Erneut Anklage gegen Frauenarzt wegen Verstoßes gegen §219a10. Mai 2021 © blende11.photo – stock.adobe.com Der Frauenarzt Detlef Merchel, Nottuln, hat sich am Donnerstag, 20.5.2021, 10:45 Uhr, vor dem Amtsgericht Coesfeld, Münsterland, zu verantworten. Von Abtreibungsgegnern angezeigt wird im bevorstehenden Prozess wieder einmal der Verdacht, gegen den §219a verstoßen zu haben, verhandelt. Das Vergehen: Der Frauenarzt informiert auf seiner Webseite sachlich, dass und wie er Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Die nach §219a kriminalisierten ÄrztInnen haben die Aufgabe und Pflicht, betroffenen Frauen zutreffende und notwendige Gesundheitsinformationen zu geben. Nach dem Patientenrechtegesetz haben PatientInnen den Anspruch auf diese Informationen. Jede sachliche Information zu Schwangerschaftsabbrüchen von ÄrztInnen auf ihren Webseiten bleibt allerdings auch nach der Reform des Paragraphen im Februar 2019 unter Strafe gestellt. Rechtssicherheit ergab die Reform nicht: seit Februar 2020 wurden einerseits zwei ÄrztInnen nach §219a verurteilt, bei zwei ÄrztInnen wurde andererseits der Prozess niedergelegt. Auch der reformierte §219a verbietet vermeintliche Werbung für den Abbruch einer Schwangerschaft. Selbst das Bundesverfassungsgericht führte 2006 aus: Wenn die Rechtsordnung Wege zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen durch Ärzte eröffnet, muss es dem Arzt auch ohne negative Folgen für ihn möglich sein, darauf hinzuweisen, dass Patientinnen seine Dienste in Anspruch nehmen können. Bundesverfassungsgericht vom 24.05.2006 – 1 BvR 1060/02 – BVerfGK 8, 107-118. Weiterhin instrumentalisieren AbtreibungsgegnerInnen den Strafrechtsparagraphen, um Frauen und ÄrztInnen einzuschüchtern und ihre Ideologien durchzusetzen. Die unterzeichnenden Organisationen fordern: „Das muss endlich ein Ende haben“. Die §218 und §219a StGB verletzen in unerträglicher Weise die sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen, wie sie die Menschenrechte und die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) international garantieren, siehe Pressemitteilung des Arbeitskreises Frauengesundheit e.V.. Diese Verträge hat die Bundesrepublik Deutschland unterschrieben. Sie hat sich damit verpflichtet, diese Rechte umzusetzen. Die unterzeichnenden Organisationen erklären sich solidarisch mit dem Frauenarzt Detlev Merchel, der wegen Verstoßes gegen §219a angeklagt ist, und fordern seinen Freispruch. Sie fordern die Abschaffung der Paragrafen 218 und 219a. Mitzeichnende: Aktionsbündnis Prochoice Gießen Arbeitsgruppe Frauengeschichte Münster Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) ASF, Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen AWO Bezirksverband Niederrhein e.V. AWO Lore-Agnes-Haus Autonomes Feministisches Kollektiv Hannover Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Göttingen Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Münster Bundesverband Frauengesundheitszentren e.V. Doctors for Choice Germany e.V. dick und dünn Nürnberg e.V. Dziewuchy, Berlin Feministische Medizinerinnen* e.V. Feministisches Forum Oldenburg Frauenberatung Verden e.V. FMGZ – Frauen & Mädchen Gesundheitszentrum Nürnberg e.V. Frauenverband Courage e.V. Frauenzentrum TOWANDA Jena e. V. Grüne Jugend, NRW Hebammen Verband Hamburg e.V. Hrabre sestre, mutige Schwestern Kaktus – Grüne Jugend Münster Karlsruher Bündnis für das Selbstbestimmungsrecht der Frau* Karlsruher Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung Kritische Medizin Würzburg Lachesis, Berufsverband der Heilpraktikerinnen Linksjugend [‘solid] Münster LISA NRW (Linke sozialistische Arbeitsgemeinschaft Frauen) Medica mondiale e.V. Münsterliste „bunt und international“ e.V. Netzwerk der Geburtshäuser Paritätische Wohlfahrtsverband (Der Paritätische) Landesverband Thüringen e.V. Pro Choice Deutschland e.V. Pro familia Bundesverband pro familia Landesverband NRW e.V. pro familia Landesverband Baden-Württemberg e.V. pro familia Landesverband Sachsen e.V. Terre des femmes, Menschenrechte für die Frau e.V. Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte Wir Frauen e.V. Yasmin Fahimi (SPD), Mitglied des Bundestages Ulrike Hauffe, Bremer Landesfrauenbeauftragte a.D. Cornelia Möhring (Die Linke), Mitglied des Bundestages Mechthild Rawert (SPD), Mitglied des Bundestages Ulle Schauws, (Bündnis 90/die Grünen), Mitglied des Bundestages
Mehr erfahren zu: "Nichts los ohne Kinder oder lieber kinderlos?" Nichts los ohne Kinder oder lieber kinderlos? Eine eigene Familie zu gründen und Kinder zu bekommen galt lange als selbstverständlich. Für viele Menschen der Gen Z ist das heute nicht mehr der Fall. Immer mehr entscheiden sich […]
Mehr erfahren zu: "Aktualisierte S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Descensus genitalis der Frau" Aktualisierte S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Descensus genitalis der Frau Mit dem Update der S3-Leitlinie zum weiblichen Descensus genitalis werden diagnostische und therapeutische Maßnahmen eingeordnet, die zur adäquaten Versorgung von Patientinnen beitragen. Beleuchtet werden unter anderem konservative und operative Verfahren.
Mehr erfahren zu: "Calor-Liste: Mehr Therapiesicherheit bei Hitze" Calor-Liste: Mehr Therapiesicherheit bei Hitze Hitze ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. Diese können durch bestimmte Medikamente zusätzlich verstärkt werden. Wissenschaftler des Forschungsprojektes ADAPT-HEAT haben daher eine Übersicht über hitzerelevante Medikamente sowie Hinweise zur sicheren Einnahme […]