DKFZ: Drei Maßnahmen könnten eine Million Krebsfälle vermeiden29. Mai 2020 Foto: © Oleksandra Voinova/Adobe Stock Wiederholte Steuererhöhungen, ein umfassendes Tabakwerbeverbot sowie eine einheitliche neutrale Verpackung für alle Zigarettenmarken: Würden diese drei wirksamkeitserprobten Tabakkontrollmaßnahmen von heute an in Deutschland konsequent umgesetzt, so könnten bis 2050 eine Million Krebsfälle vermieden werden, haben Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) nun durch Modellrechnungen ermittelt. DKFZ-Experten hatten erst kürzlich errechnet, dass jede fünfte Krebsneuerkrankung in Deutschland auf das Konto von Tabakrauch geht. Auch wenn während der letzten Jahrzehnte die Zahl der Raucher messbar zurückgegangen ist, so hängt hierzulande immer noch ein vergleichsweise hoher Anteil der Bevölkerung am Glimmstängel (Männer, 26,4%, Frauen 18,6%). „Durch konsequente Tabakkontrollmaßnahmen ließe sich langfristig eine wirklich substanzielle Zahl von Krebsneuerkrankungen vermeiden“, sagt Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum. „Doch trotz der hohen tabakbedingten Krankheitslast bleibt Deutschland nach wie vor das europäische Schlusslicht, was die Umsetzung wirksamkeitserprobter Tabakkontrollmaßnahmen angeht. Insbesondere ein umfassendes Tabakwerbeverbot ist längst überfällig.“ DKFZ-Epidemiologen um Mons und Hermann Brenner haben nun mit Modellrechnungen ermittelt, was eine konsequente Tabakkontrollpolitik für die Gesundheit der Deutschen tatsächlich bringen würde. Wenn von jetzt an zentrale wirksamkeitserprobte Tabakkontrollmaßnahmen auch in Deutschland umgesetzt würden, wieviel Krebsfälle ließen sich innerhalb der kommenden 30 Jahre vermeiden? Steuererhöhungen um jährlich zehn Prozent über einen Zeitraum von zehn Jahren, ein umfassendes Tabakwerbeverbot sowie eine einheitliche neutrale Verpackung für alle Zigarettenmarken sind Maßnahmen, die sich in internationalen Studien bereits als wirksam erwiesen haben, den Raucheranteil zu senken. In der wissenschaftlichen Literatur liegen für jede dieser Maßnahmen bereits Werte für den zu erwartenden Rückgang der Raucherquoten vor. Mons und Kollegen berechneten die drei Interventionsszenarien zunächst einzeln, da sie das Rauchverhalten unabhängig voneinander beeinflussen und daher kombinierbar sind. Ohne zusätzliche Tabakkontrollmaßnahmen errechneten die Wissenschaftler auf der Basis des heutigen Rauchverhaltens und des derzeitigen jährlichen Rückgangs der Raucherquote für 2050 einen Raucheranteil von 14,8 Prozent bei den Männern und 10,2 Prozent bei den Frauen. Würden die drei Tabakkontrollmaßnahmen heute eingeführt, so rauchten 2050 voraussichtlich nur noch 9,7 Prozent der Männer und 6,7 Prozent der Frauen. Daraus errechnet sich bis 2050 ein Rückgang der tabakbedingten Krebsfälle um 14 Prozent bei Männern sowie um rund 12 Prozent bei Frauen. Was dies in konkreten Zahlen bedeutet, erläutert Thomas Gredner, der Erstautor der Studie: „Im Vergleich zu einem „weiter so wie bisher“ in Sachen Tabakkontrolle könnten wir mit der Umsetzung dieser drei Maßnahmen innerhalb der kommenden 30 Jahre über eine Million Krebsfälle in Deutschland vermeiden.“ „In unserer Modellierung geht es nur um die vermiedenen tabakbedingten Krebsfälle“, ergänzt Hermann Brenner. „Doch Tabakkonsum ist nicht nur für Krebs, sondern auch für eine ganze Reihe weiterer Erkrankungen verantwortlich. Daher würden die tatsächlichen Auswirkungen der drei Präventionsmaßnahmen für die Gesundheit der Menschen noch weitaus beeindruckender ausfallen.“ Die Wissenschaftler hatten für ihre Modellierung den aktuellen Raucheranteil in jeder Altersgruppe der deutschen Bevölkerung zugrunde gelegt sowie den in den letzten Jahren beobachteten jährlichen Rückgang der Raucherquote. Außerdem berücksichtigen die Berechnungen die Entwicklung der Lebenserwartung, den zu erwartenden Bevölkerungsrückgang sowie die Neuerkrankungsraten derjenigen Krebsarten, für die ein kausaler Zusammenhang mit dem Tabakrauch als belegt gilt.
Mehr erfahren zu: "Leopoldina empfiehlt nationale Strategie für die Forschung an RNA-basierten Therapien" Leopoldina empfiehlt nationale Strategie für die Forschung an RNA-basierten Therapien Ob Infektionskrankheiten, seltene Gendefekte oder Krebs: RNA-basierte Medizin eröffnet neue Perspektiven für die Behandlung unterschiedlichster Erkrankungen. Die Leopoldina sieht großes Potenzial – und fordert eine nationale Strategie, um Forschung und […]
Mehr erfahren zu: "Roboterassistierte partielle Nephrektomie auch für größere Tumoren geeignet" Roboterassistierte partielle Nephrektomie auch für größere Tumoren geeignet Die roboterassistierte partielle Nephrektomie (RAPN) stellt laut einer aktuellen Studie für ausgewählte Patienten mit cT2-Nierenzellkarzinom (RCC) eine sichere und hinsichtlich der Nierenfunktion überlegene Alternative zur radikalen Nephrektomie (RN) dar.
Mehr erfahren zu: "Neues Konzept zur Behandlung Chemotherapie-resistenter Krebszellen" Neues Konzept zur Behandlung Chemotherapie-resistenter Krebszellen Einige Leukämiezellen überstehen selbst eine intensive Chemotherapie und können später einen Rückfall auslösen. Ein neues Forschungskonzept beschreibt nun, wie gerade dieser Überlebenskampf der Zellen vorübergehende Schwachstellen erzeugen könnte.