Erste Therapie gegen Hyperoxalurie verfügbar

Foto: © Ewa Urban, Pixabay
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In einer internationalen Studie mit Beteiligung des Inselspitals, Universitätsspital Bern und der Universität Bern wiesen Forschende die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Lumasiran zur Behandlung von Primärer Hyperoxalurie Typ 1 nach. Damit steht erstmals eine Kausaltherapie für die sehr seltene Erkrankung zur Verfügung.

Die sehr seltene Primäre Hyperoxalurie Typ 1 (PH1) ist eine genetisch bedingte Stoffwechselkrankheit, die auf den Ausfall eines Enzyms zum Abbau von Fettsäuren zurückgeht. Durch eine hohe Konzentration von Oxalsäure in Verbindung mit Calcium kommt es in der Niere – und anderen Organen – zur Bildung von Calciumoxalsäure-Kristallen (Nierensteinen). Diese können die Nierenfunktion vermindern und zu einer Niereninsuffizienz bis hin zum Ausfall der Nierenfunktion führen. PH1 tritt in vielen unterschiedlichen Formen in unterschiedlichen Altersgruppen auf und gilt als deutlich “unterdiagnostiziert”. Studien schätzen die Häufigkeit von PH1 auf etwa eine betroffene Person pro 150.000 Einwohner. Bisher bestand die einzige Kausaltherapie in einer Doppeltransplantation von Leber und Nieren.

Lumasiran – hervorragende Resultate in der klinischen Anwendung

In der jüngst im Fachjournal “New England Journal of Medicine” publizierten Studie berichten die Forschenden von einer neuen Therapie, die PH1 medikamentös erfolgreich behandeln kann. Prof. Daniel Fuster vom Inselspital, Universitätsspital Bern, erläutert: “Die sehr gute Verträglichkeit und das Ausmaß der Oxalsäurereduktion waren sehr positiv. Es traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf, die meisten Patientinnen und Patienten hatten nach sechs Monaten mit Lumasiran normale Oxalsäurewerte in Blut und Urin.”

Eine groß angelegte, internationale Studie

Die Publikation entstammt der ILLUMINATE-A-Studie, einer internationalen, randomisierten, Placebo kontrollierten Doppelblindstudie. Die Studie wurde an 16 Zentren u.a. in den USA, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und der Schweiz ausgeführt. Ziel der Studie war es, die Sicherheit und Wirksamkeit einer Lumasirantherapie festzustellen. Die Reduktion der nicht abgebauten Oxalsäure im Urin der untersuchten Patientinnen und Patienten stand im Zentrum.
Die Studie Schloss 39 Patientinnen und Patienten (Alter über 6 Jahre) ein. 13 Personen erhielten Placebo, 26 wurden mit Lumasiran behandelt. Nach sechs Monaten lagen die Werte für Oxalsäure im Urin der behandelten Gruppe im normalen oder fast-normalen Bereich.

Ein wirksames und verträgliches Medikament steht bereit

Die Resultate der Studie können als bahnbrechend bezeichnet werde, indem erstmals eine an den Ursachen ansetzende, wirksame und gut verträgliche Therapie zur Verfügung steht. Seit November 2020 ist Lumasiran zur Behandlung von PH1 in den USA und der EU zugelassen.

Originalpublikation:
Garrelfs FS et al. Lumasiran, an RNAi Therapeutic for Primary Hyperoxaluria Type 1. N Engl J Med 2021;384:1216–1226.