Einfluss von Race und Ethnie auf das Risiko einer peripheren Neuropathie

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Hispanische Menschen haben im Vergleich zu Schwarzen und weißen Menschen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer peripheren Neuropathie, das sich einer aktuellen Studie zufolge nicht durch die gängigen Gesundheits-, Lebensstil- und sozialen Risikofaktoren erklären lässt.

Die Entstehung einer peripheren Neuropathie kann verschiedene Ursachen haben – seien es Diabetes mellitus, Autoimmunerkrankungen, Infektionen, eine durchlaufene Chemotherapie oder ein erhöhter Alkoholkonsum, um nur einige zu nennen. Es wurde beobachtet, dass sich die Prävalenz in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen unterscheidet. So ist der Anteil der Betroffenen in den USA unter Hispanics* und Schwarzen größer als bei weißen Personen. Die zugrundeliegenden Faktoren sind jedoch noch nicht vollständig verstanden.

„Race und Ethnie sind soziale Konstrukte ohne biologische Grundlage und können als Stellvertreter, Surrogat oder Indikator für schwer messbare Risikofaktoren dienen“, erläutert Erstautor Dr. Evan Lee Reynolds von der Michigan State University in East Lansing (USA) den Hintergrund der Studie, deren Ergebnisse im Fachblatt „Neurology“ erschienen. „Wir haben eine Vielzahl bekannter Risikofaktoren untersucht, darunter Gesundheit, Lebensstil und soziale Faktoren, und festgestellt, dass Hispanics auch nach Berücksichtigung dieser Risikofaktoren immer noch ein höheres Risiko für Neuropathie hatten.“

Erhebung verschiedener Risikofaktoren

Die Forscher um Reynolds nahmen eine sekundäre Querschnittsanalyse des National Health and Nutrition Examination Survey von 1999 bis 2004 vor. In ihre Untersuchung inkludierten sie 8014 Personen (50 % weiblich), von denen 55 Prozent nicht hispanische Weiße, 24 Prozent Hispanics, 18 Prozent nicht hispanische Schwarze und drei Prozent einer anderen Race oder ethnischen Gruppe angehörten. Sie waren im Durchschnitt 61 Jahre alt und 13 Prozent litten an peripherer Neuropathie, beurteilt auf Basis einer verminderten Empfindsamkeit in einem Monofilament-Test.

Anhand einer Befragung ermittelten die Studienverantwortlichen Risikofaktoren für eine Neuropathie. Zu diesen gehörten:

  • Alter und Geschlecht
  • Gesundheitsfaktoren wie Taillenumfang, Blutdruck, Blutzucker- und Cholesterinspiegel
  • Lebensstilfaktoren wie körperliche Aktivität und Ernährung
  • soziale Faktoren wie Ernährungssicherheit, Haushaltseinkommen und Krankenversicherung.

Erhöhtes Neuropathie-Risiko bei hispanischen Personen

In der Studienkohorte waren Menschen mit Neuropathie älter, hatten einen niedrigeren HDL-Cholesterinspiegel und einen höheren systolischen Blutdruck. Darüber hinaus hatten 25 Prozent Diabetes, verglichen mit 16 Prozent der Personen ohne Neuropathie. Im Durchschnitt hatten sie einen größeren Taillenumfang, nahmen einen geringeren Anteil an gesunden Fetten zu sich und hatten im letzten Monat seltener moderate bis intensive körperliche Aktivitäten ausgeübt als Personen ohne Neuropathie. Außerdem hatten 40 Prozent ein jährliches Haushaltseinkommen von 20.000 Dollar oder weniger, verglichen mit 32 Prozent der Personen ohne Neuropathie.

Nach Bereinigung um Alter und Geschlecht stellten die Forscher fest, dass Hispanics und Schwarze im Vergleich zu Weißen ein höheres Risiko für eine periphere Neuropathie hatten. Nach Bereinigung um zusätzliche Gesundheits-, Lebensstil- und soziale Risikofaktoren hatten Hispanics jedoch ein um 32 Prozent erhöhtes Risiko für periphere Neuropathie im Vergleich zu Weißen, während Schwarze ein ähnliches Risiko wie weiße hatten.

Die Forscher fanden weiter heraus, dass soziale Faktoren das Risiko für Neuropathie erhöhten, insbesondere bei Hispanics. Nicht versichert zu sein erhöhte das Risiko um 56 Prozent und Ernährungsunsicherheit um 48 Prozent.

Weitere Forschung zu unbekannten sozialen Faktoren nötig

„Nach umfassender Bereinigung um bekannte Risikofaktoren stellten wir fest, dass Schwarze ein ähnliches Risiko für Neuropathie hatten wie Weiße, während Hispanics weiterhin ein erhöhtes Risiko für Neuropathie hatten“, sagt Reynolds. Die Forscher halten es daher für wahrscheinlich, dass für diese Bevölkerungsgruppe unbekannte soziale Risikofaktoren existieren. „Die Identifizierung zusätzlicher Risikofaktoren für Hispanics sollte im Mittelpunkt zukünftiger Studien stehen“, fordert Reynolds.

Einschränkend weisen die Forscher darauf hin, dass Faktoren wie Ernährung und Bewegung von den Teilnehmern selbst angegeben und somit möglicherweise nicht korrekt wiedergegeben wurden.

*Anm. d. Red.: Die verwendeten Kategorien (z. B. „weiß“, „Schwarz“, „Hispanic“) folgen der US-amerikanischen Einteilung in sogenannte „Races“ und Ethnien. Dabei handelt es sich um soziale Klassifikationen ohne biologische Grundlage.

(ah/BIERMANN)