DOAKs bei Vorhofflimmern nach biologischem Herzklappenersatz oder Klappenrekonstruktion

Die DOAK-Therapie bei Vorhofflimmer-Patienten mit biologischem Herzklappenersatz oder Klappenrekonstruktion stand im Mittelpunkt einer kürzlich publizierten retrospektiven Kohortenstudie. (Symbolbild: ©Rasi/stock.adobe.com)

Ist der Einsatz von direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) bei Vorhofflimmer-Patienten mit nicht mechanischem Herzklappenersatz oder Herzklappenrekonstruktion (NMV-VHF) sicher und wirksam? Die kürzlich publizierten Ergebnisse der bisher größten beschriebenen Kohorte von Patienten mit NMV-VHF sprechen dafür.

Darin war die Anwendung von DOAKs mit niedrigen Schlaganfall- und Blutungsraten assoziiert, die denen von Patienten mit klassischem nicht valvulären Vorhofflimmern (NV-VHF) vergleichbar erscheinen. Die in „Heart Rhythm“ publizierten Ergebnisse stützen damit den Einsatz von DOAKs auch in dieser bislang unzureichend untersuchten Patientengruppe.

Retrospektive Kohortenstudie mit fast 700 Patienten

Erstautorin Isabelle Greiss und Kollegen vom University of Montreal Hospital Center (Kanada) konzipierten eine retrospektive Kohortenstudie. Auf der Grundlage von administrativen Gesundheitsdatenbanken identifizierten sie 692 Patienten mit NMV-VHF (Durchschnittsalter 75,9±9,8 Jahre; 62 % männlich). Als NMV definiert waren Patienten nach klappenerhaltenden Herzklappeneingriffen (z. B. Annuloplastie, Valvuloplastie, Kommissurotomie oder Rekonstruktion des Mitralklappenrings bzw. des atrioventrikulären Übergangs) sowie nach Aortenwurzeloperationen (Bentall-Konno- oder Ross-Konno-Verfahren) oder nach Implantation biologischer Klappenprothesen (Homografts oder Xenografts).

Das Kohorteneintrittsdatum war die erste Abgabe eines DOAK (14,4 % Dabigatran, 33,1 % Rivaroxaban, 52,5 % Apixaban) oder drei Monate nach den NMV-Eingriffen. Die Nachbeobachtungszeit erstreckte sich bis zum Ende der Datenverfügbarkeit oder der Exposition gegenüber DOAKs. Der primäre Endpunkt war ein ischämischer Schlaganfall oder eine Embolie. Der sekundäre Endpunkt waren schwere Blutungen. Die Forscher verglichen die Ereignisraten mit denen bei Patienten mit NV-VHF in denselben Datenbanken und bezogen sie in eine Metaanalyse ein.

Ereignisraten vergleichbar mit NV-VHF-Kohorte

Aufgrund der geringen Ereignisinzidenz poolten die Studienautoren die Daten für alle DOAKs. Im Ergebnis erfassten sie sieben ischämische Schlaganfälle/Embolien in 699 Personenjahren, was einer Inzidenzrate von 1,00 pro 100 Personenjahre (95 %-KI 0,48–2,10) entspricht. Ferner kam es zu zwölf schweren Blutungen in 689 Personenjahren (Inzidenzrate 1,74 pro 100 Personenjahre; 95 %-KI 0,99–3,07). In den NV-VHF-Kohorten traten 554 ischämische Schlaganfälle/Embolien in 6708 Personenjahren auf (Inzidenzrate 0,83 pro 100 Personenjahre; 95 %-KI 0,76–0,90; p=0,613) und 1907 schwere Blutungen in 64.178 Personenjahren (Inzidenzrate 2,97 pro 100 Personenjahre; 95 %-KI 2,84–3,11; p=0,065).

Die Ereignisraten deckten sich den Forschern zufolge mit denen anderer Studien. „Aufgrund der niedrigen Ereignisraten sprechen unsere Daten für die Verschreibung von DOAKs in dieser Population“, so das Fazit von Greiss et al.

(ah/BIERMANN)