„Digitale Gastroenterologie“: DGVS prämiert zwei Projekte8. Oktober 2019 Foto: © sdecoret/Adobe Stock Digitale Technologien sind aus der Medizin nicht mehr wegzudenken und werden diese in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Das Potenzial der neuen Technik ist jedoch noch längst nicht ausgeschöpft. Mit dem Innovationspreis „Digitale Gastroenterologie“, der in diesem Jahr erstmals vergeben wurde, möchte die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) die Entwicklung digitaler Innovationen in ihrem Fachbereich fördern. Es scheint, dass die DGVS mit diesem Anliegen einen Nerv getroffen hat: Unter den Bewerbungen waren so viele innovative Projekte, dass die mit 3000 Euro Preisgeld verbundene Auszeichnung an gleich zwei herausragende Projekte vergeben wurde. Überreicht wurden die Preise im Rahmen des Kongresses Viszeralmedizin 2019 in Wiesbaden. Alternative zur Auskultation mit dem „GastroDigitalShirt“ Die abdominelle Auskultation ist eine der ältesten und wichtigsten Untersuchungsmethoden in der Gastroenterologie. Sie ermöglicht es, anhand von Darm- und Gefäßgeräuschen pathologische Veränderungen im Bauchraum aufzuspüren. Das manuelle Abhören liefert jedoch stets nur eine Momentaufnahme. Deshalb haben Assistenzärzte der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Erlangen gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Digital Health der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ein T-Shirt entwickelt, mit dem Bauchgeräusche über einen Zeitraum von mehreren Tagen bis Wochen kontinuierlich erfasst werden können. Das „GastroDigitalShirt“ ist auf der Bauchseite mit sechs bis acht miniaturisierten, digitalen Mikrofonen ausgestattet. Die damit aufgenommenen Geräusche werden, basierend auf Computeralgorithmen, kategorisiert und auffällige Bauchgeräusche isoliert. Ziel der Wissenschaftler: Die über einen längeren Zeitraum gesammelten akustischen Daten sollen – in Kombination mit klinischen Parametern – ein besseres Verständnis darüber ermöglichen, unter welchen Umständen und aufgrund welcher Risikofaktoren und Lebensstilaspekte gastrointestinale Erkrankungen oder Beschwerden entstehen. Prototypen der alltagstauglichen und waschbaren T-Shirts werden derzeit an Patienten mit Darmerkrankungen und gesunden Probanden getestet. Das zweite ausgezeichnete Projekt ist in der ärztlichen Ausbildung angesiedelt: Ärzte der Medizinischen Klinik II der Universitätsklinik Würzburg und Mitarbeiter des Lehrstuhls für Medizindidaktik der Universität Würzburg haben zusammen mit dem Münchner Start-Up ThreeDee GmbH eine Simulation für medizinische Notfallsituationen entwickelt, die es jungen Ärzten erlaubt, ihre Praxisfertigkeiten unter realitätsnahen Bedingungen zu trainieren. Besser reagieren in internistisch-gastroenterologischen Notfallsituationen Mit dem als STEP-VR – kurz für Simulation-based Training of Medical Emergencies for Physicians using Virtual Reality – bezeichneten Projekt möchten die Wissenschaftler eine Lücke in der Medizinerausbildung schließen. Denn im klinischen Alltag kommt es oft zu Situationen, in denen sehr schnell für den Patienten lebenswichtige Entscheidungen getroffen werden müssen. Laut Umfragen fühlen sich zwei Drittel der Studienabgänger darauf nur unzureichend vorbereitet. Während beispielsweise für endoskopische Untersuchungen bereits gute Simulationsverfahren existieren, ist STEP-VR der erste Ansatz mit Schwerpunkt auf praxisorientiertem Wissen und klinischer Entscheidungsfindung in internistisch-gastroenterologischen Notfallsituationen. So lässt sich die Behandlung beispielsweise eines hämorrhagischen Schocks nach Varizenblutung oder einer schweren akuten Pankreatitis trainieren. Das Programm setzt dabei auf eine Kombination aus Virtual Reality und adaptiver Physiologie. Es ist mit einer sogenannten Physiologie-Engine ausgestattet, die den natürlichen Verlauf der Erkrankung sowie das Eingreifen des lernenden Arztes in Echtzeit berechnet. Derzeit wird STEP-VR noch um weitere Krankheitsbilder ergänzt und an der Universitätsklinik Würzburg zusammen mit kooperierenden Universitäten evaluiert. „Das ‚GastroDigitalShirt‘ und das ‚STEP-VR‘ sind zwei gleichermaßen herausragende und innovative Projekte, die mit ihren ganz verschiedenen Ansätzen zeigen, welches breite Potenzial die Digitalisierung für Patienten und Ärzte hat. Deshalb haben wir uns entschieden – anders als ursprünglich geplant – den Innovationspreis zweimal zu vergeben und freuen uns, diese beiden Projekte auszeichnen zu können“, betont Prof. Frank Lammert, Präsident der DGVS und Direktor der Klinik Gastroenterologie des Universitätsklinikums des Saarlandes.
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