Erforschung resorbierbarer Membran-Implantate wird mit rund einer halben Million Euro gefördert19. Juli 2021 Bild: foton1601- stock.adobe.com Im Rahmen des Förderprogramms „Rubin – Regionale unternehmerische Bündnisse für Innovation“ fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Aachener Bündnis „reACT“ (resorbierbare Implantat-Lösungen aus der Aachener Technologieregion). Die Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie der Uniklinik RWTH Aachen wird hierbei für drei Jahre mit rund 510.000 Euro für ihr Projekt „Soft Tissue Regeneration – Scaffold-basierte Weichgewebsregeneration“ gefördert – die Gesamtfördersumme des Bündnisses beläuft sich auf über zehn Millionen Euro. „reACT“ ist ein Zusammenschluss zahlreicher Akteure aus Wirtschaft, Forschung und Universität, dem auch die Uniklinik RWTH Aachen federführend angehört. Insgesamt werden drei konkrete Anwendungssegmente der medizinischen Therapie gefördert: der Bereich der Weichgeweberegeneration (Soft Tissue Regeneration), der Bereich der Knochenheilung (Bone Repair) sowie die kardiologische Intervention (Cardiovascular Intervention). Zusätzlich beinhaltet die Förderung zwei querschnittsstärkende Themenbereiche, die sich mit grundsätzlichen anwendungsübergreifenden technologischen Aspekten der effizienten und schnellen Entwicklung von resorbierbaren Implantaten (Vertical 1) sowie dem Aufbau von Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Umschulungsangeboten im Hochtechnologiebereich (Vertical 5) beschäftigen. Hauptverantwortlicher des Projektes ist Prof. Justus P. Beier, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie an der Uniklinik RWTH Aachen. Projektleiter ist Dr. Benedikt Schäfer. Erforschung elastischer Mebran-Implantate „Im Bereich der komplexen Weichgewebsrekonstruktion besteht die Problematik, dass für eine erfolgreiche Rekonstruktion oftmals Gewebe von einer anderen, gesunden Körperstelle des Patienten entnommen werden muss, um den Weichteildefekt abdecken zu können. Dies hat zur Folge, dass eine zusätzliche, eigentlich unversehrte Region des Körpers geschädigt werden muss. Außerdem kann gesundes körpereigenes Gewebe nur in sehr begrenztem Maß transplantiert werden“, schildert Beier den Hintergrund und zugleich die Ausgangslage des Projektes. „Aus diesen Gründen sollen im Rahmen des „reACT“-Bündnisses elastische äußere und innere Membran-Implantate erforscht werden, die spezifisch auf die häufigsten kritischen operativen Indikationen zugeschnitten sind“, führt der Klinikdirektor fort. „Die resorbierbaren Komponenten der zu erforschenden Membran-Implantate erfüllen dabei den Zweck einer temporären Stützstruktur für das Einwachsen von Zellen und Blutgefäßen und ermöglichen dem Körper, sein Potenzial zur Regeneration nahezu vollumfänglich zu entfalten. Dazu ist es erforderlich, ihren Abbau genau auf die Formationsrate neuen, funktionalen Gewebes abzustimmen“, erklärt Schäfer. Regenerationsfähigkeit des Körpers bestmöglich unterstützen Ziel des vorliegenden Verbundprojektes ist es, mithilfe neuartiger Werkstoff- und Designkonzepte die Weichgeweberegeneration und Rekonstruktion zu erforschen und prototypisch zu realisieren. Dabei sollen unter anderem resorbierbare Biomaterialien wie beispielsweise Seidenproteine sowie innovative Fertigungsverfahren wie der 3D-Druck zum Einsatz kommen. Die zu entwickelnden in-vitro- und in-vivo-Modelle münden in intelligenten Membran-Implantaten, die zum einen in ihrer Funktionalität spezifisch auf die häufigsten Operationstechniken von Weichgewebe zugeschnitten sind und die weiterhin durch ihre Konstruktion und resorbierbare Natur die Regenerationsfähigkeit des Körpers bestmöglich unterstützen. „Damit adressiert dieses Verbundvorhaben ein bislang ungelöstes klinisches Problem, das eine enorm hohe sozioökonomische Bedeutung hat“, betont Beier. Bündelung von Fähigkeiten und Möglichkeiten in Aachen Durch die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Ingenieuren und dank der neuesten Erkenntnisse aus der Materialforschung, könnten hoch innovative Produkte mit ganz neuen Eigenschaften entstehen, sind die Forscher überzeugt. Im reACT-Bündnis, das von der Meotec GmbH koordiniert wird, haben sich 20 Partner aus Wirtschaft, Forschung und Universität zusammengeschlossen, darunter Unternehmen verschiedener Größen (vom Start-Up bis zum internationalen Konzern), Forschungseinrichtungen, vor allem aus dem Bereich der Materialwissenschaften, verschiedene Kliniken der Uniklinik RWTH Aachen, Akteure der RWTH Aachen University sowie Netzwerkvereine und Dienstleister. Vor allem der direkte Austausch zwischen den zukünftigen Anwendern in der Uniklinik RWTH Aachen und den Herstellern ermögliche eine schnellstmögliche und zielgerichtete Entwicklung von Lösungen für den klinischen Bedarf.
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