Etabliertes Medikament gegen Symptome der Angina pectoris schützt auch die Gefäße19. Juli 2022 Abbildung: ©MQ-Illustrations/stock.adobe.com Ein Medikament, das klinisch zur Behandlung der Symptome der Angina pectoris eingesetzt wird, besitzt auch eine antientzündliche Wirkung und reduziert atherosklerotische Plaques in den Blutgefäßen. Dies konnten Wiener Forschende im Fachjournal „PNAS“ zeigen. Die Komplikationen der Atherosklerose – Herzinfarkt und Schlaganfall – sind die häufigsten Todesursachen in Europa und den USA. In den vergangenen Jahren konnte gezeigt werden, dass eine chronische Entzündung in den Arterien zur Bildung und zum Voranschreiten von atherosklerotischen Plaques führt. Eine Arbeitsgruppe der MedUni Wien um Walter Speidl (Universitätsklinik für Innere Medizin II, Klinische Abteilung für Kardiologie) und Philipp Hohensinner (Zentrum für Biomedizinische Forschung) konnte nun erstmals zeigen, dass eine Reduktion der intrazellulären Natrium-Konzentration ein Hemmer des wichtigen Entzündungsregulators NF-kappa-B ist. Der Wirkstoff Ranolazin ist ein seit Jahren etabliertes Medikament, das zur Linderung der Symptome der Angina pectoris eingesetzt wird. Er hemmt aber auch die Aufnahme von Natrium in die Zellen. Johann Wojta, Leiter des kardiologischen Forschungslabors an der Medizinischen Universität Wien und Mitautor der Studie erklärt: „In dieser Publikation konnten wir mit Forschung in der Zellkultur, an Tiermodellen und in einer großen humanen Studie einen neuen Mechanismus zur Entzündungshemmung bei Atherosklerose nachweisen. Wir haben nun Hinweise, dass ein etabliertes Medikament nicht nur gegen die Symptome der Angina pectoris wirkt, sondern auch das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko reduzieren kann.“ Diese antientzündliche Wirkung konnte mithilfe von Daten, die von der Harvard Medical School zur Verfügung gestellt wurden, an 6500 Patientinnen und Patienten nach Herzinfarkt nachgewiesen werden. Demnach führt eine Therapie mit Ranolazin im Vergleich zu Placebo zu niedrigeren Werten des Entzündungs- und kardiovaskulären Risikomarkers hochsensitives C-reaktives Protein. Max Lenz, Erstautor der Studie: „Wir konnten nun zeigen, dass Ranolazin nicht nur gegen die Symptome wirksam ist. Es wirkt antientzündlich und reduziert die atherosklerotischen Plaques in unseren Maus-Modellen. Diese Plaques werden auch stabiler, womit möglicherweise die Gefahr eines Herzinfarkts deutlich gesenkt werden kann“, resümiert Erstautor Max Lenz. Mit Ranolazin stehe somit ein sicheres und für Patientinnen und Patienten mit koronarer Herzkrankheit bereits zugelassenes Medikament zur Verfügung, das zu einer Reduktion der chronischen Gefäßentzündung führt.
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