Fachgesellschaften veröffentlichen erste Patientenleitlinie zu Long- und Post-COVID8. Oktober 2021 Foto: © HNFOTO/stock.adobe.com Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen: Zehn bis 15 Prozent der Patientinnen und Patienten klagen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 über anhaltende Symptome – mehr als 200 an der Zahl. Betroffene wissen häufig nicht, was sie tun sollen oder an wen sie sich wenden können. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) hat deshalb zusammen mit anderen Fachgesellschaften und Betroffenen die neue Patientenleitlinie „Long-/Post-COVID-Syndrom“ veröffentlicht, die sich speziell an Betroffene und Angehörige richtet. Die Leitlinie gibt einen Überblick über aktuelle Symptome der Erkrankung und zeigt auf, was Erkrankte tun können, um mit den Beschwerden zurechtzukommen. Beantwortung häufiger Fragen von Betroffenen In Folge meiner Infektion leide ich unter Denk- und Konzentrationsstörungen. Was hat das zu bedeuten? Wird sich das wieder bessern? Was kann ich gegen Fatigue unternehmen? Seit meiner COVID-19-Erkrankung habe ich häufig Kopfschmerzen. Woher kommt das? Was kann ich gegen die Riechstörungen tun? An wen wende ich mich jetzt? Diese und weitere Fragen von Erkrankten beantwortet die neue Patientenleitlinie, die sich auf die ärztliche S1-Leitlinie „Long-/Post-COVID“ stützt. „An der Leitlinie waren nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern auch Betroffene und Selbsthilfegruppen beteiligt“, berichtete Dr. Christian Gogoll, federführender Koordinator der Patientenleitlinie, anlässlich einer Pressekonferenz der DGP zur Publikation der Patientenleitlinie. „Das Ergebnis ist ein allgemeinverständlicher Überblick, der ganz explizit auf die Themen eingeht, die Long- beziehungsweise Post-COVID-Patienten beschäftigen.“ Gogoll hat nicht nur als Facharzt einen guten Einblick in die Thematik, denn war selbst von einer schweren COVID-19-Erkrankung und von lange anhaltenden Symptomen betroffen, wie er bei der Pressekonferenz betonte. Mit Blick auf die mit der Leitlinie angesprochenen Patientinnen und Patienten unterstrich er: „Wir wollen informieren, nicht beängstigen.“ Er appellierte an die Betroffenen, sich bei Auftreten von Symptomen an die Hausärztin/den Hausarzt oder eine der bundesweiten 70 Post-COVID-19-Ambulanzen zu wenden. Denn: „Ein Drittel der betroffenen Patientinnen und Patienten gehen mit ihren Beschwerden verloren.“ Diese Beobachtung teilte auch Prof. Christian Taube als stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung: „Viele Patientinnen und Patienten mäandern nach überstandener COVID-19-Erkrankung durch das Gesundheitssystem“. Die Leitlinie mache deutlich, an wen man sich mit welchen Beschwerden wenden sollte, erste Anlaufstelle bleibe aber die Hausärztin/der Hausarzt. Wenn Fachärzte wie Pneumologen, Kardiologen oder Psychosomatiker aufgesucht oder Behandlungen in unterschiedlichen Ambulanzen, Physio- und Ergotherapie oder Rehamaßnahmen vorgenommen werden müssen, können die Hausarztpraxen dorthin überweisen. Laut Definition des Britischen National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) werden als Long-COVID Beschwerden beschrieben, die mehr als vier Wochen nach der akuten COVID-19-Erkrankung bestehen. Post-COVID hingegen beschreibt das Krankheitsbild ab der zwölften Woche nach der ursprünglichen Infektion. Die DGP möchte mit der Patientenversion der Long-/Post-COVID-Leitlinie vor allem die Betroffenen selbst aufklären. „Patienten sollten sich darüber bewusst sein, dass anhaltende Symptome auch nach einem milden und moderaten COVID-19-Verlauf möglich sind“, unterstreicht Prof. Torsten Bauer, Präsident der DGP. Die Leitlinie könne der Einordnung der Symptome im Vorfeld eines Arztbesuches dienen. In den Arztpraxen könnten dann diese Symptome regelhaft abgearbeitet werden. Im Kontext der Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Disziplinen und Einrichtungen sieht Bauer den Gesetzgeber in der Pflicht, die intersektorale Versorgung zu fördern. Bei der Leitlinie handelt es sich um eine Living Guideline, die basierend auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen laufend aktualisiert werden wird.
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