DKG beklagt Millionenkosten durch MD-Prüfungen7. Oktober 2026 Foto: MQ-Illustrations/Stock.adobe.com Auf 245 Millionen Euro jährlich belaufen sich laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) die Kosten, die für deutsche Kliniken durch Prüfungen des Medizinischen Dienstes (MD) anfallen und 4000 Beschäftigte bearbeiten die MD-Prüfungen. Das sind zwei der Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) unter deutschen Krankenhäusern. Für das kommende Jahr erwarten 98 Prozent der Kliniken, dass sich die Zahl der MD-Prüfungen und damit die finanzielle Belastung in ihren Häusern weiter erhöht. Hintergrund sind Regelungen des GKV-Spargesetzes, die die Prüfquoten noch einmal erhöhen. Mehr als die Hälfte der Krankenhäuser hat bereits im laufenden Jahr zusätzliche Kräfte eingestellt, um die kommenden Belastungen bewältigen zu können. Gaß: Misstrauenskultur der Kassen dominiert das Gesundheitswesen „Die alarmierenden Zahlen zeigen, in welchem Ausmaß die Misstrauenskultur der Krankenkassen das Gesundheitswesen dominiert. Es stellt sich die Frage, ob der Medizinische Dienst in seiner jetzigen Form noch tragbar ist oder besser in eine staatliche Behörde umgewandelt werden sollte. Im Augenblick dient er lediglich der Kostenoptimierung der Kassen und legt seine Prüfregeln auch noch selbst fest“, kommentierte der DKG-Vorstandsvorsitzende Dr. Gerald Gaß die Umfrage-Ergebnisse. Er betonte: „Unter dem Druck des GKV-Spargesetzes benötigen die Krankenhäuser jetzt weniger statt mehr Bürokratie. Nur so können sie Mittel einsparen, ohne die Versorgung zu stark einschränken zu müssen.“ Der Änderungsantrag zum Notfallreform-Gesetz habe die richtige Zielrichtung, so Gaß, „nämlich mit einer niedrigeren Prüfquote den bürokratischen Wahnsinn zu senken“. Beanstandungen bei MD-Prüfungen meist kein Betrug Der DKG-Vorstandsvorsitzende unterstellt den Kassen daran kein Interesse zu haben. Gaß zufolge könnten die Kassen die Zahl der Prüfungen sogar erhöhen, um zu verhindern, dass Kliniken die 90 Prozent Nichtbeanstandungsquote erreichen. „Die sehr komplexen Abrechnungsregeln und der Interpretationsspielraum des MD ermöglichen unendliche Anlässe für derartige Prüfungen, und so eröffnen sich immer wieder neue Debatten darüber, wie lange oder wie kurz ein Patient im Krankenhaus hätte bleiben müssen”, monierte Gaß. Er betont, dass es bei den Beanstandungen des MD hauptsächlich um klinische Interpretationen und medizinische Erwägungen handele und nicht, wie öffentlich von den Kassen immer wieder behauptet, um falsche Abrechnungen oder Betrug. Als Beleg verweist Gaß auf „zahlreiche Beispiele“, die der DKG vorliegen. Fallbeispiel: Primäre Fehlbelegung oder nicht? Eines davon: Ein 69-jähriger, schwer vorerkrankter Patient mit fortgeschrittenem Nierenversagen benötigte einen operativ angelegten Gefäßzugang für die bevorstehende Dialyse. Wegen erheblicher Begleiterkrankungen und der Einnahme eines blutverdünnenden Medikaments bestand ein erhöhtes Nachblutungsrisiko. Der behandelnde Arzt entschied deshalb, den Eingriff stationär durchzuführen und den Patienten anschließend zu überwachen. Das Krankenhaus begründete die medizinische Notwendigkeit der stationären Behandlung gegenüber der Krankenkasse. Dennoch bewertete der Medizinische Dienst den Fall als „primäre Fehlbelegung“: Der Patient hätte ambulant behandelt werden können. DKG fordert Kurswechsel bei MD-Prüfungen „Betrug muss verfolgt werden, ohne Frage“, hebt Gaß hervor. Das gelte für Leistungserbringer, genauso wie für Kassen beim Upcoding, etwa um zusätzliche Mittel über den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich zu erhalten. Die regelmäßige Behauptung der Kassen aber, Krankenhäuser würden falsch abrechnen, lasse sich juristisch nicht bestätigen, so der DKG-Vorstandsvorsitzende weiter. „Gerichtsurteile wegen Abrechnungsbetrugs gegen Krankenhäuser sind uns nicht bekannt.“ „Statt den Krankenhäusern Misstrauen entgegenzubringen, müssen wir deregulieren, wenn wir Bürokratie und Prüfungsaufwand wirksam abbauen wollen. Bundesminister Linnemann hat erst jüngst mehr Vertrauen und weniger Misstrauen versprochen. Das weist in die richtige Richtung. Diesen Kurswechsel brauchen wir jetzt auch bei den Krankenhausprüfungen“, erklärte Gaß abschließend.
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