Die dunkle Materie des Gehirns11. April 2022 Elektrische Synapsen verbinden Nervenzellen in fast jedem Gehirn, doch sie sind kaum erforscht. Eine Studie zeigt nun erstmals, wo diese speziellen Synapsen im Fruchtfliegen-Gehirn vorkommen und die Gehirnaktivität beeinflussen. (Graphik: © MPI für biologische Intelligenz, i.G./Julia Kuhl) Elektrische Synapsen kommen in fast allen Bereichen des Gehirns vor und beeinflussen einzelne Nervenzellen in ihrer Funktion und Stabilität. Das zeigen Untersuchungen am MPI für biologische Intelligenz, in Gründung, am Gehirn der Fruchtfliege Drosophila. Nervenzellen kommunizieren über Synapsen: kleine Kontaktpunkte, an denen ein Signal von einer Zelle zur nächsten weitergegeben wird. Neben den allgemein bekannten chemischen Synapsen gibt es noch einen zweiten, kaum bekannten Synapsentyp: die elektrische Synapse. „Elektrische Synapsen sind deutlich seltener und mit den gängigen Methoden schwer zu erkennen. Daher sind sie bisher wenig erforscht“, erklärt Georg Ammer, den diese verborgenen Zellverbindungen schon lange faszinieren. „In den meisten Gehirnen wissen wir daher selbst grundlegende Dinge nicht, wie zum Beispiel, wo genau elektrische Synapsen vorkommen oder wie sie die Gehirnaktivität beeinflussen.“ Eine elektrische Synapse verbindet zwei Nervenzellen direkt miteinander, sodass das elektrische Signal ohne Umweg von einer Zelle zur nächsten fließen kann. Außer bei Stachelhäutern kommt diese besondere Synapsenart im Gehirn jeder darauf untersuchten Tierart vor. „Elektrische Synapsen müssen daher wichtige Funktionen haben: Wir wissen nur nicht welche“, erklärt Ammer. Um diesen Funktionen auf die Spur zu kommen, haben Ammer und seine beiden Kolleginnen, Renée Vieira und Sandra Fendl, einen wichtigen Protein-Baustein elektrischer Synapsen markiert. So konnten sie im Gehirn von Fruchtfliegen zeigen, dass elektrische Synapsen nicht in allen Nervenzellen vorkommen, dafür aber in fast allen Bereichen des Gehirns. Durch das gezielte Ausschalten elektrischer Synapsen im Areal der visuellen Verarbeitung konnten die Wissenschaftler zudem zeigen, dass die betroffenen Nervenzellen auf bestimmte Reize stark abgeschwächt reagieren. Auch wurden einzelne Nervenzelltypen ohne elektrische Synapsen instabil und fingen an, spontan zu oszillieren. „Die Ergebnisse lassen vermuten, dass elektrische Synapsen für sehr viele verschiedene Hirnfunktionen wichtig sind und je nach Nervenzelltyp ganz unterschiedliche Aufgaben haben können“, erklärt Ammer. „Diese Synapsen sollten daher möglichst auch bei Konnektom-Untersuchungen berücksichtigt werden.“ Als Konnektom wird der vollständige Schaltplan aller Nervenzellen und ihrer Verbindungen im Gehirn oder einem Hirnbereich bezeichnet. Häufig werden diese Informationen aus Aufnahmen aus dem Elektronenmikroskop rekonstruiert – wo elektrische Synapsen meist unsichtbar sind. Wie sich diese gemeinsam mit den chemischen Synapsen in vollständigen Schaltplänen integrieren lassen und welche Geheimnisse elektrische Synapsen vielleicht sonst noch verbergen, müssen weitere Studien zeigen.
Mehr erfahren zu: "Epilepsie und Hörverlust: Hörgeräte könnten das Demenzrisiko reduzieren" Epilepsie und Hörverlust: Hörgeräte könnten das Demenzrisiko reduzieren Erwachsene mit Epilepsie und gleichzeitig bestehendem Hörverlust profitieren möglicherweise doppelt vom Tragen eines Hörgerätes: Ihr Demenzrisiko könnte rund 23 Prozent geringer sein. Darauf weisen Daten hin, die auf dem diesjährigen […]
Mehr erfahren zu: "Adaptive tiefe Hirnstimulation bei Parkinson-Krankheit: Translation aus der Forschung in die klinische Praxis" Adaptive tiefe Hirnstimulation bei Parkinson-Krankheit: Translation aus der Forschung in die klinische Praxis Die adaptive tiefe Hirnstimulation (THS) kann die Stimulation bei Parkinson-Krankheit dynamisch an die aktuelle Symptomlast anpassen. Die Translation der adaptiven THS in den klinischen Alltag eröffnet neue Chancen für eine […]
Mehr erfahren zu: "Australien: Social-Media-Verbot bislang wenig erfolgreich" Australien: Social-Media-Verbot bislang wenig erfolgreich In Australien scheint das Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige nur schleppend anzulaufen. Drei Monate nach Inkrafttreten des Verbotes gaben mehr als 85 Prozent der an einer Befragung teilnehmenden Jugendlichen an, auf […]