Mitralklappeninsuffizienz bei kardialer Amyloidose: Erstmals spezifische Schwellenwerte entwickelt

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Ein erheblicher Teil der Patienten mit kardialer Transthyretin-Amyloidose (ATTR-CM) weist zusätzlich eine Mitralklappeninsuffizienz auf. Die aktuell geltenden Grenzwerte unterschätzen den Schweregrad der Mitralklappeninsuffizienz in dieser Patientengruppe aber deutlich, wie eine aktuelle Studie aufzeigt.

Die kardiale Transthyretin-Amyloidose (ATTR-CM) ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters, die zunehmend häufig diagnostiziert wird. Ein erheblicher Teil der Betroffenen weist zusätzlich eine Undichtigkeit der Mitralklappe auf. Deren Schweregrad wird bislang anhand von Grenzwerten beurteilt, die an Patienten mit anderen Formen von Herzinsuffizienz entwickelt wurden. Eine exakte quantitative Erfassung der Mitraklappeninsuffizienz erfolgte bei Patienten mit ATTR-CM bisher nicht.

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der MedUni Wien (Österreich) hat diese Messungen nun erstmals durchgeführt. Die aktuell in „Circulation“ publizierten Ergebnisse zeigen, dass die geltenden Grenzwerte den Schweregrad der Mitralklappeninsuffizienz deutlich unterschätzen.

Genaue quantitative Beurteilung der Mitralklappeninsuffizienz bei ATTR-CM

Um krankheitsspezifische Schwellenwerte für die Beurteilung des Schweregrads der Mitralklappeninsuffizienz bei kardialer Amyloidose zu entwickeln, führte das Forschungsteam um Laurenz Hauptmann, Philipp E. Bartko und Christian Nitsche (Klinische Abteilung für Kardiologie, Universitätsklinik für Innere Medizin II, MedUni Wien) erstmals quantitative Erhebungen durch. Ihre Untersuchung umfasste 1101 Patienten mit ATTR-CM an acht spezialisierten Zentren in Österreich, Italien, Deutschland und den Niederlanden. Die Beurteilung der Mitralklappe erfolgte mittels standardisierter Echokardiografie.

Wie die Studie aus Österreich verdeutlicht, unterschätzen die derzeit in Leitlinien festgelegten Messgrößen den Schweregrad der Mitralklappeninsuffizienz bei gleichzeitiger ATTR-CM deutlich. So zeigen die Erhebungen, „dass bei amyloidinfiltrierten Herzen, also bei ATTR-CM, bereits deutlich geringere Rückflussmengen des Bluts einer hochgradigen Mitralklappeninsuffizienz entsprechen als bei jenen Herzen, an denen die geltenden Grenzwerte entwickelt wurden“, berichtet Erstautor Hauptmann. „Belegen lässt sich das nur durch exakte Messungen, wie wir sie im Rahmen der Studie erstmals durchgeführt haben.“

Mit krankheitsspezifischen Schwellenwerten fallen mehr Patienten in Hochrisikogruppe

Die ermittelten Schwellenwerte liegen klar unterhalb der geltenden Leitlinienwerte: Als hohes Risiko für Tod und Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzinsuffizient erwies sich etwa ein Blutrückflussvolumen von mehr als 38 ml pro Herzschlag, während die Leitlinien erst ab 45 ml von einer hochgradigen Mitralklappeninsuffizienz ausgehen. Entsprechend wurden nach dem neuen Schema 21 Prozent der Patienten der Hochrisikogruppe zugeordnet, gegenüber 12 bis 13 Prozent nach den bisherigen Definitionen. „Nach den gängigen Kriterien wird etwa jede achte Person als hochgradig betroffen eingestuft, nach den krankheitsspezifischen Schwellenwerten jede fünfte“, so Hauptmann. „Diese Patient:innen weisen ein messbar erhöhtes Risiko auf, wurden bislang jedoch nicht als solche identifiziert.“

Nächster Schritt: Beurteilung des Nutzens einer katheterbasierten Mitralklappenreparatur

„Die Daten belegen, dass die Mitralklappeninsuffizienz bei ATTR-CM eigene, krankheitsspezifische Kriterien erfordert“, betont Nitsche, der die Studie gemeinsam mit Bartko geleitet hat. „Damit liegt erstmals eine belastbare Grundlage für die Weiterentwicklung internationaler Leitlinien und für die Auswahl jener Patienten vor, die von einem Eingriff an der undichten Mitralklappe profitieren könnten.“ Betroffene mit ATTR-CM waren aus den bisherigen großen Studien zur katheterbasierten Mitralklappenreparatur ausgeschlossen. Der Nutzen dieses Eingriffs wird derzeit in einer Studie, ebenfalls unter der Leitung von Hauptmann, Bartko und Nitsche, geprüft.

(ah/BIERMANN)