Fachverbände fordern Förderprogramm für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin23. August 2023 Foto: © SHVETS production, Pexels Die Arbeitsgemeinschaft Universitärer Reproduktionsmedizinischer Zentren (AG URZ) hat das „Marburger Manifest“ veröffentlicht. Darin schildern die Autoren die kritische Situation der universitären Gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Deutschland und fordern kurzfristig Unterstützung von der Politik. Die AG URZ wird von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (DGRM) mitgetragen. Das Fach der Frauenheilkunde und Geburtshilfe steht auf drei Säulen, repräsentiert durch die Gebietsschwerpunkte Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Pränatalmedizin und Geburtshilfe sowie Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Sowohl in der Gynäkologie und Gynäkologischen Onkologie als auch im Bereich Geburtshilfe und Pränatalmedizin wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche neue klinisch wie auch wissenschaftlich orientierte Lehrstühle an deutschen Universitätskliniken als zwingende Konsequenz der weitergehenden Subspezialisierung des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe geschaffen.Kaum noch Lehrstühle für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin Im krassen Gegensatz hierzu nehmen die Abteilungen und die Lehrstuhlanzahl im Gebietsschwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin seit Jahren drastisch ab, kritisieren die AutorInnen des Marburger Manifestes. Diese dritte Säule der Frauenheilkunde umfasst die klinische Versorgung entlang der weiblichen Lebenskaskade von der Entstehung neuen Lebens mit Hilfe der Reproduktionsmedizin, der Kinder- und Jugendgynäkologie über die Antikonzeption, gynäkologisch-endokrinologische Krankheitsbilder (z.B. Syndrom der polyzystischen Ovarien, PCOS), organische Erkrankungen (z. B. Endometriose), Störungen der Geschlechtsentwicklung und fertilitätsprotektive Maßnahmen bis hin zur Menopause. Reproduktive Gesundheit bestimmt Entstehung von Volkskrankheiten maßgeblich mitWährend reproduktionsmedizinische Maßnahmen zur Behandlung von Fertilitätsstörungen weithin bekannt sind, ist erwiesen – aber deutlich weniger verbreitet – dass die reproduktive Gesundheit maßgeblich die individuelle Langzeitgesundheit und die Entstehung von Volkskrankheiten (z. B. Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) mitbestimmt. Aus diesen Erkenntnissen leiten sich die vielschichtigen Aufgabenbereiche universitärer Gynäkologischer Endokrinologie und Reproduktionsmedizin ab, die weit über den für Forschung und Lehre erforderlichen Umfang im Rahmen einer hochspezialisierten Krankenbehandlung hinausgehen.Status quo: Durch die jahrzehntelange Vernachlässigung des universitären Sektors entsprächen die universitären Strukturen mit aktuell nur noch drei Lehrstühlen bundesweit schon lange nicht mehr der Bedeutung des Gebietsschwerpunktes. Die Defizite betreffen die medizinische Versorgung, die akademische Lehre, die Weiterbildung und die Spitzenforschung sowohl im angewandten Bereich als auch in der Grundlagenforschung.Kurzfristiger Schulterschluss von Politik und Wissenschaft notwendigAus Sicht der Fachverbände sind sofortige gemeinsame Anstrengungen medizinischer Fakultäten und der zuständigen Ministerien auf Landes- und Bundesebene erforderlich, um die Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin wieder zu stärken. Nur so könne man drängenden Herausforderungen begegnen und den drohenden Verfall der akademischen Repräsentation des für die Gesellschaft notwendigen Gebietsschwerpunktes verhindern. Die AutorInnen des Manifests sehen die Wissenschaftsministerien der Länder in der Pflicht, die finanziellen Ressourcen für die Schaffung neuer Lehrstühle und Sektionsstrukturen zeitnah bereitzustellen. Dies sei eine unbedingte Voraussetzung, um das akademische Defizit in Deutschland, insbesondere im Nordosten des Landes, aufzuheben. Hierfür sei politischer Wille bei der Umsetzung der Maßnahmen in Form eines Förderprogramms essenziell. Werde ein solches Förderprogramm nicht zeitnah und effektiv umgesetzt, seien Versorgungslücken, Kompetenzverlust und Forschungsrückstand in der Gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin die unmittelbare Konsequenz für relevante PatientInnengruppen, angrenzende medizinische und wissenschaftliche Disziplinen und die gesamte Bevölkerung.
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