Kopf-Hals-Krebs: Chronischer Opioid-Konsum nach Strahlen- oder Radiochemotherapie

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Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer mit Kopf-Hals-Krebs einer US-amerikanischen Studie konsumierten drei Monate nach einer Strahlen- oder Radiochemotherapie noch verschreibungspflichtige Opioide. Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?

Mit Blick auf chronischen Opioid-Konsum sind Kopf-Hals-Krebs-Patienten eine gefährdete Patientengruppe. Allerdings hatten frühere institutionelle Studien nur begrenzte Stichprobengrößen. Auch zur Inzidenz chronischen des Opioid-Konsums in dieser Patientengruppe oder dazu, welche Risikofaktoren eine Rolle spielen, war bislang wenig bekannt.

Die Kohortenstudie um Om Desai vom Ohio State University College of Medicine in Columbus (USA) hatte zum einen das Ziel, den Anteil der Kopf-Hals-Krebs-Patienten festzustellen, die drei Monate nach einer Strahlen- beziehungsweise Radiochemotherapie noch Opioide konsumierten. Zum anderen wollten die Forschenden mit chronischem Opioid-Konsum assoziierte Faktoren identifizieren.

Opioid-Konsum nach Strahlenbehandlung: Inzidenzen und assoziierte Faktoren

An der Studie nahmen Patienten des Ohio State Comprehensive Cancer Centers teil, bei denen zwischen Oktober 2011 und Dezember 2023 ein nicht metastasierter Kopf-Hals-Krebs diagnostiziert worden war und die eine definitive Strahlen- oder Radiochemotherapie erhielten. Als primären Endpunkt legte das Team um Desai den Opioid-Konsum drei Monate nach Abschluss der Strahlentherapie in der gesamten Kohorte fest. Mittels einer multivariablen logistischen Regressionsanalyse evaluierten Desai et al. die mit Opioid-Konsum zu diesem Zeitpunkt assoziierten Faktoren. Sekundäre Endpunkte waren der Opioid-Konsum nach sechs Monaten sowie die Zeit bis zum ersten Opioid-Konsum in einer Untergruppe von Opioid-naiven Patienten.

Insgesamt erfüllten 789 Patienten die Einschlusskriterien der Studie (639 Männer [81,0 %]; Medianalter 61 Jahre [IQR 55–68 Jahre]). Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 46,7 Monate (IQR: 31,1–56,1 Monate). Zwischen der Diagnose und sechs Monaten nach der Bestrahlung erhielten 750 Patienten (95,1 %) verschreibungspflichtige Opioide. Drei Monate nach der Bestrahlung nahmen noch 552 (70,0 %) verschreibungspflichtige Opioide ein, nach sechs Monaten waren es noch 373 (47,3 %).

Raucherstatus, vorheriger Opioid-Konsum und palliative Therapie als Risikofaktoren

Die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten drei Monate nach der Bestrahlung Opioide konsumierten, war höher, wenn sie ehemalige Raucher waren (bereinigtes Odds Ratio [AOR], 1,55; 95 %-KI, 1,04–2,31), an die Palliativmedizin überwiesen worden waren (AOR, 3,90; 95 %-KI, 2,57–6,09) oder bereits vor der Bestrahlung Opioide eingenommen hatten (AOR, 2,57; 95 %-KI, 1,82–3,63). Insgesamt 296 Patienten (37,5 %) hatten vor der Bestrahlung noch keine Opioide erhalten. Aus dieser Gruppe war die Zeit, bis sie zum ersten Mal Opioide verabreicht bekamen, bei den untergewichtigen Patienten (bereinigte Hazard Ratio [AHR], 7,36; 95 % KI, 3,40–15,90) sowie bei denjenigen, die an die Palliativmedizin überwiesen wurden (AHR, 1,42; 95 % KI, 1,10–1,83) kürzer. Von den Opioid-naiven Patienten nahmen 171 (57,8 %) beziehungsweise 112 (37,8 %) drei beziehungsweise sechs Monate nach der Bestrahlung weiterhin Opioide ein.

In der Kohortenstudie von Desai et al. nahmen 70 Prozent der Kopf-Hals-Krebs-Patienten drei Monate und 47, 3 Prozent sechs Monate nach ihrer Strahlenbehandlung noch Opioide ein. Vorheriger Opioid-Konsum, früherer Raucherstatus und die Überweisung an die Palliativmedizin waren damit assoziierte Faktoren. Nach Einschätzung der Autoren legen ihrer Ergebnisse nahe, dass gezielte Opioid-Stewardship-Programme gerechtfertigt sind. Diese sollten sowohl die Schmerzlinderung als auch das Risiko einer langfristigen Abhängigkeit berücksichtigen.

Retrospektive Datenauswertung setzt Grenzen

Die Autoren räumen auch Grenzen ihrer Studie ein: Es handelt sich um eine retrospektive Studie und die Auswertung stützte sich auf Daten zu Opioid-Verordnungen und nicht auf einen tatsächlich nachgewiesenen Konsum von Opioiden. Zudem könnten Trends bei den Verschreibungen auch durch bislang nicht identifizierte Störfaktoren – als Beispiele nennen die Autoren psychische Probleme, Alkoholkonsum oder sozioökonomische Faktoren – beeinflusst sein. Die Autoren heben hervor, dass gerade sozioökonomische Faktoren durch Erkrankung selbst und ihre Therapie beeinflusst werden. „Dennoch tragen die große Kohortengröße und die Detailgenauigkeit auf Behandlungsebene zu einer wachsenden Zahl von Veröffentlichungen über den Opioidkonsum in dieser Patientengruppe bei“, konstatieren die Autoren abschließend. Die Studie wird von einem Kommentar begleitet. (ja/BIERMANN)


Originalpublikation: Desai O et al. Long-Term Opioid Use Following Radiation or Chemoradiation for Head and Neck Cancer. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg, 01.10.2026.


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