Hohe progrediente Myopie: PSR könnte frühe Fundusveränderungen bei Kindern verlangsamen18. September 2026 Kind beim Sehtest. Symbolbild:©New Africa-stock.adobe.com Eine posteriore Skleraverstärkung (posterior scleral reinforcement, PSR) könnte bei Kindern mit progredienter hoher Myopie die Progression früher struktureller Fundusveränderungen verlangsamen. Eine prospektive Fall-Kontroll-Studie aus China zeigt, dass nach dem Eingriff die makuläre Fundustessellation über drei Jahre weniger stark zu und die subfoveale Aderhautdicke weniger stark abnahm. Auf Achsenlänge und Refraktionsprogression hatte die PSR dagegen keinen signifikanten Einfluss. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden im Fachjournal „Eye Discovery“. Die PSR wurde bereits in den 1930er-Jahren entwickelt. Dabei wird die posteriore Sklera mechanisch verstärkt, um der weiteren Expansion des hochmyopen Auges entgegenzuwirken. Bisherige Untersuchungen konzentrierten sich vor allem auf eine mögliche Hemmung der axialen Elongation. Die Ergebnisse waren jedoch uneinheitlich, und große randomisiert-kontrollierte Studien fehlen. Hohe Myopie wurde mit Patch aus Rinderperikard behandelt Die aktuelle Studie untersuchte dagegen erstmals über einen längeren Zeitraum quantitativ, wie sich eine PSR auf Fundusveränderungen auswirkt. 37 Kinder mit rasch progredienter hoher Myopie erhielten bilateral eine PSR mit einem Patch aus quervernetztem Rinderperikard. Als Kontrollgruppe dienten 32 hinsichtlich Alter, sphärischem Äquivalent und Achsenlänge gematchte Kinder, deren Myopie jedoch langsamer fortschritt. Nach drei Jahren standen Daten von 30 beziehungsweise 27 Kindern zur Verfügung. Bei den konventionellen Parametern der Myopieprogression zeigte die PSR keinen signifikanten Vorteil gegenüber der Kontrollgruppe. Die Achsenlänge nahm innerhalb von drei Jahren in der PSR-Gruppe um 0,70 ± 0,43 mm und in der Kontrollgruppe um 0,80 ± 0,53 mm zu (p = 0,713). Auch beim sphärischen Äquivalent bestand mit Veränderungen von -1,23 ± 0,89 dpt versus -1,60 ± 1,15 dpt kein signifikanter Unterschied (p = 0,195). Fundusanalyse zeigte Vorteile der Skleraverstärkung bei hoher Myopie Unterschiede gab es dagegen bei der der quantitativen Fundusanalyse. Die makuläre Fundustessellationsdichte (fundus tessellated density, FTD) veränderte sich nach PSR innerhalb von drei Jahren um -0,65 ± 5,74Prozent – gegenüber +3,69 ± 3,80 Prozent in der Kontrollgruppe (p = 0,002). Die makuläre FTD nahm in der Kontrollgruppe im Verlauf signifikant zu (p < 0,001), während sie sich in der PSR-Gruppe nicht signifikant veränderte. Auch die subfoveale Aderhautdicke nahm nach PSR weniger stark ab: um 9,93 ± 20,14 µm gegenüber 23,07 ± 15,23 µm ohne PSR (p = 0,044). In der Kontrollgruppe war die Abnahme über drei Jahre signifikant (p < 0,001), in der PSR-Gruppe dagegen nicht. Die Veränderungen der subfovealen Aderhautdicke korrelierten weder mit der axialen Elongation noch mit der Refraktionsprogression. Die Autoren vermuten daher, dass die PSR frühe Veränderungen einer myopen Makulopathie möglicherweise über Mechanismen beeinflusst, die über eine rein mechanische Begrenzung des axialen Längenwachstums hinausgehen. A) Mit Optos aufgenommene Pseudofarben-Fundusaufnahme. B) Messung der Aderhautdicke an der Fovea. Mithilfe des integrierten Messwerkzeugs wurde eine senkrechte Linie vom posterioren Rand des retinalen Pigmentepithels bis zur Aderhaut-Sklera-Grenze gezogen.Bild:© Weijung Ten Größere, randomisierte Studie zum Einsatz bei hoher Myopie erforderlich Die Aussagekraft der Studie ist allerdings begrenzt. Aus ethischen Gründen war die Untersuchung nicht randomisiert: Die operierten Kinder hatten vor Studienbeginn eine rasch progrediente Myopie von mindestens -1,0 dpt/Jahr, während die Myopie in der Kontrollgruppe langsamer fortschritt. Zudem war die Stichprobe klein und zwölf der 69 Kinder gingen im Follow-up verloren. Die Autoren halten daher größere, langfristige randomisierte Studien für erforderlich, um zu klären, ob PSR die Progression einer myopen Makulopathie tatsächlich verzögern kann. (nec/BIERMANN)
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