DGKJ: Kranke Kinder wurden im GKV-Entwurf übergangen

Die DGKJ befürchtet eine weitere Verschärfung der Versorgungslage für kranke Kinder und Jugendliche durch das GKV-Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz. (Foto: © ArTo – stock.adobe.com)

In einem offenen Brief an Bundesministerin Nina Warken übt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) scharfe Kritik am Referentenentwurf zum GKV-Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz. Der Vorwurf: Der Entwurf gehe in weiten Teilen an den Bedürfnissen kranker Kinder und Jugendlicher vorbei.

Die DGKJ erkenne die angespannte Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ausdrücklich an und unterstütze das Ziel, die Beitragsstabilität zu sichern, erklärte die Fachgesellschaft. Allerdings blende der vorliegende Gesetzentwurf die Realität der pädiatrischen Versorgung weitgehend aus – mit potenziell gravierenden Folgen.

In dem offenen Brief warnt die Fachgesellschaft, dass der Gesetzentwurf eine bereits angespannte Versorgungslage weiter verschärfen könnte. Die Zahl pädiatrischer Standorte in Deutschland sei seit Jahren rückläufig. Weitere strukturelle Einschnitte gefährdeten insbesondere die Versorgung schwer kranker Kinder, die auf spezialisierte Einrichtungen angewiesen sind, erklärte die DGKJ.

Versorgung kranker Kinder muss stärker in den Fokus der Politik

Deutliche Kritik übt die Fachgesellschaft auch am Verfahren: So habe die Aufforderung zur Stellungnahme die DGKJ erst nach Ablauf der Frist erreicht. Eine Beteiligung an der Anhörung sei damit faktisch ausgeschlossen gewesen, moniert die Gesellschaft und vermutet hinter diesem Vorgehen eine Strategie des Ministeriums.

„Warum wird die Stimme der wissenschaftlichen Kinder- und Jugendmedizin erneut nicht gehört?“, heißt es in dem offenen Brief an die Bundesgesundheitsministerin. Mit Blick auf die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie dürften die Folgen politischer Entscheidungen für Kinder und Jugendliche nicht erneut unterschätzt werden, mahnte die Fachgesellschaft.

Die DGKJ fordert das Bundesministerium für Gesundheit daher auf, den Gesetzentwurf grundlegend zu überarbeiten und die Versorgung kranker Kinder stärker in den Fokus zu rücken. Eine nachhaltige Stabilisierung der GKV dürfe nicht zulasten der jüngsten Patientinnen und Patienten erfolgen, mahnt die Fachgesellschaft. Details ihrer Kritik am Referentenentwurf hat die DGKJ in einer Stellungnahme formuliert.