Drei Millionen Euro für Aufklärung seltener Autoimmunerkrankungen20. Dezember 2019 Professor Dr. Thomas Illig, Dr. Faranaz Atschekzei und Professor Dr. Reinhold Ernst Schmidt (von links) wollen die Ursachen für fehlgesteuerte Immunantworten aufklären. © MHH / Karin Kaiser Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Forschungsnetzwerk GAIN / MHH mit Klinik für Immunologie und Rheumatologie und Biobank beteiligt Unser Immunsystem ist überlebenswichtig, um die permanenten Angriffe von Krankheitserregern in Schach zu halten. Wenn Fehlsteuerungen vorliegen, richtet sich der Kampf jedoch nicht allein gegen winzige Eindringlinge wie Viren, Bakterien oder Pilze, sondern auch gegen den eigenen Körper – mit ernsten gesundheitlichen Folgen. Schon ein einziges verändertes Gen vermag eine Autoimmunerkrankung auszulösen, die schwere Entzündungen verursachen und sogar mehrere Organe betreffen kann. Die genetischen und umweltbedingten Faktoren für die fehlgesteuerte Immunantwort besser zu verstehen, ist Aufgabe des Forschungsnetzwerkes GAIN (German multi-organ Autoimmunity Network). Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler, Medizinerinnen und Mediziner aus den Universitätskliniken Freiburg, Hannover, München und Kiel arbeiten daran, die Ursachen zu erforschen und so Diagnose, Beratung und Therapie für betroffene Patienten zu verbessern. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sind die Klinik für Immunologie und Rheumatologie unter der Leitung von Professor Dr. Reinhold Ernst Schmidt und die Hannover Unified Biobank (HUB) unter der Leitung von Professor Dr. Thomas Illig beteiligt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt mit insgesamt drei Millionen Euro. Davon gehen rund 383.000 Euro an die MHH. Diagnose von komplexem Krankheitsbild ist schwierig Autoimmunerkrankungen, die mehrere Organe betreffen, sind selten. Umso schwieriger ist ihre Diagnose, denn das Krankheitsbild ist komplex. Um betroffenen Patientinnen und Patienten helfen zu können, ist es jedoch wichtig, die Ursachen möglichst schnell zu erkennen. Denn je früher die Erkrankung behandelt werden kann, desto eher lässt sich ein schwerer Verlauf noch aufhalten. „In den vergangenen Jahren sind schon viele Gene identifiziert worden, die für Immundefekte und fehlgeleitete Immunregulation verantwortlich sind“, erklärt Dr. Faranaz Atschekzei, die gemeinsam mit Professor Schmidt das GAIN-Teilprojekt in der MHH-Klinik leitet. Mit ihrer Arbeitsgruppe will die Wissenschaftlerin die Entstehung und Entwicklung der Störungen des Immunsystems untersuchen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den so genannten epigenetischen Faktoren von Multi-Organ-Erkrankungen. Diese unterliegen Umwelteinflüssen und ändern – anders als eine Mutation – nicht das eigentliche Erbgut, wohl aber dessen Regulation. „Diese Faktoren erklären, weshalb sich bei diesen Erkrankungen die genetischen Veränderungen nicht immer bemerkbar machen und sich mitunter auch in unterschiedlichen Krankheitsbildern äußern“, sagt Dr. Atschekzei. Da Multi-Organ-Autoimmunerkrankungen zu den Seltenen Erkrankungen zählten, sei die Vernetzung und Zusammenarbeit im Forschungsverbund unbedingt nötig, um eine ausreichende Anzahl von Patienten untersuchen und verlässliche Aussagen machen zu können. Zentrale Struktur für Proben soll geschaffen werden Damit die wenigen über die Standorte verteilten Bioproben allen Forscherinnen und Forschern im GAIN-Netzwerk zur Verfügung stehen, soll eine Biobank für Multi-Organ-Autoimmunerkrankungen geschaffen werden. Professor Illig und sein Team werden dafür eine zentrale Probendatenbank aufbauen. Zwar sollen die Proben selbst nicht zentral in Hannover gelagert, sondern in der Biobankinfrastruktur der jeweiligen Standorte belassen werden. Die HUB bietet dem Netzwerk jedoch eine spezielle Registrierungssoftware, um die Daten zur Probenbearbeitung- und Lagerung zu erfassen. Diese Daten werden dann an die HUB übermittelt und dort zentral gesammelt und verwaltet.
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