Europäischer Forschungsrat subventioniert Allergieforschung im Darm2. Juni 2017 ROR(γt)+ Tregs: Färbung von Foxp3 (im Kern, rot) und ROR(γt) (im Zytoplasma, grün) in der Lamina Propria des Darmes © Helmholtz Zentrum München In Rahmen der Förderung wollen die Forscher um Dr. Caspar Ohnmacht herausfinden, ob und wie Bakterien im Darm die Entstehung von Allergien begünstigen oder verhindern können. Die Gesamtfördersumme beträgt 1,5 Millionen Euro. Schätzungen zufolge leidet in Europa knapp jeder dritte an einer oder mehreren allergischen Erkrankungen. Da die zugrunde liegenden Mechanismen nach wie vor nur oberflächlich verstanden sind, können aktuelle Therapieformen lediglich die Symptome lindern. Aufzuklären, wie allergische Reaktionen überhaupt zustande kommen, ist das Ziel des von der EU geförderten Projektes ALLERGUT. Wie der Name vermuten lässt, findet dabei die Suche nach den Allergieursachen vornehmlich im Darm (englisch: gut) statt. Projektleiter Caspar Ohnmacht und sein Team möchten vor allem das Wechselspiel zwischen Darmflora und Immunsystem in den Fokus nehmen. „Zentrales Element in unseren Untersuchungen wird das Protein RORγt* sein“, erklärt der Leiter der Arbeitsgruppe ‚Mukosale Immunologie‘ am Zentrum Allergie und Umwelt des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Entzündungsprozessen, die im Verdauungssystem ihren Ursprung haben. RORγt ist ein sogenannter Transkriptionsfaktor, der im Zellkern Einfluss auf die Expression von Genen nehmen kann. Ohnmacht und sein Team konnten bereits zeigen, dass die Besiedelung des Darms mit Bakterien dazu führt, dass Immunzellen dort RORγt herstellen. In der Folge entwickelte sich eine immunologische Toleranz. Damit wird die Eigenschaft des Immunsystems bezeichnet, eigene und harmlose Fremdstrukturen wie Darmbakterien oder Allergene von Krankheitserregern zu unterscheiden und ihre Anwesenheit zu tolerieren. Dazu wirkt RORγt speziell in den sogenannten regulatorischen T-Zellen (Tregs) im Darm, die das Immunsystem bremsen und dafür sorgen, dass überschießende Immunreaktionen vermieden werden. In den kommenden fünf Jahren wollen Ohnmacht und sein Team hierzu mehrere Teilaspekte untersuchen: zum einen möchten sie klären, welchen Einfluss RORγt auf die Entstehung von Allergie auslösenden Immunzellen in der Darmschleimhaut aber auch an anderen Oberflächenorganen hat. Vor allem interessiert sie die von den Tregs vermittelte Toleranz.„Zudem wird uns die Frage beschäftigen, welche Signalwege in den dendritischen Zellen – das sind Zellen, die ständig ihre Umgebung überwachen – die Etablierung dieser Art der Toleranz regulieren“, erläutert Ohnmacht die Pläne. Drittens möchten die Helmholtz-Forscher klären, ob es bestimmte Bakterien- oder Stoffwechselgruppen gibt, die eine allergische Prädisposition begünstigen. „Sollte uns das gelingen, wäre das ein großer Schritt für das Verständnis, wieso Allergien und andere, durch mangelnde Toleranz ausgelöste chronisch-entzündliche Erkrankungen, überhaupt erst entstehen. Das könnte in Zukunft neue präventive Maßnahmen und auch die Entwicklung neuer Therapiekonzepte ermöglichen.“ Quelle: Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
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