Neu entdeckte Schwachstelle könnte Medulloblastome angreifbar machen

Medulloblastome sind die häufigsten bösartigen Hirntumore bei Kindern. (Foto: © pikovit – stock.adobe.com)

Forschende am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg und am St. Jude Children’s Research Hospital in Memphis (USA) haben eine mögliche neue Schwachstelle bei Medulloblastomen entdeckt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass ein bestimmtes Protein Tumorzellen offenbar dabei unterstützt, in einem unreifen Zustand zu bleiben und weiter zu wachsen.

Das Medulloblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der vor allem bei Kindern auftritt. Heute weiß man, dass es verschiedene Formen dieser Erkrankung gibt. Sie unterscheiden sich unter anderem darin, welche Veränderungen in den Tumorzellen auftreten und wie die Erkrankung verläuft. Das internationale Forschungsteam untersuchte nun genauer, wie die Erbinformation in den Tumorzellen gesteuert wird. Denn nicht nur Veränderungen im Erbgut selbst können für die Entstehung von Krebs wichtig sein. Entscheidend ist auch, welche Gene eine Zelle an- oder ausschaltet.

Dabei entdeckten die Forschenden bei zwei häufigen Formen des Medulloblastoms eine Besonderheit: Gene, die normalerweise dabei helfen, dass unreife Zellen zu spezialisierten Nervenzellen heranreifen, waren in den Tumorzellen auffällig wenig aktiv.

Bei der Suche nach der Ursache stieß das Team auf ein Protein mit der Bezeichnung KDM2B. Dieses Protein war vor allem in Gruppe-4-Medulloblastomen besonders aktiv. Diese Gruppe gehört zu den häufigsten Formen des Medulloblastoms.

Die Forschenden vermuten, dass KDM2B dazu beiträgt, dass die Tumorzellen in einem unreifen Zustand bleiben. Entfernten sie das Protein, wurden Gene für die normale Reifung der Zellen wieder aktiver.

KDM2B als neues Therapieziel

Besonders wichtig war die Frage, was passiert, wenn die Tumorzellen ohne KDM2B auskommen müssen. In verschiedenen Versuchen schalteten die Forschenden das Protein gezielt aus. Daraufhin wuchsen die untersuchten Tumorzellen deutlich langsamer. Auch bei Mäusen verlangsamte sich das Tumorwachstum und die Tiere lebten länger.

„Für Medulloblastome der Gruppen 3 und 4 gibt es bislang keine wirksamen zielgerichteten Therapien“, erklärt Stefan Pfister, Direktor am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ), Leiter der Abteilung Pädiatrische Neuroonkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), Kinderonkologe am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und Professor an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. „Die neuen Ergebnisse machen KDM2B und die von ihm gesteuerten molekularen Prozesse deshalb zu interessanten Kandidaten, um Kindern und Jugendlichen mit diesen Hirntumoren zukünftig neue Behandlungsoptionen anbieten zu können.“

In Zukunft könnte deshalb untersucht werden, ob sich KDM2B gezielt angreifen oder aus Tumorzellen entfernen lässt. Bis daraus eine Behandlung für Patienten entstehen kann, ist jedoch noch weitere Forschung notwendig, wie Pfister betont. Denn die Ergebnisse seien zunächst ein wichtiger Schritt in der Grundlagenforschung: „Die bisherigen Untersuchungen wurden an Tumorzellen und Mäusen durchgeführt. Sie zeigen einen möglichen therapeutischen Angriffspunkt. Die Wirksamkeit einer KDM2B-gerichteten Therapie bei Kindern mit Medulloblastom muss aber erst noch belegt werden.“

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