Kurzfristiger Effekt von Virtual Reality auf postoperative Schmerzen bei Jugendlichen

Im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie am pädiatrischen Zentrum der Semmelweis-Universität wurden Virtual-Reality-Headsets eingesetzt. Die Forscher untersuchten, ob der präoperative Einsatz von VR-Brillen Angstzustände und postoperative Schmerzen bei Jugendlichen, die sich einer Trichterbrustoperation unterziehen, reduzieren kann. (Foto: ©Boglárka Zellei – Semmelweis University)

Jugendliche, die sich einem chirurgischen Eingriff unterziehen, könnten laut einer neuen Studie von der präoperativen Nutzung von Virtual Reality (VR) profitieren. Diese war mit geringeren Schmerzen in der frühen Phase nach der Operation verbunden. Präoperative Ängste konnten damit jedoch nicht gelindert werden.

Der perioperative Einsatz von VR-Technologien bei Kindern ist nicht neu. VR wirkt primär durch Ablenkung und hat bei jüngeren Kindern einen schmerzlindernden und angstreduzierenden Effekt. Bei Jugendlichen ist die Wirkung von VR allerdings weniger gut untersucht. Dem nahm sich nun eine Gruppe aus Pädiatern und Anästhesisten der Semmelweis-Universität in Budapest (Ungarn) an. Ihre Erkenntnisse publizierten sie kürzlich im „Journal of Pediatric Surgery“.

VR-Intervention versus präoperative Standardversorgung

An ihrer randomisierten, kontrollierten Studie, die im pädiatrischen Zentrum der Semmelweis-Universität durchgeführt wurde, nahmen 50 Patienten im Alter von 13 bis 18 Jahren teil (medianes Alter 15,6 Jahre; 82 % männlich), die sich einer Operation aufgrund einer Trichterbrust (Pectus excavatum) unterzogen. Bei der Operation werden ein oder mehrere gebogene Metallstäbe durch kleine Schnitte auf beiden Seiten des Brustkorbs unter das Brustbein eingeführt und anschließend gedreht, um den eingesunkenen Brustkorb anzuheben. Aufgrund des anhaltenden Drucks auf die Brustwand ist die postoperative Phase oft sehr schmerzhaft.

Die Hälfte der Teilnehmer wurde per Zufall der VR-Gruppe zugeteilt und nutzte eine Stunde vor der Operation ein VR-Headset, während die andere Hälfte die präoperative Standardversorgung erhielt. In der VR-Gruppe bevorzugten männliche Patienten Action- und Abenteuervideos und -spiele, während weibliche Teilnehmerinnen hauptsächlich Meditations- und Entspannungs-Apps nutzten.

Angst bleibt, aber Schmerzen sind kurzzeitig besser

„Wir wollten untersuchen, ob VR die präoperative Angst reduzieren kann, die später bei Kindern zu Problemen wie Albträumen, Bettnässen oder Trennungsangst führen kann“, erläutert Erstautorin Sarolta H. Trinh die Hauptfragestellung der Studie. Dies war jedoch nicht der Fall, wie die Ergebnisse zeigen. Der Angstpegel stieg in beiden Gruppen mit der Aufnahme in den Operationssaal an, ohne dass ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden konnte. Laut den Forschern könnte dies daran liegen, dass alle Patienten routinemäßig vor der Operation ein Beruhigungsmittel erhielten. Dadurch sei der zusätzliche Effekt von VR möglicherweise maskiert worden.

Gleichzeitig beobachteten die Mediziner allerdings eine vorübergehende Verbesserung der postoperativen Schmerzen. So berichteten die Patienten der VR-Gruppe in der ersten Stunde nach der Operation über niedrigere Schmerzwerte auf einer Skala von 0 bis 10 (Median 5 vs. 7,5). Dieser Unterschied war jedoch zu späteren Zeitpunkten nicht mehr feststellbar. Die Forscher betonen, dass die Studie primär zur Beurteilung von Angstzuständen konzipiert war, weshalb dieses Ergebnis mit Vorsicht zu interpretieren sei.

Forscher sehen weiteres Potenzial in der VR

„Der Unterschied im postoperativen Schmerz war überraschend, zeigte sich aber nur in der ersten Stunde, und wir beobachteten keinen längerfristigen Effekt. Daher ist seine klinische Relevanz begrenzt. Dennoch deutet er darauf hin, dass die Rolle von VR in der chirurgischen Versorgung weiter erforscht werden sollte“, resümiert Ko-Autorin Dr. Ágnes Jermendy, Assistenzprofessorin am Pädiatrischen Zentrum der Semmelweis-Universität.

„Die Integration von VR in die perioperative Versorgung würde Schmerzmittel oder eine adäquate Anästhesie nicht ersetzen, könnte aber die Organisation chirurgischer Arbeitsabläufe verbessern und das Patientenerlebnis optimieren. Dies stellt möglicherweise einen vielversprechenden Ansatzpunkt für zukünftige Forschung dar“, ergänzt der Leiter des an der Studie beteiligten Anästhesieteams Dr. Balázs Hauser, Oberarzt für Anästhesiologie an der Universitätsklinik für Anästhesiologie und perioperative Patientenversorgung.

Zukünftige Forschung könnte auch untersuchen, wie VR während der Genesungsphase eingesetzt werden kann, beispielsweise in der frühen Rehabilitation oder zur Reduzierung von Krankenhausstress. Weitere Studien sind erforderlich, um zu ermitteln, welche Patientengruppen am meisten von einer solchen Intervention profitieren könnten.

(ah/BIERMANN)

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