Evidenzbasierte Arzneimittelversorgung bei Seltenen Erkrankungen: die Rolle der Digitalisierung26. Oktober 2022 Foto: momius/stock.adobe.com Die Digitalisierung birgt Potenzial die klinische Entwicklung zur Versorgung bei Seltenen Erkrankungen effizienter zu gestalten. Dies geht aus einem Beitrag hervor, der die Perspektiven zum Thema aus drei Institutionen des Gesundheitswesens zusammenführt. Bei der Wissensgenerierung im Bereich der Arzneimittelentwicklung für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (SE) sind besondere Schwierigkeiten zu überwinden. Welche Verbesserungen durch eine zunehmende Digitalisierung erwartet werden, zeigen Frauke Naumann-Winter (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte), Thomas Kaiser (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) und Antje Behring (Gemeinsamer Bundesausschuss) aus der Perspektive von drei Institutionen im Gesundheitswesen auf. Sie stellen das Potenzial der Digitalisierung vor, um auch durch eine früher einsetzende Zusammenarbeit aller Beteiligten die Effizienz der klinischen Entwicklung und der regulatorischen Entscheidungsprozesse zu erhöhen. Sie argumentieren, dass mit Hilfe der Digitalisierung Hürden bei der Durchführung versorgungsnaher, auch registerbasierter, randomisiert kontrollierter Studien abgebaut werden sollten. Hochwertige Registerstudien sollten nicht erst nach der Zulassung, sondern bereits während des Zulassungsprozesses begonnen werden, damit die für Therapieentscheidungen notwendige Evidenz zeitnah nach Zulassung vorliegt. Von Bedeutung: qualitativ hochwertige Indikationsregister Abschließend stellen sie fest, dass die qualitative Verbesserung der Datenquellen und deren Vernetzung unmittelbar den Patientinnen und Patienten zugutekommt. Verwertbare Evidenz stellt eine effektive Arzneimittelversorgung sicher, wenn sie über einen längeren Zeitraum – auch über die Zulassung hinaus – generiert werden kann und geeignet ist, in Entscheidungen für das Gesundheitssystem einzufließen. Das Autorenteam ist sich einig, dass qualitativ hochwertige Indikationsregister als produktunabhängige, stehende Infrastrukturen entwickelt werden sollten, damit bereits früh in der Entwicklung von Arzneimitteln für Seltene Erkrankungen auf hochwertige Daten zurückgegriffen werden kann.
Mehr erfahren zu: "„arznei-telegramm“ vor dem Aus: EbM-Netzwerk warnt vor dem Verlust unabhängiger Information" „arznei-telegramm“ vor dem Aus: EbM-Netzwerk warnt vor dem Verlust unabhängiger Information Das „arznei-telegramm“ wird zum Jahresende 2026 eingestellt. Damit drohe eine wichtige Stimme für unabhängige und kritische Arzneimittelinformation zu verstummen, warnt das EbM-Netzwerk und hofft auf eine Nachfolgeregelung.
Mehr erfahren zu: "Zuwendungen von Pharmafirmen verschlechtern Qualität ärztlicher Verordnungen" Zuwendungen von Pharmafirmen verschlechtern Qualität ärztlicher Verordnungen Pharmaunternehmen umwerben Ärzte und das hat Folgen, wie ein Cochrane-Review zeigt: Mehr Zuwendungen von Pharmafirmen bedeuten mehr Verordnungen, die häufiger nicht den medizinischen Leitlinien entsprechen.
Mehr erfahren zu: "Toxizität der Radiochemotherapie bei p16-negativem Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom" Toxizität der Radiochemotherapie bei p16-negativem Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom Cisplatin einmal pro Woche oder alle drei Wochen? Bei Patienten mit p16-negativem Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom bringen beide Therapieregime ähnliche Belastungen durch akute Nebenwirkungen mit sich, wie aktuelle Studiendaten zeigen.