ESMO 2025 Neue Generation von ADCs überzeugt in Brustkrebs-Studien19. Oktober 2025 Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) sind eine neue Klasse von Krebsmedikamenten. Symbolbild ©Alpha Tauri 3D/stock.adobe.com Wegweisende Momente auf dem ESMO-Kongress in Berlin: Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) können laut neuesten Studienergebnissen die Behandlung von Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium deutlich verbessern. Die Ergebnisse der Phase-III-Studien DESTINY-Breast05 und DESTINY-Breast11 wurden am 18. Oktober auf dem ersten von insgesamt drei Presidential Symposia des ESMO 2025 in Berlin vorgestellt. Sie markieren einen Paradigmenwechsel in der Behandlung von Brustkrebs. Denn sie zeigen, dass ADCs nicht nur bei bereits fortgeschrittener Erkrankung hochwirksam sind, sondern auch im Frühstadium1,2. ADCs bei Brustkrebs hochwirksam „Wir brauchen insbesondere Therapien, die bei Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium nach einer neoadjuvanter Therapie, also vor der Operation, eine pathologische Komplettremission sicherstellen. Bei Patientinnen, wo das nicht gelingt, brauchen wir zwingend Behandlungsmöglichkeiten der Resterkrankung, um die Entwicklung von Metastasen zu verhindern“, erklärte Dr. Evandro de Azambuja vom Jules Bordet Institut in Brüssel (Belgien) vorab auf einer Pressekonferenz. Derzeit ist Trastuzumab Emtansin (T-DM1) das einzige zugelassene ADC für Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium, die nach neoadjuvanter Therapie eine invasive Resterkrankung und ein hohes Rezidivrisiko aufweisen3. Es kombiniert den HER2/neu-Antikörper Trastuzumab mit dem Mikrotubulus-Inhibitor Mertansin (DM1) und ist dadurch eine wirksamere Behandlung der invasiven Resterkrankung bei HER2-positivem Brustkrebs als Trastuzumab allein4. T-DXd potenzieller neuer Behandlungsstandard In der DESTINY-Breast05-Studie wurde nun ein ADC der neuen Generation untersucht: Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd), das stattdessen einen Topoisomerase-I-Inhibitor beinhaltet, erzielte eine Verbesserung des (invasiven) krankheitsfreien Überlebens um 53 Prozent im Vergleich zu T-DM1 (HR 0,47; 95 %-KI 0,34–0,66; p < 0,0001). Prof. Charles E. Geyer Jr. von der University of Pittsburgh (USA) präsentierte die Ergebnisse der Interimsanalyse dem vollen Auditorium. Dabei betonte er den Vorteil vor allem für Hochrisikopatientinnen mit Lymphknotenbefall. Darüber hinaus bestätigte sich in der Studie die hohe Wirksamkeit von T-DXd im Gehirn. Die Ergebnisse zeigten eine klinisch bedeutsame Verbesserung des Hirnmetastasenfreien Überlebens gegenüber T-DM1 (HR 0,64; 95 %-KI 0,35–1,17). „Das allgemein beherrschbare Sicherheitsprofil und die überlegenen Wirksamkeitsdaten legen nahe, dass T-DXd T-DM1 als neuen Behandlungsstandard für Patientinnen mit HER2-positivem, residualem invasiven Brustkrebs nach neoadjuvanter Therapie ersetzen sollte“, meint de Azambuja. Auch im neoadjuvanten Setting überlegen Wie sieht es mit dem neoadjuvanten Einsatz von T-DXd aus? Prof. Nadia Harbeck von der Ludwig-Maximilians-Universität in München stellte hierzu die Ergebnisse der DESTINY-Breast11-Studie vor. Insgesamt erhielten 927 unbehandelte Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium entweder T-DXd gefolgt von einer standardmäßigen zielgerichteten HER2-Therapie (THP) oder das konventionelle Anthrazyklin-basierte Regime (ddAC-THP). Die Ergebnisse sind auch hier bemerkenswert: T-DXd gefolgt von THP führte zu einer signifikanten Erhöhung der Rate pathologischer Komplettremissionen bei der Operation (67,3 % gegenüber 56,3 %; p=0,003). „Das T-DXd-Regime hat im Vergleich zum Anthrazyklin-basierten Regime zusätzlichen den Vorteil von günstigeren Nebenwirkungen“, kommentiert de Azambuja und weist auf die erhebliche Verringerung der kardialen Toxizität hin, die bei dem ADC im Vergleich zur konventionellen Behandlung beobachtet wurde. Neue Maßstäbe im kurativen Bereich „Zusammengenommen etablieren diese beiden Studien T-DXd als wichtige Behandlungsoption für HER2-positiven Brustkrebs im Frühstadium. Sie ermöglichen die maßgeschneiderte Behandlung dieses Subtyps, der einst als aggressivster galt und heute die höchste Heilungschance bietet“, betont Dr. Paolo Tarantino vom Dana-Farber Cancer Institute und der Harvard Medical School in Boston (USA). Die weiterentwickelten ADCs setzen neue Maßstäbe im kurativen Bereich – bringen aber auch neue Herausforderungen mit sich. „So müssen beispielsweise Toxizitätsprofile sorgfältig definiert werden“, erklärt Tarantino. „Dosierung, Dauer und Sequenzierung der ADCs müssen optimiert werden, um maximale Wirksamkeit bei minimalen Nebenwirkungen zu erreichen. Ebenso wichtig ist die Identifizierung prädiktiver Biomarker, die eine personalisierte ADC-Therapie ermöglichen und eine Überbehandlung minimieren.“ Potenzial noch nicht ausgeschöpft Da sich ADCs sowohl prä- als auch postoperativ als überlegen erwiesen haben, könnte der onkologischen Gemeinschaft ein neues Kapitel bevorstehen – geprägt von intelligenterem Targeting, früherer Intervention und einem tieferen biologischen Verständnis. Dafür sprechen nicht zuletzt auch die zahlreichen anderen Vorträge auf dem ESMO 2025, die sich mit der Weiterentwicklung von ADCs, Optimierungsstrategien und Kombinationstherapien beschäftigen. „Neben den unmittelbaren praktischen Auswirkungen dürften die heute vorgestellten Daten auch einen weitreichenderen Einfluss auf die Zukunft der ADC-Forschung haben und den offiziellen Eintritt der neuen Generation von Medikamenten in den kurativen Bereich markieren. Das ist eine therapeutische Strategie mit enormem Potenzial, die wir gerade erst zu erschließen beginnen. Sie verspricht, in den kommenden Jahren die Rezidivraten zu senken und das Überleben bei verschiedenen Krebsarten zu verbessern“, so Tarantino abschließend. (mkl/BIERMANN)
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