Fachkonferenz: Stillen in der Öffentlichkeit darf nicht tabu sein6. Juni 2019 Auch wenn in Deutschland viele Mütter problemlos in der Öffentlichkeit stillen können, gibt es weiterhin Auifklärungsbedarf. (Foto: © seeseehundhund / Pixabay) Stillende Frauen haben immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen: Sie werden aus Restaurants komplimentiert oder sehen sich mit Falschinformationen konfrontiert. Den Weg in ein stillfreundliches Deutschland weist das internationale Forschungsvorhaben Becoming Breastfeeding Friendly (BBF). Hier hat eine Kommission aus nationalen Expertinnen und Experten systematisch Daten aus allen wichtigen Handlungsfeldern zum Stillen in Deutschland bewertet und konkrete Empfehlungen abgeleitet. Nationale und internationale Expertengruppen empfehlen, das Stillen als natürliche und bevorzugte Ernährungsform für Säuglinge zu fördern. Die gesundheitliche Bedeutung für Mutter und Kind ist gut belegt. Auch aus Sicht der Bindungsförderung und der Gesundheitsökonomie spricht vieles für das Stillen. Dennoch stillen in Deutschland nur rund zwei Drittel der Mütter ihre neu geborenen Säuglinge ausschließlich – in den folgenden Monaten sinkt diese Zahl deutlich. Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen werden seltener und kürzer gestillt. Erstmalig systematische Bestandsaufnahme Im BBF wurde ab September 2017 eine systematische Bestandsaufnahme zum Stand der Stillförderung in Deutschland vorgenommen. Dazu recherchierte eine Kommission aus Experten zu allen wichtigen Handlungsfeldern der Stillförderung und analysierte die Daten systematisch auf der Grundlage von 54 vordefinierten, internationalen BBF-Bewertungskriterien. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch in Berlin auf der Fachkonferenz „Wie stillfreundlich ist Deutschland?“ vorgestellt. Deutschland ist gemäß der BBF-Auswertung derzeit als moderat stillfreundlich zu beschreiben. Die Gesetzgebung und Finanzierung wichtiger Maßnahmen der Stillförderung wie Mutterschutzgesetz und Elterngeld gehören zu den Stärken. Besonders schwach schneidet Deutschland in den Handlungsfeldern Werbung sowie Forschung und Evaluation ab. Die Ergebnisse zeigen differenziert Ansatzpunkte auf, um die Rahmenbedingungen für das Stillen zu verbessern. Hierfür hat die Komission Empfehlungen abgeleitet. Derzeit gibt es zahlreiche Einzelaktivitäten zum Stillen, allerdings ohne übergeordnete Koordination. Deutschland braucht eine nationale Strategie zur Stillförderung, lautet deshalb die Rahmenempfehlung aus dem Prozess, die Maßnahmen aus allen anderen BBF-Empfehlungen integriert. „Stillförderung ist ein wichtiges nationales Anliegen, das mit Blick auf ganz Deutschland gestaltet werden muss. Das Bundesernährungsministerium wird deshalb eine zentrale Koordinierungsstelle für die Entwicklung und Umsetzung einer nationalen Strategie zur Stillförderung einrichten. Zur Stärkung der Forschung und Evaluation wurde mit der Gründung des Instituts für Kinderernährung am Max Rubner-Institut (MRI) eine wichtige Weichenstellung in diesem Bereich bereits vollzogen. Denn hier soll unter anderem das Stillmonitoring für Deutschland entwickelt werden“, verkündete Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatsekretär des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.
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