ESC2025: Wirksamkeit von Semaglutid und Tirzepatid zur Behandlung der kardiometabolischen HFpEF bestätigt

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Eine Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten kann das Risiko für eine Krankenhauseinweisung und Tod bei übergewichtigen Patienten mit HFpEF und Diabetes um mehr als 40 Prozent reduzieren. Das zeigt eine Studie, die anlässlich des europäischen Kardiologenkongresses (ESC2025) in „JAMA“ publiziert wurde.

GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Tirzepatid sind bislang nur zur Behandlung von Diabetes und Adipositas zugelassen. Erste Studien deuteten jedoch zusätzlich auf einen positiven Effekt der als Abnehmspritzen bekannten Medikamente zur Behandlung der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF). Untermauert wird dies durch eine aktuelle Studie von Forschenden der Technischen Universität München (TUM).

„Durch unser innovatives Studiendesign haben wir jetzt gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Harvard Medical School (USA) eine solide Datenbasis für die Behandlung der Herzinsuffizienz mit diesen Abnehmspritzen geschaffen“, sagt Prof. Heribert Schunkert, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum. „Bei Patienten mit HFpEF haben Semaglutid und Tirzepatid eine klare Schutzfunktion gezeigt, die den Einsatz unterstützen. Auf der Basis von rund 100.000 analysierten Patientinnen und Patienten steht damit erstmals eine belastbare Grundlage zur Verfügung, die eine Neubewertung für eine Erweiterung der Zulassung ermöglicht.“

Datenbankstudie liefert solide Evidenz für Einsatz bei Herzschwäche

Die deutsch-amerikanische Forschungsgruppe wertete für ihre Analyse drei US-Versicherungsdatenbanken aus. Zielgruppe waren HFpEF-Patienten mit Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Unter Verwendung der Versicherungsdaten erstellten die Studienverantwortlichen Computermodelle, mit denen sie in einem ersten Schritt die Studien STEP-HFpEF DM (Semaglutid) und SUMMIT (Tirzepatid) nachahmten und deren Ergebnisse bestätigen konnten.

In einem zweiten Schritt erweiterten sie die Kriterien zur Studieninklusion, um die Effekte bei Patienten zu bewerten, die typischerweise in der klinischen Praxis behandelt werden. Somit konnten die Forscher mit ihren Modellen Aussagen über die Wirksamkeit bei betroffenen Menschen treffen, die in den klinischen Studien ausgeschlossen wurden sowie Analysen vornehmen, die andere Endpunkte wie Krankenhausaufenthalte und Mortalität wegen Herzinsuffizienz untersuchten.

Im Ergebnis war die Behandlung mit beiden Medikamenten mit einem um mehr als 40 Prozent niedrigeren Risiko verbunden, wegen Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert zu werden oder zu sterben – im Vergleich zu dem Antidiabetikum Sitagliptin, das in früheren Studien keinen Einfluss auf die Herzinsuffizienz hatte.

In einem dritten Schritt nahmen die Forscher schließlich einen direkten Vergleich zwischen Tirzepatid und Semaglutid vor – die Ergebnisse unterschieden sich in diesem Studiendesign nicht wesentlich voneinander. Ferner ergaben Negativkontrollen, sekundäre Endpunkte, Untergruppen und Sensitivitätsanalysen konsistente Ergebnisse. Auch mit Blick auf ausgewählte Sicherheitsendpunkte beobachteten die Forscher kein wesentlich erhöhtes Risiko.

„Die HFpEF kann aktuell nur mit wenigen Medikamenten effektiv behandelt werden. Gleichzeitig leiden immer mehr dieser Patientinnen und Patienten an Übergewicht und Diabetes – Faktoren, die die Herzinsuffizienz weiter verschlechtern. In Deutschland ist die Erkrankung Grund Nummer Eins für Hospitalisierungen und damit eine enorme Belastung für das Gesundheitssystem. Wir konnten zeigen, dass die untersuchten Medikamente hochwirksam sind, was die Behandlungsoptionen für Patienten deutlich erweitert und viele Einweisungen ins Krankenhaus verhindern könnte“, sagt Dr. Nils Krüger, Assistenzarzt am TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum und Erstautor der Studie.

Datengestützte Ansätze für die Zulassung neuer Medikamente

Die Studie nutzte Patientendaten in einer Größenordnung, die im Schnitt 19-mal höher war als bei klassischen klinischen Studien. Dadurch konnten reale Versorgungsbedingungen differenzierter abgebildet und gezeigt werden, dass die Ergebnisse der Zulassungsstudien zu den sogenannten Abnehmspritzen auf die breite Patientenpopulation übertragbar sind. „Solchen datengetriebenen Ansätzen gehört die Zukunft – sie können zusammen mit klassischen Studien dafür sorgen, dass Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung schneller in die Patientenversorgung einfließen“, erläutert Schunkert.

Auch für Deutschland werden solche Analysen aus Sicht der Forschenden immer relevanter. Das Gesundheitsdatennutzungsgesetz sieht vor, dass anonymisierte Krankenkassendaten künftig systematisch für solche Forschungsprojekte nutzbar gemacht werden, bei gleichzeitigem strengen Schutz von sensiblen persönlichen Daten. „Wir nutzen diese großen Datensätze, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Medikamenten in der klinischen Praxis zu untersuchen“, sagt Krüger.

(ah/BIERMANN)