DGKJ: Kindermedizin zukunftsfest machen! 

In der spezialisierten Kinderkrankenpflege herrscht ein akuter Fachkräftemangel. (Foto: © Monkey Business – stock.adobe.com)

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat ein Herbstpapier veröffentlicht, das einen kritischen Blick auf die gegenwärtige Lage der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung wirft. Angesichts der bevorstehenden Herausforderungen im Herbst, insbesondere in Bezug auf Infektwellen, fordert die DGKJ dringende und konkrete Maßnahmen, um die Kinder- und Jugendmedizin für die anstehende Infektsaison zu stärken.  

„Infektwellen sind für die Kinder- und Jugendmedizin keine Stresstests. Sie sind die Wiederkehr von Überlastung, Notlösungen und brisanten Situationen in einem bereits fragilen Versorgungssystem“, erklärte DGKJ-Vizepräsidentin Prof. Ursula Felderhoff-Müser. Die DGKJ betont daher die Dringlichkeit, der Überlastung von stationärer wie ambulanter Pädiatrie entgegenzuwirken und benennt in ihrem Herbstpapier die wichtigsten politischen Herausforderungen.

Politische „Baustellen“ der Kindergesundheit

Krankenhausreform: Die DGKJ unterstützt die geplante Krankenhausreform und betont deren Bedeutung. Allerdings bemängelt sie, dass darin die Leistungsgruppe „spezielle Kinder- und Jugendmedizin“ noch zu stark pauschalisiert wird. Eine genauere Differenzierung wie in der Erwachsenenmedizin sei dringend notwendig, um die spezifischen Bedürfnisse kranker Kinder und Jugendlicher verlässlich versorgen zu können.

Medizinische Ausbildung: Die DGKJ macht darauf aufmerksam, dass die kommende Neuregelung der Ärztlichen Approbationsordnung (ÄApprO) eine Ausbildung von Ärzten ermöglicht, ohne dass diese während ihres Studiums Erfahrungen in der Versorgung kranker Kinder sammeln konnten, weil das Pflicht-Blockpraktikum in der Kinder- und Jugendmedizin nicht mehr vorgesehen ist. Dies werde sich negativ auf die Qualität der Ausbildung und die spätere medizinische Versorgung von Kindern auswirken, mahnt die DGKJ. Eine Nachbesserung sei hier daher unverzichtbar.

Fachkräftemangel: In der spezialisierten Kinderkrankenpflege herrscht ein akuter Fachkräftemangel. Dieses Problem wird sowohl durch den allgemeinen Personalmangel als auch durch das Fehlen von Ausbildungsmöglichkeiten für die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege verschärft. Besonders besorgniserregend ist der DGKJ zufolge die Tatsache, dass in einigen Regionen überhaupt keine Ausbildungsangebote mehr existieren.

Medikamentenmangel: Die DGKJ teilt die Sorge, dass sich der Arzneimittelengpass aus dem letzten Jahr in der bevorstehenden Infektsaison wiederholen könnte. Der produktions- und liefertechnisch bedingte Mangel an kindgerechten Antibiotika, Fiebersäften und anderen Medikamenten stellt der Fachgesellschaft zufolge eine erhebliche Belastung für Eltern, Praxen, Apotheken und Kliniken dar. Das jüngst beschlossene Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) sei ein guter Schritt, müsse aber durch kurzfristig wirksame Maßnahmen begleitet werden, mahnt die Fachgesellschaft.

Kindergesundheit und Politik

„Wir sehen in vielen Bereichen der Versorgung, dass sich politisch oder ökonomisch motivierte Entscheidungen oft negativ auf die Versorgung von Kindern und damit ihre Gesundheit auswirken – und müssen im Interesse der Kinder viel kritischer die Auswirkungen bedenken“, greift Prof. Gesine Hansen das Thema auf. Sie leitet den Kongress für Kinder- und Jugendmedizin der DGKJ, der am 21. September in Hamburg eröffnet wird.

Ein Schwerpunktthema der Tagung: Politische Entscheidungen, ihre Umsetzungen und Konsequenzen für die Kindergesundheit. Die DGKJ ruft die politischen Entscheidungsträger dazu auf, diese Herausforderungen ernst zu nehmen und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen winter- und zukunftsfest zu machen. Nur durch gezielte Anstrengungen und Investitionen könne sichergestellt werden, dass Kinder weiterhin bestmöglich versorgt werden, wenn sie erkranken.