ESC 2023: VA-ECMO nach kardiogenem Schock verbessert Überleben nicht1. September 2023 Bild: ©Maks_Lab – stock.adobe.com Fast 50 Prozent der Patienten mit kardiogenem Schock versterben innerhalb von 30 Tagen. Eine venoarterielle extrakorporale Membranoxygenierung (VA-ECMO) vermag daran nichts zu ändern, wie die auf der Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC 2023) vorgestellte Studie ECLS SHOCK belegt. Die Ergebnisse von ECLS SHOCK, geleitet vom Herzspezialisten Prof. Holger Thiele, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig, HELIOS Stiftungsprofessor an der Universität Leipzig und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, wurden im „New England Journal of Medicine“ publiziert. Zeitgleich erschien in „The Lancet“ eine Metaanalyse individueller Patientendaten, die sich auch auf die Daten von ECLS SHOCK stützt. Weltweit gibt es eine starke Zunahme bei der Verwendung mechanischer, aktiver Herz-Kreislauf-Unterstützung. Die Hoffnung ist, mit diesen Hilfsmitteln die Überlebenschance nach der schwersten Form des akuten Herzversagens, dem kardiogenen Schock, zu verbessern. Ob dies tatsächlich der Fall ist, untersuchte die aktuelle Studie von Thiele und Kollegen. An dieser nahmen insgesamt 420 Patienten mit akutem Herzinfarkt und anschließendem kardiogenen Schock an 44 Zentren in Deutschland und Slowenien teil. Bei diesen wurde die VA-ECMO-Therapie plus der medikamentösen Therapie auf der Intensivstation mit der medikamentösen Therapie auf der Intensivstation alleine verglichen. Studienleiter Holger Thiele. Foto: ©Dominik Wolf „Die VA-ECMO senkt entgegen unserer Studienhypothese die 30-Tage-Sterblichkeit nicht. Im Gegensatz zur Standardtherapie war die Sterblichkeit mit 47,8 Prozent versus 49 Prozent statistisch nicht signifikant unterschiedlich. Die VA-ECMO Gruppe hatte sogar mehr Komplikationen wie schwere Blutungen oder Beinischämien. Wir müssen also umdenken und die durch die mechanischen Systeme induzierten Blutungen als auch den zusätzlichen Inflammationsreiz reduzieren. Vermutlich ist weniger mehr im kardiogenen Schock“, erklärt Thiele die Hauptergebnisse der Studie. Die patientenbasierte Metaanalyse, die die Ergebnisse aller bisherigen vier Studien zur mechanischen Herz-Kreislauf-Unterstützung mit VA-ECMO versus Kontrolltherapie verglichen hat, konnte diese Resultate bestätigen. Auch hier zeigte sich kein Überlebensvorteil durch die VA-ECMO bei gleichzeitig mehr Komplikationen. „Die Studienergebnisse zeigen, dass wir die Häufigkeit der Therapie mit VA-ECMOs in Deutschland und international reduzieren müssen. Das werden die zukünftigen Leitlinien sicherlich auch bald aufgreifen und die Therapie mit aktiven mechanischen Herz-Kreislauf-Unterstützungssystemen in der Empfehlung herabstufen beziehungsweise sogar generell in der Routine nicht mehr empfehlen“, meint Thiele. Der Herzspezialist plant noch viele Folgestudien, unter anderem eine einjährige Nachbetrachtung, um gegebenenfalls Unterschiede im längeren zeitlichen Verlauf zu erkennen. „Auch weiterhin ist es unser Ziel, die sehr hohe Sterblichkeit im kardiogenen Schock zu senken. Das können wir nur durch innovative Studien zeigen“, so Thiele.
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