„Eskalation der Dokumentation“21. September 2019 Oliver Hakenberg beim 71. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Hamburg. Foto: Schmitz Beim 71. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Hamburg hat Präsident Prof. Oliver Hakenberg eine „enorme Arbeitsverdichtung“ in den Kliniken und ausufernde Dokumentationspflichten beklagt. Er kritisierte aber auch die Mentalität jüngerer Ärztegenerationen. Hakenberg stellte die Frage: „Stehen die Patienten und die Menschen in Weiß noch im Mittelpunkt des Gesundheitswesens?“ Der wirtschaftliche Druck in den Krankenhäusern habe stark zugenommen, die „blutige Entlassung“ sei längst nicht mehr die Ausnahme. Er beklagte insbesondere eine „Eskalation der Dokumentation“. „Der lapidare Juristenspruch ‚Was nicht dokumentiert wurde, wurde nicht gemacht‘ ist menschenverachtend gegenüber Patienten und Ärzten“, spitzte der Rostocker Klinikdirektor zu und erntete Applaus aus dem Publikum. Er kritisierte den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, der noch nach Jahren bemängeln würde, ein Patient habe möglicherweise noch einen Tag früher entlassen werden können, „und auf Seiten der Klinik halten wir mit Heerscharen von Codierern dagegen“. Arzt als Schichtarbeiter Als „Arzt der alten Schule“, wie man Hakenberg bezeichnen könnte, kritisierte er aber auch das Arbeitszeitgesetz und die Mentalität mancher jungen Ärzte: „Wir dürfen nicht mehr als 54 Stunden arbeiten, darüber hinaus sei es gesundheitsschädlich.“ Der Mediziner werde zunehmend zum „Arzt als Schichtarbeiter“, für den das Problem mit Ende der Schicht auch vorbei sei. Er beklagte, dass manchem heute ein „auskömmliches Gehalt mit freiem Wochenende“ wichtiger sei als das Engangement für den Patienten. Albtraum Systemabsturz Auch für die Digititalisierung fand der DGU-Präsident nicht viele freundliche Woche. Sie mache vieles schwieriger, und „ein Systemabsturz oder Serverausfall sind Albträume“. „In die Informationstechnologie werden Unsummen investiert, aber am Personal wird gespart“, schimpfte Hakenberg weiter. Bei der „wirklich nützlichen“ IT dagegen seien andere Länder schon viel weiter, etwa beim elektronischen Rezept. Am Ende fand der DGU-Präsident dann doch noch etwas Gutes an den modernen Zeiten: „Ein positives Beispiel ist die roboterassisierte Chirurgie.“ (ms)
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