Erste S3-Leitlinie zum Schilddrüsenkarzinom veröffentlicht25. Juli 2025 Foto: © eddows/stock.adobe.com Neu im Leitlinienprogramm Onkologie ist die S3-Leitlinie zum Schilddrüsenkarzinom. Die Leitlinie fasst erstmals die aktuelle Evidenz für alle Phasen der Behandlung zusammen und leitet daraus konkrete Empfehlungen ab. Die Leitlinie entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) vertreten durch die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK), der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) und unter Mitwirkung von 21 weiteren Fachgesellschaften. Finanziert wurde die Erstellung der Leitlinie von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie. „Mit der neuen S3-Leitlinie zum Schilddrüsenkarzinom geben wir konkrete Empfehlungen von der Diagnostik über die Behandlung bis hin zur Nachsorge. Die Empfehlungen sollen helfen, Behandlungsfehler zu vermeiden und Standards zu vereinheitlichen“, so Prof. Andreas Bockisch. Er ist Koordinator der Leitliniengruppe. „Zudem können sich nun auch Betroffene umfassend über ihre Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten informieren.“ Operation nicht immer notwendig Die wichtigste Behandlungsmethode des Schilddrüsenkarzinoms ist die Operation, um den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Häufig wird dabei die komplette Schilddrüse entfernt – die neue S3-Leitlinie gibt jedoch auch Empfehlungen für Fälle, bei denen das nicht notwendig ist. Insbesondere bei der Behandlung von Schilddrüsenkrebs im Kindes- und Jugendalter empfiehlt die Leitlinie die Behandlung in spezialisierten Zentren, möglichst durch erfahrene Operateure mit hoher Fallzahl. Aber auch für andere Patienten solle geprüft werden, ob die Überweisung an ein profiliertes Zentrum notwendig ist. „Der positive Zusammenhang zwischen der Anzahl an durchgeführten Operationen und der Ergebnisqualität ist belegt“, betont Bockisch. „Gerade bei einer seltenen Tumorart wie dem Schilddrüsenkarzinom ist es sinnvoll, sich für die Behandlung in einem zertifizierten Zentrum zu entscheiden. Hier liegt umfassende Erfahrung vor und bezogen auf die Chirurgie bedeutet das, dass die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Tumorresektion höher und die Komplikationsrate niedriger ist.“ Umfassende Empfehlungsliste ergänzt Neben detaillierten Empfehlungen zu Diagnostik des Schilddrüsenkarzinoms sind auch die Therapieempfehlungen sehr differenziert: Unter anderem werden einzeln follikuläre Karzinome, das onkozytäre Schilddrüsenkarzinom und das papilläre Schilddrüsenkarzinom betrachtet. In der neuen Leitlinie wird in einem eigenen Kapitel thematisiert, wann die Radioiodtherapie sinnvoll ist – und wann sie keinen Nutzen bringt. Auch die Nachsorge wird ausführlich thematisiert. Diese solle über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren stattfinden, da Fernmetasthasen und Lokalrezidive bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen auch nach vielen Jahren noch auftreten können. Eine der zentralen Untersuchungsmethoden in der Nachsorge ist die Halssonographie als risikofreie Methode. Da Rezidive vorrangig innerhalb der ersten fünf Jahre der Nachsorge beobachtet werden, sind die Nachsorgeuntersuchungen in diesem Zeitraum besonders wichtig und sollen alle sechs Monate erfolgen. Nach fünf Jahren sollen sie noch alle zwölf Monate erfolgen. Für den Fall von Tumorpersistenz, eines Rezidivs oder Metastasen enthält die Leitlinie Empfehlungen für das weitere Vorgehen. Hierbei werden auch systemische Therapien betrachtet. Seltene Tumoren im Fokus Das anaplastische Schilddrüsenkarzinom ist eine seltene, hochaggressive Erkrankung. Meist fällt sie durch eine schnell fortschreitende, schmerzlose Schwellung auf, die bei der Erstvorstellung häufig bereits Schluckbeschwerden oder Heiserkeit auslöst. Aufgrund des schnellen Voranschreitens der Erkrankung ist hier zügiges Handeln bei allen Schritten empfohlen. In der neuen Leitlinie sind der Diagnostik, Behandlung und Nachsorge dieser Varianten ein jeweils eigenes Kapitel gewidmet.
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