Embryonales Rhabdomyosarkom: Studie findet unterstützende Behandlungsmöglichkeit

Aktuell werden Rhabdomyosarkome durch eine Kombination aus Resektion, Chemotherapie und Bestrahlung behandelt. (Foto: © Doralin – stock.adobe.com)

Bei alveolarem und embryonalem Rhabdomyosarkom ist die prinzipiell mögliche Differenzierung der Tumorzellen zu Skelettmuskelzellen gehemmt. Forschende der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg haben nun einen Weg gefunden, die Umwandlung anzustoßen und das Tumorwachstum zu bremsen.

Rhabdomyosarkome sind die häufigsten Weichteiltumore bei Kindern. Rhabdomyosarkome können an nahezu allen Stellen des Körpers entstehen. Man unterscheidet zwei Hauptarten der Rhabdomyosarkome, die alveolaren und die embryonalen Rhabdomyosarkome. Beiden Formen gemeinsam ist jedoch, dass die prinzipiell mögliche Differenzierung der Tumorzellen zu postmitotischen Skelettmuskelzellen gehemmt ist. Während aber bei den alveolaren Rhabdomyosarkomen die molekulare Ursache durch eine Fusion von PAX3/7-FOXO1 recht gut verstanden ist, ist sie beim embryonalen Rhabdomyosarkom hingegen divers, was die Therapie erschwert.

Aktuell werden Rhabdomyosarkome durch eine Kombination aus Resektion, Chemotherapie und Bestrahlung behandelt. Da die Tumore aber oft nicht vollständig entfernt werden können und Chemotherapie und Bestrahlung bei Kindern auch Konsequenzen im Erwachsenenalter nach sich ziehen kann, werden dringend unterstützende Therapien benötigt.

Blockade von TRPS1 bremst das Tunorwachstum

Der molekulare Repressor TRPS1 spielt eine wichtige Rolle bei der myogenen Differenzierung und bei bestimmten Formen von Brustkrebs. Das Team um Julia von Maltzahn an der BTU Cottbus-Senftenberg und am Leibniz Institut für Alternsforschung hat nun die Herunterregulation von TRPS1 in embryonalen Rhabdomyosarkomen als möglichen Ansatzpunkt für neuartige Therapieverfahren identifiziert. Hier ist die Idee, dass durch Reduktion der Menge des TRPS1 eine proliferierende Tumorzelle in eine postmitotische Myotube/Muskelfaser differenzieren kann. Die Rhabdomyosarkomzellen haben generell die Fähigkeit, in differenzierte, sich nicht mehr teilende Skelettmuskelzellen (Myotuben/Muskelfasern) zu differenzieren. Allerdings ist die Induktion der Differenzierung blockiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine Reduktion der TRPS1 Menge in embryonalen Rhabdomyosarkomzellen zu einer verringerten Proliferation und zu einer Differenzierung in postmitotische Myotuben führt. Die Studie konnte dies für verschiedene humane embryonale Rhabdomyosarkome zeigen und auch in einem In-vivo-Xenograft-Transplantationsversuch bestätigen. Hier zeigte sich, dass das Tumorwachstum reduziert war und dafür eine erhöhte Anzahl differenzierter Skelettmuskelzellen nachgewiesen werden konnte.

Der Ansatz könnte künftig Chemo- und Strahlentherapie beim embryonalen Rhabdomyosarkom ergänzen – einem der häufigsten Weichteiltumoren im Kindesalter. Die von der Wilhelm Sander Stiftung mit 185.000 Euro geförderte Studie wurde in „Molecular Therapy“ veröffentlicht.