DGKL warnt: Ungeeignete Blutentnahmeröhrchen gefährden Millionen Diabetespatienten31. Januar 2025 Prof. Harald Renz, Präsident der DGKL. Quelle: DGKL Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) nimmt in einem Interview ihres Präsidenten, Prof. Harald Renz, Stellung zu aktuellen Diskussionen über die Einschränkung von Serum in der labormedizinischen Diagnostik. Der Verein „Akkreditierte Labore in der Medizin“ (ALM) fordert den Erhalt von Serum als Alternativmaterial für die Routineversorgung und legte dazu eine Studie im Fachblatt „PLOS One“ vor. Das offizielle Online-Magazin der Fachgesellschaft DGKL, MedLabPortal, sprach daher mit dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), Prof. Harald Renz, über die fachlich relevanten Aspekte – und dessen Meinung zu den wichtigsten Forderungen der ALM-Petition. „Die Petition ist ein Versuch, Regelungen aus der Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen – kurz Rili-BÄK – aus dem Jahr 2023 rückgängig zu machen“, kritisiert Renz den Vorstoß der ALM und weist dabei auf Nachteile für Diabetespatienten hin. So sei bei Verwendung von Serum mit erheblichen Fehlern zu rechnen, denn: „Die Glukosekonzentration sinkt in den Serumröhrchen ab der Blutentnahme ab, so dass die gemessenen Werte aus Serumröhrchen generell zu niedrig sind. Mit zunehmenden Altern der Blutprobe, was beim Transport von der Arztpraxis zum niedergelassenen Labor die Regel ist und häufig Stunden dauert, sinkt die Glukosekonzentration bis zur Nachweisgrenze ab. Dieser Zustand stellt eine Patientengefährdung dar, da die Glukosekonzentrationen im Serum generell falsch niedrig gemessen werden! Ein nicht länger akzeptabler Zustand, zumal Menschen mit Diabetes mellitus fast 10 Prozent der deutschen Bevölkerung umfassen und diese Erkrankung eine wichtige Bedeutung für die Volksgesundheit hat. Zudem müssen wir aktuell in Deutschland davon ausgehen, dass bei ca. 1 Millionen Menschen der Diabetes mellitus noch nicht diagnostiziert ist, also unbekannt ist“. Vorteile von Plasma Plasma erweist sich laut DGKL für viele Laboruntersuchungen als überlegenes Untersuchungsmaterial, da Serum durch den Gerinnungsprozess künstlich verändert wird. Bei der Serumgewinnung wird beispielsweise Kalium aus Thrombozyten freigesetzt, so dass die gemessenen Kalium-Werte nicht den tatsächlichen Werten im Menschen zum Zeitpunkt der Blutentnahme entsprechen. Die Glukosekonzentration in Serumproben sinkt innerhalb der ersten Stunde um fast 10 Prozent und kann bis zur Nachweisgrenze abfallen. Dies stellt besonders für die etwa 10 Prozent der deutschen Bevölkerung mit Diabetes mellitus ein erhebliches Risiko dar, informiert die DGKL weiter. Die Umstellung auf Plasma wird für Labore keine existenzbedrohende finanzielle Belastung darstellen, so die DGKL. Die Gesellschaft erklärt: Viele Krankenhauslabore arbeiten bereits seit Jahrzehnten standardmäßig mit Plasma. Für Arztpraxen fallen lediglich einmalige Kosten für eine kleine Zentrifuge an, sofern diese nicht bereits vorhanden ist, um den Überstand von den Blutzellen mit Hilfe von Gelröhrchen zu trennen, wodurch das Material für die meisten Laboruntersuchungen haltbar ist. Das Fazit der DGKL lautet: Die Verwendung von Plasma als Standardmaterial wird die Qualität der Patientenversorgung verbessern und den Stellenwert der Labormedizin stärken. Für spezielle Untersuchungen, wie die Serum-Eiweiß-Elektrophorese, bleibt Serum weiterhin das Material der Wahl.
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