Diabetische Retinopathie: Weniger Augenuntersuchungen nötig23. August 2017 Symbolbild: © Syda Productions Eine neue Auswertung von Daten der Studien DCCT und EDIC zeigt, dass zur Früherkennung diabetischer Retinopathien bei Patienten mit Typ-1-Diabetes deutlich weniger augenärztliche Untersuchungen notwendig sein könnten als bislang üblich. In Deutschland empfiehlt die Nationale Versorgungsleitlinie eine Kontrolle der Augen alle 2 Jahre, in den USA sollen Diabetiker sogar jährlich zur Untersuchung. Der neuen Arbeit zufolge würde es bei Patienten ohne Anzeichen für eine Retinopathie genügen, sie erst 4 Jahre später wieder einzubestellen. Das neue Modell sieht einen individualisierten Zeitplan für das Retinopathie-Screening vor, der auf dem aktuellen Zustand der Retina sowie dem HbA1c-Wert des Patienten basiert. So reduzierte sich die Häufigkeit der augenärztlichen Untersuchungen, ohne dass sich die Diagnose klinisch relevanter Erkrankungen verzögere, berichten die Autoren. Sie analysierten fast 24.000 Funduskopien, die im Lauf von 29 Jahren durchgeführt wurden. In DCCT waren die Patienten alle 6 Monate augenärztlich untersucht worden, in EDIC alle 4 Jahre. Die Autoren berechneten, wie lange es jeweils dauerte, bis 5 % der Patienten das nächste Stadium der Retinopathie erreichten. Bei Patienten, die noch keine Anzeichen einer Retinopathie zeigten (Stadium 1), dauerte dies durchschnittlich 4 Jahre. Bei Patienten, die bereits eine leichte nicht proliferative Retinopathie (Stadium 2) aufwiesen, vergingen im Schnitt 3 Jahre bis sie das nächste Stadium erreichten. Bei Patienten im Stadium 3 – eine mäßige nicht proliferative Retinopathie – kam es nach 6 Monaten zu einer Verschlechterung. Und bei einer schweren nicht proliferativen Retinopathie (Stadium 4) vergingen nur 3 Monate bis zum Fortschreiten der Erkrankung. Das Risiko für eine Verschlechterung war zudem eng mit den HbA1c-Werten der Patienten verknüpft. Bei einem guten HbA1c-Wert von 6 % lag das 5-Jahres-Risiko einer Progression von keiner Retinopathie zu proliferativer Retinopathie z. B. nur bei 1 %. Von den Patienten mit HbA1c-Werten über 10 % erreichten dagegen 4,3 % im Lauf von 3 Jahren eine proliferative Retinopathie. Autoren: Nathan DM et al. Korrespondenz: Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School, Boston, MS, USA Studie: Frequency of Evidence-Based Screening for Retinopathy in Type 1 Diabetes Quelle: N Engl J Med 2017 Apr 20;376(16):1507–1516. Web: www.nejm.org
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