Evidenz für alle: Petition für einen besseren Zugang zu medizinischer Literatur27. Februar 2020 Bild: © Ico Maker – Adobe Stock Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung darf nicht am Zugang zur Evidenz scheitern. Deshalb muss sich die Politik für eine bessere Verfügbarkeit von medizinisch-wissenschaftlichen Veröffentlichungen einsetzen – nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für Patienten und alle, die in der Gesundheitsversorgung tätig sind. Dies fordert die AG Wissensmanagement im EbM-Netzwerk in einer Online-Petition. Eine evidenzbasierte, am Patientenwohl orientierte Gesundheitsversorgung braucht hochwertige, unabhängige Informationen auf Basis der besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse. Allerdings, so das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk), scheitere es oft am Zugang zu dieser Evidenz, obwohl die Digitalisierung dafür die besten Voraussetzungen biete. Denn nur die wenigsten medizinischen Berufsgruppen, Patienten und Bürger könnten tatsächlich kostenfrei auf wissenschaftlich verlässliche Informationen zugreifen. Die Folge sei, so das EbM-Netzwerk, dass gerade Ärzte in Praxen oder in kleineren Kliniken wichtige neue Studien nicht im Original lesen könnten. Patienten könnten sich nur eingeschränkt über Behandlungsoptionen informieren. Die Zusammenarbeit von Fachleuten bei der Erstellung von Behandlungsleitlinien werde durch restriktive Nutzungsrechte für wissenschaftliche Literatur erschwert. Studienpublikationen, die in wenig verbreiteten Fachzeitschriften erschienen seien, ließen sich über legale Wege nur mit hohen Kosten beschaffen. Unklarheiten und Restriktionen im Urheberrecht sorgten für juristische Risiken bei der Nutzung der Literatur. “In anderen Ländern der Welt, zum Beispiel in Norwegen, Großbritannien oder der Schweiz, ist die Situation deutlich besser”, führt das EbM-Netzwerk weiter aus. In Deutschland habe es die Politik in den letzten Jahren aber versäumt, die Zugangswege weiter zu entwickeln, teilweise hätten sie sich sogar verschlechtert – obwohl der Koalitionsvertrag 2018 eine Verbesserung der Situation vorsehe. “Deshalb brauchen wir zeitnah eine Gesamtstrategie für den Aufbau einer zukunftsfähigen Informationsinfrastruktur für die medizinische Wissensversorgung in Deutschland, die dem Bedarf aller Nutzer gerecht wird”, fordert das EbM-Netzwerk. Für einige Maßnahmen brauche es sogar nur den politischen Willen, da sie sich kostenneutral und ohne Strukturänderungen umsetzen ließen. So könnten Institutionen mit Aufgaben vom öffentlichen Interesse Zugang zu wissenschaftlichen Bibliotheken erhalten und für autorisierte externe Nutzer der Zugriff auf die Bibliotheksbestände über gesicherte Verbindungen erlaubt werden. Deshalb habe die AG Wissensmanagement im EbM-Netzwerk beim Deutschen Bundestag eine Online-Petition eingereicht. Die Zeichnungsfrist endet laut Mitteilung am 10. März 2020. Link zur Petition: https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2020/_01/_24/Petition_10622…
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