Endophthalmitis: Frühzeitige Vitrektomie zeigt sich vorteilhaft

Ophthalmologe führt eine Augenoperation durch. (Symbolbild.) Bild:©Roman-stock.adobe.com

Eine klinische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine frühzeitige Vitrektomie bei akuter Endophthalmitis für das Sehvermögen der Patienten vorteilhafter sein kann als der derzeit übliche Einsatz von Antibiotika.

Geleitet wurde die Untersuchung von Forschenden des University College London (UCL) und des Moorfields Eye Hospital (beides Vereinigtes Königreich). Ihre Ergebnisse zu dieser klinischen Phase-2-Studie zur Überprüfung der Durchführbarkeit haben die Forschenden in der Fachzeitschrift „Communications Medicine“ veröffentlicht.

Die Endophthalmitis tritt zwar selten auf, stellt aber eine verheerende Komplikation nach Augenoperationen oder Injektionen ins Auge dar. Sie kann zu Sehverlust und Erblindung führen. Allerdings gab es bisher nur für Fälle nach einer Kataraktoperation Behandlungsrichtlinien. Bislang bestand das herkömmliche Vorgehen in der Augenheilkunde darin, in der Frühphase der Erkrankung wiederholt Antibiotika in das Auge zu injizieren. Erst wenn diese Maßnahme als unwirksam erwies, wurde eine Vitrektomie durchgeführt.

Bereits vor dreißig Jahren deuteten Forschungsergebnisse auf die potenziellen Vorteile einer sofortigen Vitrektomie bei Patienten hin, die nach einer Kataraktoperation eine Endophthalmitis entwickelten. Dennoch wurde dieses Verfahren nur selten angewandt. Seitdem haben Fortschritte in der Operationstechnik zu einer erheblichen Weiterentwicklung des Verfahrens geführt. Darunter befinden sich die Entwicklung der „Small-Gauge“-Pars-plana-Vitrektomie (PPV), Weitwinkel-Beobachtungssysteme und der routinemäßige Einsatz von Silikonöl.

Mediane Verbesserung um 40 zusätzlich erkennbare Buchstaben nach frühzeitiger Vitrektomie

An dieser landesweiten britischen Studie nahmen 63 Patienten in 21 Krankenhäusern teil. Es handelt sich um die erste randomisierte kontrollierte Studie, die den potenziellen Nutzen einer frühzeitigen Vitrektomie untersucht hat. Konkret wurde innerhalb von 48 bis 96 Stunden nach der Diagnose einer Endophthalmitiseine Vitrektomie durchgeführt.

Die Studie zeigt, dass nach sechs Monaten die Patienten, die diese neue Behandlung erhielten, eine mediane Verbesserung um 40 zusätzlich erkennbare Buchstaben aufwiesen (gemessen anhand einer Sehtafel mit fünf Buchstaben pro Zeile). Im Vergleich dazu erzielten Patienten, die zunächst eine bis zu sechsmonatige Antibiotikabehandlung erhielten, eine mediane Verbesserung um 13 Buchstaben. Dadurch führte der neue Ansatz zu einer mehr als dreimal so starken Verbesserung des Sehvermögens wie die herkömmliche Behandlung.

Verbesserungen traten nach Vitrektomie früher ein

Zudem traten diese Verbesserungen bei den Patienten früher ein. Dies brachte nicht nur Linderung und Genesung bei dieser potenziell schmerzhaften Erkrankung, sondern nahm den Betroffenen auch schneller die psychische Belastung durch die drohende Gefahr eines Sehverlusts. Zum Sechs-Monats-Zeitpunkt zeigt die Studie, dass diese Patienten potenziell eine stärkere Verbesserung der Sehschärfe erzielen können. Hält dieser Effekt an, würde dies den gesellschaftlichen Nutzen weiter steigern.

Des Weiteren zeigte sich bei der frühen Vitrektomie eine geringere Rate an nicht schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (47 % gegenüber 68 %) sowie Netzhautablösungen. Die Durchführbarkeit des Verfahrens sowie dessen Akzeptanz bei Patienten und Chirurgen wurden vom Studien-Team bestätigt.

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse aufgrund der begrenzten Stichprobengröße von 63 Patienten nur eine eingeschränkte statistische Aussagekraft besitzen. Dennoch sprechen die Befunde für die Durchführung einer größeren klinischen Phase-3-Studie.

Der Erstautor Mahi Muqit, außerordentlicher Professor am UCL Institute of Ophthalmology und leitender vitreoretinaler Facharzt am Moorfields Eye Hospital, erklärte: „Diese wichtige neue Studie verdeutlicht den potenziellen kurz- und langfristigen Nutzen einer frühen Vitrektomie für Patienten, die nach einem Augeneingriff eine Endophthalmitis entwickeln. Da der Einsatz dieses Verfahrens zum Zeitpunkt der Diagnose ein deutliches Potenzial zur Verbesserung der klinischen Ergebnisse aufweist, planen wir nun, das Vorhaben in einer definitiven randomisierten klinischen Phase-3-Studie weiterzuverfolgen, um diese Frage abschließend zu klären.“

(sas/BIERMANN)