Dialysepatienten mit Akutem Koronarsyndrom: Frauen erhalten weniger Interventionen als Männer

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Bei Dialysepatienten mit Akutem Koronarsyndrom erhielten in einer neuen Studie Frauen weniger erste kardiale Revaskularisierungen oder perkutane Koronarinterventionen als Männer. Das berichtet die University of Cincinnati, USA.

Die koronare Herzkrankheit ist in den USA die häufigste Todesursache bei Männern und Frauen mit terminaler Niereninsuffizienz (ESKD). Laut Forschern der University of Cincinnati, USA, besteht eine kritische Wissenslücke hinsichtlich geschlechtsspezifischer Unterschiede bei Revaskularisierungsstrategien und -ergebnissen bei Dialysepatienten. Sie führten eine Studie durch, deren Forschungsergebnisse im „Clinical Journal of the American Society of Nephrology“ veröffentlicht wurden.

Die Wissenschaftler werteten Daten von 59.951 Patienten aus, die zwischen dem 1.1.2005 und dem 31.12.2018 mit der Dialyse begonnen hatten und bei denen als Primärdiagnose ein akutes Koronarsyndrom (ACS) diagnostiziert wurde. Dabei verwendeten sie die Datenbank des United States Renal Data System. Sie untersuchten den Zusammenhang zwischen Geschlecht und der ersten kardialen Revaskularisierung (definiert als Koronararterien-Bypass [CABG], perkutane Koronarintervention [PCI] oder beides am selben Tag) innerhalb von 30 Tagen nach dem ersten neuen ACS-Ereignis nach Beginn der Dialyse und untersuchten den Zusammenhang zwischen Geschlecht und erster kardialer Revaskularisierung mit dem Ergebnis des Todes jeglicher Ursache.

Revaskularisierungen und perkutane Koronarinterventionen

Insgesamt 44,3 Prozent der Patienten waren weiblich. Von den Patienten mit dem ersten neuen ACS-Ereignis nach Dialysebeginn erhielten 34,6 Prozent eine PCI, 14,7 Prozent eine CABG und 6,1 Prozent sowohl eine CABG als auch eine PCI. Nach dem ersten neuen ACS-Ereignis nach Beginn der Dialyse war die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen nur eine CABG erhielten, bei Frauen um 42 Prozent geringer (OR 0,58; 95 % KI 0,55–0,61), die Wahrscheinlichkeit, dass sie nur eine PCI erhielten, bei Frauen um 14 Prozent geringer (OR 0,86; 95 % KI 0,83–0,90) und die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine CABG und eine PCI erhielten, bei Frauen um 41Prozent geringer (OR 0,59; 95 % KI 0,55–0,64) als bei Männern. Bei Frauen war das Risiko eines Todes jeglicher Ursache während der Nachuntersuchung ohne Behandlung (HR 0,91; 95 % KI 0,88–0,94) oder nach PCI (HR 0,96; 95 % KI 0,93–0,99) etwas geringer, nach CABG oder nach gleichzeitiger CABG und PCI bestand jedoch kein Unterschied hinsichtlich des Todes jeglicher Ursache im Vergleich zu Männern.

Die Wissenschaftler fassen zusammen: Bei Dialysepatienten mit ACS erhielten Frauen weniger CABG- oder PCI-Behandlungen als Männer. Bei Frauen war das Gesamtmortalitätsrisiko bei PCI geringer, bei CABG gab es keinen Unterschied im Gesamtmortalitätsrisiko im Vergleich zu Männern.

(ri)