Diabetes im Alter: Stabiler HbA1c im Mittelfeld am besten

HbA1C
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Bei älteren Patienten mit Diabetes mellitus sind sowohl eine sehr schlechte als auch eine sehr gute glykämische Kontrolle mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert, berichten britische Forscher. Auch der Level der Variabilität scheint ein wichtiger Faktor zu sein, was darauf hindeutet, dass eine stabile Blutzuckereinstellung im mittleren Bereich mit einem niedrigeren Risiko assoziiert ist.

In die retrospektive Studie wurden 54.803 Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes eingeschlossen, die 70 Jahre oder älter waren. Eine Run-in-Phase von 2003–2006 diente der Ermittlung eines Baseline-Wertes für den mittleren HbA1c, anschließend folgte eine 5-jährige Nachbeobachtungsphase von 2007–2012. Der mittlere HbA1c wurde in 3 Modellen beurteilt: ein Baseline-Mittelwert von 2003–2006 (Modell 1), ein Mittelwert über die gesamte Nachbeobachtungszeit (Modell 2) und ein mit der Zeit variierender, jährlich aktualisierter Mittelwert (Modell 3). Basierend auf der Zahl der HbA1c-Veränderungen ≥ 0,5 % im Zeitraum von 2003–2012 (oder bis zum Tod) wurde ein Variabilitätsscore berechnet (von 0 [niedrig] bis 100 [hoch]).

Im Verlauf der Studie starben 17.680 Patienten (8614 [30,7 %] von 28.017 Frauen und 9066 [33,8 %] von 26.786 Männern). Die Gesamtmortalitätsrate betrug 77 pro 1000 Personenjahre (73 pro 1000 Personenjahre für Frauen und 80 pro 1000 Personenjahre für Männer). Die Daten zeigten eine J-förmige Verteilung des Mortalitätsrisikos bei beiden Geschlechtern, mit signifikanten Zunahmen bei HbA1c-Werten > 8 % und < 6 %. Allerdings war das erhöhte Mortalitätsrisiko nicht signifikant in Modell 1 für Männer bei HbA1c-Werten von 8 bis < 8,5 % und in den Modellen 1 und 3 für beide Geschlechter bei HbA1c-Werten < 6 %. Die Mortalität nahm mit steigender HbA1c-Variabilität in allen Modellen erheblich zu (insgesamt und für beide Geschlechter).

Für die HbA1c-Messung in Modell 2 lagen die adjustierten Hazard Ratios für den Vergleich von Patienten mit einem glykämischen Variabilitätsscore von < 80 bis 100 mit denjenigen mit einem Score von 0 bis 20 bei 2,47 (95 %-KI 2,08–2,93) für Frauen und 2,21 (95 %-KI 1,87–2,61) für Männer. Die mittleren HbA1c-Modelle mit dem glykämischen Variabilitätsscore zu ergänzen veränderte die Risikoverteilung. Diese Beobachtung war am stärksten in der Modell-2-Analyse ausgeprägt, in der ein signifikant erhöhtes Risiko nur bei HbA1c-Werten > 9,5 % bei Frauen und > 9 % bei Männern zu erkennen war.

Fazit
Ein stabiler Blutzuckerspiegel im mittleren Bereich war in der untersuchten Patientengruppe mit einem geringeren Mortalitätsrisiko assoziiert. Die glykämische Variabilität, gemessen an der zeitlichen Variabilität von HbA1c, könnte ein wichtiger Faktor für das Verständnis des Sterberisikos bei älteren Menschen mit Diabetes sein, schlussfolgern die Studienautoren.

Autoren: Forbes A et al.
Korrespondenz: Florence Nightingale Faculty of Nursing, Midwifery & Palliative Care, King‘s College London, London, Großbritannien
Studie: Mean HbA1c, HbA1c variability, and mortality in people with diabetes aged 70 years and older: a retrospective cohort study
Quelle: Lancet Diabetes Endocrinol 2018 Jun;6(6):476–486.
Web: www.thelancet.com/journals/landia