Eine Stellungnahme zu den medizinethischen Konsequenzen der Corona-Pandemie8. Mai 2020 Foto: © zinkevych – Adobe Stock “Nicht die bedingungslose Rettung oder Verlängerung von Leben sollte das vorrangige Ziel des ärztlichen Handelns sein. Vielmehr gilt es, eine medizinische Versorgung zu gewährleisten, die dem Willen der Patienten entspricht und zu ihrem Wohl beiträgt.” Dies geht aus einer veröffentlichten Empfehlung des Hans-Albert-Instituts (HAI) hervor, die sich mit den medizinethischen Konsequenzen der Corona-Pandemie beschäftigt. Vor allem ältere Menschen sollten sich “mit der Frage auseinandersetzen, ob und wie sie im Falle einer akuten Verschlechterung des Gesundheitszustandes behandelt werden möchten”, rät das Institut. Allerdings setze eine selbstbestimmte Entscheidung für oder gegen eine medizinische Maßnahme ein entsprechendes Wissen über die Chancen und Risiken voraus. Dies betreffe in der aktuellen Corona-Krise insbesondere die Frage der Nützlichkeit und Angemessenheit einer intensivmedizinischen Behandlung. Das Hans-Albert-Institut weist in diesem Zusammenhang auf empirische Studien hin, denen zufolge nur etwa 10 bis 30 Prozent eine invasive Beatmung infolge einer schweren Covid-19-Erkrankung überlebten. Gerade bei älteren Patienten müsse man die Überlebenschancen als “erschreckend gering” einstufen. So seien in New York 97,2 Prozent der Über-65-Jährigen gestorben, die invasiv beatmet worden waren. Aufgrund solcher Erfahrungen würden Lungenfachärzte nun vermehrt dazu raten, vor dem Übergang zu einer invasiven Beatmung die gesamte Palette der zur Verfügung stehenden nicht-invasiven Behandlungsmethoden auszuschöpfen, um weitere Lungenschäden zu vermeiden und die Überlebenschancen der Patienten möglicherweise zu erhöhen. Plädoyer für eine kritisch-rationale Medizin Deutliche Kritik äußerte das Institut in diesem Punkt an der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, die auf die Frage, wie hoch in Deutschland der Prozentsatz der nach einer Intubation verstorbenen Patienten sei, mitteilte, dies sei “völlig irrelevant, da nicht die Intubation als solche bedeutsam ist, sondern die Schwere der Erkrankung des Patienten, die zu der Erfordernis einer Intubation und Beatmung geführt hat”. Dem hält das Hans-Albert-Institut entgegen, dass es sehr wohl entscheidend sei, “in Erfahrung zu bringen, wie viele Patienten von einer invasiven Beatmung profitieren konnten und welche Faktoren dafür von Bedeutung waren”: “Erst dann lässt sich der Nutzen einer Therapie und damit auch ihre individuelle Zumutbarkeit faktenbasiert beurteilen. Sollte sich herausstellen, dass andere Behandlungsmethoden zu besseren Ergebnissen führen, sind sie einer invasiven Beatmung vorzuziehen. Eine Korrektur des bisherigen Handelns erst gar nicht zu erwägen, gefährdet dagegen das Patientenwohl.” Die von Juristen, Medizinern und Philosophen des Hans-Albert-Instituts verfasste Stellungnahme endet mit einem kurzen Plädoyer für eine “kritisch-rationale Medizin”, welche “ihre Behandlungspraxis fortlaufend hinterfragt und verbessert”. Dies erfordere “nicht nur die Fähigkeit, bestehende Ungewissheiten in der derzeitigen Pandemie transparent zu benennen, sondern auch die Offenheit für alternative Problemlösungen”: “Schließlich liegt die Stärke der Wissenschaft vor allem in der Bereitschaft, aus ihren Fehlern zu lernen.”
Mehr erfahren zu: "Neue Leitlinie zur Behandlung aneurysmatischer Hirnblutungen veröffentlicht" Neue Leitlinie zur Behandlung aneurysmatischer Hirnblutungen veröffentlicht Die drei führenden Fachgesellschaften zur Behandlung aneurysmatischer Hirnblutungen haben auf der European Stroke Organisation Conference in Maastricht (Belgien) ihre neue Leitlinie vorgestellt.
Mehr erfahren zu: "Warken verteidigt Sparpläne: „Zumutung, aber notwendig“" Warken verteidigt Sparpläne: „Zumutung, aber notwendig“ Geplante Milliarden-Einsparungen bei den Gesundheitsausgaben empören Praxen und Kliniken. Die Ministerin stellt sich dem Unmut beim Ärztetag – größere Zugeständnisse signalisiert sie nicht.
Mehr erfahren zu: "Ärztepräsident: Spargesetz auf „Hold“ stellen" Ärztepräsident: Spargesetz auf „Hold“ stellen Geplante Milliarden-Einsparungen im Gesundheitswesen stoßen auf heftigen Protest bei Praxen und Kliniken. Vom Treffen der versammelten Ärzteschaft beim Deutschen Ärztetag in Hannover kommt ein Ruf nach einer Art Neustart der […]