Vorhofflimmern: Rechter Herzvorhof stärker beteiligt als bislang angenommen22. Mai 2026 Christof Lenz, Leiter der Proteomics Service Unit, Aiste Liutkute, Postdoktorandin, und Niels Voigt, Professor für Molekulare Pharmakologie am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universitätsmedizin Göttingen. (Foto: ©umg/eva meyer-besting) Bislang stand beim Vorhofflimmern vor allem der linke Vorhof im Fokus der Aufmerksamkeit. Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass sich bei anhaltendem Vorhofflimmern beide Herzvorhöfe tiefgreifend verändern. Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung weltweit. Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung sind allein in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen betroffen. Besonders problematisch ist die persistierende Form des Vorhofflimmerns. Mit der Zeit kommt es dabei zu strukturellen und funktionellen Veränderungen des Herzgewebes. Bisher konzentrierten sich Forschung und Therapie vor allem auf den linken Vorhof und die dort einmündenden Lungenvenen, die als wichtige Auslöser des Vorhofflimmerns gelten. Ein Forschungsteam aus Göttingen hat nun untersucht, ob und in welchem Ausmaß auch der rechte Herzvorhof bei langanhaltendem Vorhofflimmern betroffen ist. Geleitet wurde das Team von Niels Voigt, Professor für Molekulare Pharmakologie am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), und Dr. Christof Lenz, Leiter der Proteomics Service Unit der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. Die Studienergebnisse – veröffentlicht im Fachjournal „Cardiovascular Research“ – verdeutlichen: Auch der rechte Vorhof unterliegt tiefgreifenden Umbauprozessen und ähnelt dem linken Vorhof zunehmend. „Die Ergebnisse unsere Studie sprechen dafür, dass andauerndes Vorhofflimmern als Erkrankung beider Vorhöfe verstanden werden muss“, sagt Erstautorin Dr. Aiste Liutkute, Postdoktorandin in der Arbeitsgruppe von Voigt. „Das könnte auch erklären, warum etablierte Therapien bei langanhaltendem Vorhofflimmern häufig nicht dauerhaft erfolgreich sind.“ Eingehende Untersuchung von Gewebeproben Das Forschungsteam analysierte Gewebeproben aus dem rechten und linken Herzvorhof von Patient*innen mit anhaltendem Vorhofflimmern, die im Rahmen von Herzoperationen entnommen worden waren. Als Kontrollgruppe dienten Proben aus nicht transplantierten Spenderherzen ohne bekannte Herzrhythmusstörungen. Mithilfe modernster massenspektrometrischer Verfahren untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tausende Proteine gleichzeitig, um krankheitsbedingte Veränderungen im Herzgewebe sichtbar zu machen. Für die Studie erstellten die Forschenden zunächst eine umfassende Referenzbibliothek des menschlichen Herz-Proteoms. Ergänzend zu den Proteom-Analysen untersuchte das Team mikroskopisch die Vernarbung des Herzgewebes, bestätigte auffällige Proteinveränderungen mit biochemischen Methoden und bestimmte Blutmarker, die auf eine Belastung des Herzens hinweisen. Krankhafte Umbauprozesse in beiden Vorhöfen Im Ergebnis zeigte sich, dass der rechte Vorhof bei anhaltendem Vorhofflimmern ähnliche krankhafte Veränderungen aufweist wie der linke Vorhof. In beiden Vorhöfen fanden die Forschenden verstärkte Vernarbungen des Gewebes, einen Abbau wichtiger Herzmuskelstrukturen sowie deutliche Hinweise auf Zellstress und Umbauprozesse. Diese Veränderungen beeinträchtigen die normale elektrische Signalweiterleitung im Herzen und können dazu beitragen, dass das Vorhofflimmern bestehen bleibt. Gleichzeitig verschwanden viele der normalerweise bestehenden molekularen Unterschiede zwischen rechtem und linkem Vorhof. So verlor der rechte Vorhof, die für ihn typischen Proteinmarker, und übernahm zunehmend Merkmale des linken Vorhofs, darunter Proteine, die mit verändertem Energiestoffwechsel und strukturellem Umbau der Herzmuskelzellen zusammenhängen. Mehr Aufmerksamkeit für den rechten Vorhof „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der rechte Vorhof eine vergleichbare Vorhofflimmer-assoziierte Umstrukturierung erfährt wie der linke Vorhof, was zur Vereinheitlichung des atrialen Proteoms beiträgt, die ein Kennzeichen von persistierendem Vorhofflimmern darstellt“, resümieren die Studienautoren. Die Ergebnisse könnten auch für die klinische Behandlung relevant sein. Aktuelle Therapieverfahren konzentrieren sich überwiegend auf den linken Vorhof. „Unsere Daten legen nahe, dass künftig möglicherweise beide Vorhöfe stärker berücksichtigt werden sollten“, sagt Studienleiter Lenz. (ah/BIERMANN)
Mehr erfahren zu: "Sachsen-Anhalt: Neues Rettungsdienstgesetz soll Versorgung verbessern" Sachsen-Anhalt: Neues Rettungsdienstgesetz soll Versorgung verbessern Notfallsanitäter im Einsatzfahrzeug, ärztliche Hilfe per Video: Sachsen-Anhalt setzt auf digitalgestützte und moderne Rettung. Was sich bei Einsätzen jetzt alles ändert.
Mehr erfahren zu: "Schwangerschaft gibt Hinweise auf spätere Herzgesundheit" Schwangerschaft gibt Hinweise auf spätere Herzgesundheit Deutsche Hochdruckliga und BVF informieren zum „Welt-Präeklampsie-Tag“ am 22. Mai: Wie der Körper einer Frau auf eine Schwangerschaft reagiert, kann ein Hinweis auf ihre spätere Herzgesundheit sein.
Mehr erfahren zu: "Streeck fordert, Einnahmen aus Tabaksteuer für Gesundheit zu nutzen" Streeck fordert, Einnahmen aus Tabaksteuer für Gesundheit zu nutzen Kommt die geplante Erhöhung der Tabaksteuer tatsächlich? Und wenn ja, wofür sollen die Einnahmen daraus genutzt werden? Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck hat eine klare Meinung.