DPtV: Kassen blockieren Behandlung22. Februar 2018 Foto: © Dan Race – Fotolia.com Umfrageergebnisse der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) zeigen: Gesetzliche Krankenkassen lehnen seit Inkrafttreten der neuen Psychotherapie-Richtlinie im April vergangenen Jahres vermehrt Anträge auf eine Übernahme der Kosten für benötigte ambulante Psychotherapien ab. „Durch dieses Vorgehen werden die Patientinnen und Patienten daran gehindert, möglichst bald eine Psychotherapie zu beginnen. Außerdem verlangen einige Kassen, dass die Betroffenen eine psychotherapeutische Sprechstunde durchlaufen, obwohl dies erst im April 2018 verpflichtend für die Patienten wird. Viele Kassen blockieren damit eine Behandlung, obwohl seit Langem bekannt ist, dass nicht ausreichend Psychotherapeuten im GKV-System tätig sind“, erklärte Kerstin Sude, stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). Die DPtV-Umfrage zeigt: Seit dem 1. April 2017 wurden deutlich weniger Anträge zur Psychotherapie über Kostenerstattung genehmigt als in den davor liegenden Zeiträumen. „Die langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz bestehen weiter und die Lage wird zunehmend verschärft, wenn die Kassen keine Kostenerstattung mehr bewilligen. Wir raten den Betroffenen, mit rechtlichen Schritten dagegen vorzugehen“, betonte Sude. Der DPtV liegen durch die Mitgliederumfrage aktuelle Daten vor. 422 in Privatpraxen niedergelassene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten beteiligten sich an der Umfrage, besonders viele aus den Bundesländern Hamburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Die Auskünfte der Krankenkasse an ihre Versicherten entsprechen nicht immer der tatsächlichen Rechtslage. So berichten 63 Prozent der 422 Psychotherapeuten, dass der Antrag auf Kostenerstattung mit dem Verweis abgelehnt wurde, dass seit 2017 Terminservicestellen (TSS) Therapien vermitteln. Das ist falsch: Die TSS haben die Aufgabe, innerhalb von vier Wochen einen ersten Sprechstunden-Termin oder eine dringende Akutbehandlung zu vermitteln. Damit ist aber noch kein Therapieplatz gesichert. 47 Prozent der Befragten gaben an, dass den Patienten mitgeteilt werde, dass Kostenerstattung seit dem 1. April 2017 gar nicht mehr „existiere“; 41 Prozent berichteten, dass die Kassen auf die Option einer Akutbehandlung verweisen, doch ist dies keine Richtlinien-Psychotherapie. Auch sagten 40 Prozent der Befragten aus, dass ihren Patienten von Kassen mitgeteilt wurde, dass Wartezeiten zumutbar seien, obwohl in der Regel eine Dringlichkeitsbescheinigung von einem Arzt oder Psychotherapeuten vorlag. 14 Prozent der Befragten gaben an, dass als Alternative auf stationäre Behandlung verwiesen wurde. „Die hohen Nachfragezahlen zeigen, dass mehr Psychotherapie gebraucht wird, als im System angeboten wird. Die für die Patienten beste Lösung wäre es, mehr Psychotherapeuten eine Kassenzulassung zu ermöglichen. Bis dahin wird die Möglichkeit, Psychotherapie per Kostenerstattung zu erhalten, dringend benötigt. Wir fordern die Krankenkassen und den Gesetzgeber auf, hier endlich zu handeln“, bekräftigte Sude. Ergebnisse der DPtV-Umfrage
Mehr erfahren zu: "Neuroinflammation treibt Dravet-Syndrom voran" Neuroinflammation treibt Dravet-Syndrom voran Aktuelle Studienergebnisse deuten darauf hin, dass beim Dravet-Syndrom eine überaktive Immunreaktion im Gehirn eine Rolle spielen könnte. Bislang konzentrierte sich die Ursachenforschung vor allem auf eine Mutation im SCN1A-Gen, die […]
Mehr erfahren zu: "Studie zu problematischer Internetnutzung: Versuchung ist stärker als Stress" Studie zu problematischer Internetnutzung: Versuchung ist stärker als Stress Menschen mit problematischer Internetnutzung erleben häufiger Stress und schlechte Stimmung. Entscheidend dafür, ob sie tatsächlich online gehen, ist jedoch vor allem die Versuchung, wie eine Studie der Universität Duisburg-Essen zeigt.
Mehr erfahren zu: "Nikotinkonsum bei Jugendlichen: Forschende finden Zusammenhang mit psychischer Gesundheit" Nikotinkonsum bei Jugendlichen: Forschende finden Zusammenhang mit psychischer Gesundheit Heranwachsende, die Nikotin konsumieren, klagen mit höherer Wahrscheinlichkeit über Symptome von Angst, Depression und anderen psychischen Problemen als Nichtkonsumenten im selben Alter. Das geht aus aktuellen Untersuchungen an der Universität […]