ERS 2026 Senioren mit Lungenerkrankungen: Hochdosierte Grippeimpfung ist vorteilhaft9. September 2026 Foto: Maria Vitkovska/stock.adobe.com Auf der Grundlage einer Analyse zweier großer klinischer Studien, die Forschende beim diesjährigen Kongress der European Respiratory Society (ERS) präsentierten, kann das Risiko für eine Hospitalisierung wegen Influenza oder Lungenentzündung durch eine hochdosierte Grippeimpfung bei älteren Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen reduziert werden. „Die Grippe kann für ältere Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD besonders schwerwiegend verlaufen“, betonte Studienautorin Dr. Lisa Steen Duus vom Gentofte Hospital in Kopenhagen (Dänemark) auf der ERS-Tagung in Barcelona (Spanien). „Sie besitzen ein höheres Risiko für Komplikationen wie Pneumonie, Exazerbationen und Krankenhausaufenthalte.“ Hochdosierte Grippeimpfstoffe seien darauf ausgelegt, bei älteren Erwachsenen eine stärkere Immunantwort hervorzurufen, doch gebe es bisher nur wenige randomisierte Studien, die speziell zeigen, ob sie einen besseren Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bei Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen bieten, erklärte die Medizinerin. „Wir wollten daher untersuchen, ob ein hochdosierter Impfstoff die Krankenhausaufenthalte in dieser besonders gefährdeten Gruppe reduzieren könnte.“ Kombinierte Analyse zweier Studien aus Dänemark und Galicien Die aktuelle Arbeit kombinierte die Ergebnisse zweier randomisierter, kontrollierter Studien, in denen ein hochdosierter Grippeimpfstoff mit einer Standarddosis bei Personen im Alter ab 65 Jahre verglichen wurde. Eine Studie stammte aus Dänemark und deckte drei Grippesaisons ab (2022/23, 2023/24 und 2024/25), die andere wurde in der spanischen Region Galicien während zwei Grippesaisons durchgeführt (2023/24 und 2024/25). Bereits in der Vergangenheit hatten andere Analysen dieser Studien gezeigt, dass der hochdosierte Impfstoff insgesamt für ältere Menschen von Vorteil ist. In der neuen Auswertung nun berücksichtigten die Forschenden speziell Studienteilnehmer mit chronischen Lungenerkrankungen (Asthma, Bronchiektasen, Bronchitis, Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung [COPD], Mukoviszidose, Emphysem, Interstitielle Lungenerkrankung, Lungentuberkulose, Sarkoidose und Zustand nach Lungentransplantation). Insgesamt umfasste die neue Analyse 31.976 Personen – knapp sieben Prozent der Gesamtteilnehmerzahl (466.320). Etwa die Hälfte der Probanden erhielt nach Randomisierung eine Standarddosis des Grippeimpfstoffes. Die andere Hälfte wurde mit einem vierfach dosierten Vakzin geimpft. Die Forschenden beobachteten die Teilnehmer und erfassten alle Krankenhausaufenthalte ab 14 Tagen nach der Impfung bis zum darauffolgenden Mai, wenn die Grippesaison in Europa weitgehend abgeschlossen ist. Weniger Krankenhausaufenthalte wegen Influenza oder Pneumonie unter Hochdosis-Vakzin Die Wissenschaftler stellten fest: Der hochdosierte Grippeimpfstoff reduzierte Hospitalisierungen aufgrund von Influenza oder Pneumonie im Vergleich zum Standardimpfstoff um 8,8 Prozent. Auch die Krankenhausaufenthalte aufgrund verschiedener anderer Erkrankungen – etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krankenhausaufenthalte jeglicher Ursache – sanken im Vergleich zum Standardvakzin. Duus erklärte: „Für ältere Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen und deren Angehörige sind diese Ergebnisse beruhigend, da die hochdosierte Grippeimpfung einen besseren Schutz vor schweren, behandlungsbedürftigen Erkrankungen bietet als der Standardimpfstoff.“ „Ein Krankenhausaufenthalt stellt eine erhebliche Belastung für Patienten, Angehörige und das Gesundheitssystem dar“, merkte die Studienautorin außerdem an. „Daher könnte selbst eine moderate Reduzierung der Krankenhausaufenthalte bedeutende Vorteile für die öffentliche Gesundheit mit sich bringen. Aus diesem Grund sprechen diese Ergebnisse dafür, bei der Entwicklung von Impfempfehlungen auch für ältere Erwachsene, einschließlich solcher mit chronischen Lungenerkrankungen, hochdosierte Grippeimpfstoffe in Betracht zu ziehen.“ Prof. Thomas Wilkinson von der Universität Southampton (Großbritannien) leitet die ERS-Assembly Atemwegsinfektionen und Immunologie. Er betonte: „Eine Grippeinfektion ist für jeden unangenehm, kann aber für manche Menschen ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko darstellen. Ältere Menschen mit Lungenerkrankungen haben ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe, Krankenhausaufenthalte und Tod durch Grippe. Aus diesem Grund empfiehlt die ERS dieser Gruppe die jährliche Grippeimpfung.“ (ac/BIERMANN)
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