„Digitale Transformation“ – Schwerpunktthema auf dem Kongress für Kinder- und Jugendmedizin18. September 2023 Foto: © woravut – stock.adobe.com Im Alltag von Kindern und Jugendlichen ist Künstliche Intelligenz (KI) über Soziale Medien, Games oder Sprachassistenz längst angekommen. In der Medizin verspricht sie, Diagnosen zu beschleunigen, präziser zu machen und die Patientenversorgung zu revolutionieren. Wie groß die Rolle digitaler Prozesse auf die Kindergesundheit ist, will der Kongress für Kinder- und Jugendmedizin diskutieren, der am 21. September in Hamburg eröffnet wird. Prof. Gesine Hansen ist die Kongresspräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und hat das wissenschaftliche Programm konzipiert: „Wir greifen bei dem Thema Digitalisierung und künstliche Intelligenz die negativen Effekte des Medienkonsums auf – die Risiken für die seelische und körperliche Gesundheit, mit denen wir in Praxen und Kliniken tagtäglich umgehen müssen: Die sind omnipräsent, wie Schlaf- und Verhaltensstörungen, Entwicklungsprobleme und Folgen von Mobbing oder Internetsucht. Gleichzeitig aber möchten wir auch aufzeigen, wo die Chancen eines kindgerechten Medieneinsatzes für die Kindergesundheit, die Bildung und die Entwicklung liegen – und diese Chancen sind groß!“ Das Fachprogramm wird beispielsweise digitale Gesundheitsanwendungen für Kinder und Jugendliche, individuelle Patientenschulungen, Wearables und auch spezielle Tools wie körpergesteuerte Videospiele für Kinder mit Zerebralparese vorstellen. Prof. Tobias Müller aus Gießen, der auf dem Kongress referieren wird, stärkt die Zuversicht: „Besonders in der Pädiatrie, mit ihren jungen digital geprägten Patientinnen und Patienten und deren Eltern herrscht in Bezug auf digitale Technologien eine große Offenheit, und der Einsatz digitaler Medien wird stellenweise gar erwartet. Dieses Kollektiv ist sicherlich eine Besonderheit der Kinder- und Jugendmedizin, und ich sehe hier eine große und positive Neugier auf technische Innovationen, die sich zugunsten der Gesundheit nutzen lässt – das freut mich!“ Erst im Juli dieses Jahres wurde eine Leitlinie zur „Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend“ veröffentlicht, in der eine breites Bündnis von Fachgesellschaften unter Federführung der DGKJ auf die Gefahren übermäßiger Mediennutzung eingeht. Hier findet sich aber auch der Hinweis auf die hohe Relevanz von Medienkompetenz in einer digitalisierten Welt. Eltern und Familien spielen laut der Leitlinie eine wichtige Rolle bei der Unterstützung einer verantwortungsvollen Mediennutzung durch Kinder: Sie sollten Interesse an den digitalen Aktivitäten der Kinder zeigen, diese auch kritisch begleiten – und sich der eigenen Vorbildfunktion bewusst sein, heißt es darin. KI in der Medizin: Chancen und Herausforderungen Digitalisierung und KI haben auch in der Kinder- und Jugendmedizin einen raschen Aufstieg erlebt und versprechen, Diagnosen zu beschleunigen, präziser zu machen und die Patientenversorgung deutlich zu verbessern. Schon aufgrund der enormen Datenmengen sei die Unterstützung durch KI schlichtweg notwendig, betont Müller, der sich mit der praktischen Anwendung von eHealth und Data Science in der Versorgung beschäftigt: „Zentral ist die Aufklärung der Anwenderinnen und Anwender über Funktionsweise und Limitationen einzelner Tools. Um hier die Risiken wie Diagnose- und Behandlungsfehler durch Algorithmen, deren falscher oder missbräuchlicher Einsatz, mangelnde Transparenz sowie Datenschutz- und Haftungsrisiken einzugrenzen, ist die Einbeziehung der ärztlichen und pflegerischen Fachkräfte schon bei der Entwicklung der Anwendungen grundsätzlich wichtig.“ Der Kongress für Kinder- und Jugendmedizin wird diese Aspekte der Digitalisierung in der Pädiatrie in einer eigenen Plenarsitzung diskutieren und greift zusätzlich die konkrete fachliche Anwendung etwa als Unterstützung der Diagnostik und Therapie in der Neurologie oder in der Pharmakologie auf. Kongresspräsidentin Hansen betont die Chancen der Fortschritte in diesem Sektor, mahnt aber auch zur ethischen Verantwortung: „Es ist entscheidend, dass alle Akteure im Gesundheitswesen eng zusammenarbeiten, um die Chancen der Digitalisierung in der Medizin optimal zu nutzen und gleichzeitig die Risiken zu minimieren. Nur wenn KI verantwortungsvoll und mit Blick auf die Bedürfnisse der zu versorgenden Menschen implementiert wird, können wir sicherstellen, dass wir eine positive und nachhaltige Wirkung auf die Gesundheitsversorgung erzielen. Gerade aber wir Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte wollen zentrale Faktoren nicht außer Acht lassen, der bei der Betreuung kranker Kinder unersetzlich sind – Empathie und der menschliche Verstand.“
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