einer Unterversorgung“. Besonders im Blick stehen dabei Vitamin B12, Eisen, Jod, Calcium, Vitamin D sowie Omega-3-Fettsäuren. Die DGKJ empfiehlt deshalb eine strukturierte medizinische und ernährungswissenschaftliche Begleitung. Dazu gehören eine ausführliche Ernährungsanamnese, regelmäßige Wachstumskontrollen anhand von Gewicht, Körpergröße und Body-Mass-Index (BMI), klinische und gegebenenfalls laborchemische Kontrollen möglicher Mangelzustände sowie eine qualifizierte Ernährungsberatung – idealerweise durch entsprechend geschulte Fachkräfte. Von besonderer Bedeutung sei ein Monitoring und die Supplementierung mit Vitamin B12 auch bei vegetarischer Ernährung, bei veganer Ernährung ist diese zwingend erforderlich, betonen die Autoren. Je nach individueller Ernährungssituation könne zudem eine ergänzende Gabe von Vitamin D, Jod, Calcium oder Omega-3-Fettsäuren sinnvoll sein. Auch pflanzliche Ersatzprodukte sollten differenziert bewertet werden. Pflanzendrinks etwa seien nur dann eine adäquate Alternative, wenn sie mit Calcium angereichert seien.Die Fachgesellschaft wirbt zugleich für einen pragmatischen Umgang mit dem Thema. Eltern und Jugendliche sollten weder pauschal verunsichert, noch sollten Risiken bagatellisiert werden. Entscheidend sei eine vertrauensvolle Kommunikation, die gesundheitliche Risiken klar benenne und gleichzeitig praktikable Wege zu einer bedarfsgerechten Ernährung aufzeige. Die aktualisierte Stellungnahme enthält deshalb auch konkrete Empfehlungen für die kinder- und jugendärztliche Praxis, darunter strukturierte Fragenkataloge für die Früherkennungsuntersuchungen im Kindes- und Jugendalter.
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