Die Sinne verstehen: Sonderforschungsbereich der UMG wird für weitere vier Jahre gefördert30. November 2018 Der SFB 889 erforscht die zellulären Mechanismen sensorischer Verarbeitung, so auch die Prinzipien des Sehsinnes. Bild: © designua – Fotolia.com Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den Sonderforschungsbereich „Zelluläre Mechanismen sensorischer Verarbeitung“ (SFB 889) an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) mit mehr als neun Millionen Euro für weitere vier Jahre. Sehen, Hören, Riechen, Tasten – die wichtigsten menschlichen Sinne besser verstehen will der Sonderforschungsbereich SFB 889 „Zelluläre Mechanismen sensorischer Verarbeitung“ unter Sprecherfunktion der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Nach einer als hervorragend begutachteten wissenschaftlichen Leistung in der ersten und zweiten Förderperiode seit 2011, so die Universitätsmedizin, unterstützt die DFG die weitere Erforschung der Sinne ab dem 1. Januar 2019 mit neun Millionen Euro für die nächsten vier Jahre. Sprecher des Sonderforschungsbereichs ist Prof. Tobias Moser, Direktor des Instituts für Auditorische Neurowissenschaften der UMG. Wissenschaftler aus 21 Arbeitsgruppen aus den verschiedenen Bereichen der Neurowissenschaften am Standort Göttingen arbeiten in 19 Projekten zusammen. Beteiligt sind Forscher aus fünf Kliniken und Instituten der UMG, aus dem Europäischen Neurowissenschaftlichen Institut (ENI-G), den Fakultäten für Biologie und Psychologie sowie für Physik der Universität Göttingen, aus dem Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin und dem Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation sowie dem Deutschen Primatenzentrum. Multidisziplinärer und integrativer Ansatz Die Verarbeitung sensorischer Information ist die Basis der Interaktion mit der Außenwelt. Die normale Verarbeitung von Sinnesreizen wie Bildern, Tönen oder Gerüchen erfordert von Sinneszellen und sensorischen Nervenzellen erstaunliche Leistungen. Dazu nutzen sie hochspezialisierte Signalmaschinerien, die für die Verarbeitung des jeweiligen Sinnesreizes optimiert sind. Sensorische Defizite bedingen eine schwere Belastung für Betroffene und haben große sozioökonomische Bedeutung. Bei Fehlfunktionen kommt es etwa zu Sinnesbehinderungen wie Sehstörung oder Schwerhörigkeit. Der SFB 889 verfolgt laut UMG einen multidisziplinären und integrativen Ansatz, um die grundlegenden und komplexen zellulären Mechanismen zu untersuchen, die bei der Verarbeitung von Sinnesreizen ablaufen. In interdisziplinärer Zusammenarbeit erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFBs die Umwandlung sensorischer Reize in neuronale Signale, synaptische Übertragung, neuronale Plastizität und die Funktion neuronaler Netzwerke in sensorischen Systemen – von der Ebene der Proteinkomplexe bis zum Verhalten des Organismus. „Indem wir molekulare Eingriffe mit Analysen der Morphologie und Funktion sensorischer Systeme und mathematischen Modellen kombinieren, wollen wir die sensorische Verarbeitung und deren Störungen übergreifend verstehen“, sagt SFB-Sprecher Moser. In der Forschung an Modellorganismen wie Fliegen, Nagern und Primaten vergleichen die SFB-Forscher Sehen, Hören, Geruchs- und Tastsinn. So entschlüsseln sie gemeinsame Prinzipien sensorischer Systeme und spezialisierte Mechanismen der sensorischen Verarbeitung. „Enge Interaktionen und Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern aus Universität und außeruniversitären Einrichtungen sind entscheidend, um unser Langzeitziel – ein verbessertes Verständnis von Sinnesfunktion und Sinnesstörungen – zu erreichen“, so Moser. Optogenetische Behandlungsansätze vorangebracht Aufbauend auf grundlegender Erforschung von Sinnesfunktion und Sinnesbehinderung, so die UMG, gelangten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFBs auch zu neuen Behandlungs-Ansätzen. So seien in der vergangenen Förderperiode beispielsweise optogenetische Ansätze zur Wiederherstellung von Sehen und Hören vorangebracht worden. Die wissenschaftliche Tätigkeit im SFB 889 zeige sich in zahlreichen international sichtbaren Publikationen in hochrangigen wissenschaftlichen Zeitschriften. Der SFB 889 arbeitet eng mit dem Göttingen Graduiertenzentrums für Neurowissenschaften, Biophysik und Molekulare Biowissenschaften der Universität (GGNB) und dessen Promotionsprogramm „Sensorische und Motor Neurowissenschaften“ zusammen. Des Weiteren ist der SFB 889 ein essenzieller Bestandteil des zukünftigen Exzellenzclusters „Multiscale Bioimaging: von molekularen Maschinen zu Netzwerken erregbarer Zellen“. Weitere Informationen über den SFB unter http://sfb889.uni-goettingen.de/index.html#deu Quelle: Universitätsmedizin Göttingen
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