DGVS schafft digitalen Erinnerungsort für ihre in der NS-Diktatur verfolgten Mitglieder7. September 2021 Foto: © ChiccoDodiFC/stock.adobe.com Um sich ihrer Verantwortung während der NS-Zeit zu stellen und ihrer im Dritten Reich verfolgten jüdischen Mitglieder zu gedenken, hat die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) im September 2021 die Initiative „Gegen das Vergessen“ gestartet. Die Initiative umfasst einen digitalen Erinnerungsort mit den Namen und Biografien jener Mitglieder, die während der Nazi-Diktatur aus der Fachgesellschaft ausgeschlossen, entrechtet, verfolgt, zur Flucht gezwungen oder im Konzentrationslager ermordet wurden. Der Ort soll Würdigung und Mahnung zugleich sein. „Erinnerung steht nicht still, sich zu erinnern ist ein kontinuierlicher Prozess und eine fortwährende Aufgabe“, erklärt Dr. Harro Jenss, Archivar der DGVS, der für die Recherchen zuständig ist. Begonnen wurde diese Aufgabe von ihm in den 1990er-Jahren, als sich die Fachgesellschaft mit der Verfolgung ihres jüdischen Gründers Ismar Boas in der NS-Zeit auseinandersetzte. Anlass war damals die Erstellung des Erinnerungsbandes „100 Jahre DGVS“. Während der Recherche zu diesem Erinnerungsband fand sich unter den gesichteten Materialien die Mitgliederliste der Fachgesellschaft 1932/33. „Ein Dokument in den Händen zu halten, dass Vertreibung und Tod engagierter und herausragender Ärztinnen und Ärzte und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dieser Zeit so greifbar macht, ist bedrückend“, erklärt Prof. Frank Lammert, der als Präsident der DGVS das Projekt als bleibenden Auftrag für die Fachgesellschaft ansieht. In dieser Liste sind sehr viele Namen – jene der jüdischen Gesellschaftsmitglieder – in Rot durchgestrichen. Sie waren damit aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Viele damalige Größen des zu dieser Zeit noch jungen Fachgebietes der Gastroenterologie sind darunter – wie dessen weltweiter Begründer Ismar Boas, und Rudolf Schindler, Pionier auf dem Gebiet der Magenspiegelung. Andere Namen sind heute unbekannt und vergessen, ebenso wie deren Biografien. „Die Initiative „Gegen das Vergessen“ ist als ein offener digitaler Gedenkort gedacht, der durch einen gemeinsamen, kontinuierlichen Arbeitsprozess gestaltet wird. Jeder ist eingeladen, an dieser Aufgabe mitzuwirken“, erklärt die für die Umsetzung verantwortliche Geschäftsführerin der DGVS, PD Dr. Petra Lynen-Jansen. Er ist aktuell noch nicht vollständig und soll weiterwachsen – an Namen, wie auch Biografien. Jedoch ist die Quellenlange zu den einzelnen Betroffenen höchst unterschiedlich. „Wir haben in den letzten Jahren intensiv recherchiert. Dadurch haben wir wichtige Kontakte mit Zeitzeugen und Nachfahren geknüpft. Wir recherchieren, korrigieren und ergänzen, wo es uns möglich ist“, so Jenss weiter. „Im Vordergrund steht die Würdigung dieser bisher Vergessenen, ihrer vielfältigen Lebenswege und ihrer Beiträge zum Fachgebiet. Wir wollen uns die einst durchgestrichenen Namen wieder ins Gedächtnis schreiben“, ergänzt Professor Dr. med. Heiner Wedemeyer, Mediensprecher der DGVS. Der digitale Erinnerungsort „Gegen das Vergessen“ ist unter www.dgvs-gegen-das-vergessen.de aufrufbar.
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