Erbliche Netzhautdegeneration: Weiterer Schritt Richtung Therapie16. März 2018 Foto: © HANK – Fotolia.com Einem Team von Wissenschaftlern aus Deutschland, Schweden und Italien ist es gelungen, einen Signalweg zu finden, über den eine neuartige Medikamentensubstanz gegen die erbliche Netzhautdegeneration die Blut-Hirn-Schranke passieren kann. Die erbliche Netzhautdegeneration ist eine neurodegenerative Erkrankung, die mit einem Absterben der Photorezeptoren im Auge einhergeht und für die es bislang keine effektive Behandlung gibt. Schwere Beeinträchtigungen des Sehvermögens bis hin zu vollständigem Erblinden sind die Folgen. Alleine in Europa sind etwa 130.000 Personen betroffen. Bei vielen dieser Netzhauterkrankungen kommt es zu einer Überaktivierung des cGMP-Signalweges. Diese den Zelltod auslösende Überaktivierung kann aber durch synthetische cGMP-Analoga ausgeglichen werden. Das internationale Forscherteam konnte jetzt zeigen, dass die Formulierung eines inhibitorischen Analogons des Signalmoleküls in einem liposomalen Nanocontainer den Photorezeptorverlust reduzieren kann. Zudem führte diese neuartige Substanzformulierung zu einem Funktionserhalt der Netzhaut in drei verschiedenen Krankheitsmodellen. Dazu muss das cGMP-Analogon durch Verwendung von speziell entwickelten Liposomen über die Blut-Hirn-Schranke hinweg zu den Photorezeptoren der Netzhaut gelangen. „Die Konsortiums-Partner haben jetzt gemeinsam die Start-up-Firma Mireca Medicines gegründet“, erklärte Prof. François Paquet-Durand, Koordinator des EU-Projektes vom Tübinger Forschungsinstitut für Augenheilkunde. „Damit soll die weitere klinische Entwicklung dieser neuen Formulierung eines cGMP-Analogons vorangetrieben werden.“ Die Europäische Medizinagentur unterstützt die klinische Translation durch das Start-up mit einer sogenannten Orphan Drug Designation für das cGMP-Analogon (EMA; EU/3/15/1462). Dieser besondere rechtliche Status vereinfacht die klinische Prüfung und verbessert damit auch die Aussichten auf eine zukünftige Anwendung. Optimale Bedingungen vorausgesetzt, könnte in acht bis zehn Jahren ein wirkungsvolles Medikament auf den Markt gebracht werden, schätzen die Wissenschaftler. Originalpublikation: Vighi E et al.: PNAS, 12. März 2018
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