Fokussierter Ultraschall als nicht-invasive Behandlung bei Parkinson

Neuer Forschungsansatz setzt auf nicht-invasive Stimulation des Gehirns durch fokussierte Ultraschallwellen zur Behandlung von Parkinson. (BIld: © Елена Бутусова/stock.adobe.com)

Für Parkinson gibt es bis heute keine Heilung, sondern nur Therapien, die den Verlauf bremsen oder Symptome lindern. Dazu zählen Tabletten, die den Mangel an Dopamin im Gehirn ausgleichen, und – wenn das nicht mehr reicht – neurochirurgische Eingriffe. Doch ein neuer Forschungsansatz setzt auf eine schonendere Alternative zur Behandlung von Parkinson: die nicht invasive Stimulation des Gehirns durch fokussierte Ultraschallwellen.

„Solange wir noch keine neue Generation von Medikamenten haben, werden wir weiter mit der Gabe von Dopamin arbeiten“, sagt Edward de Haan, wissenschaftlicher Direktor des Donders Institute in Nimwegen (Niederlande). Die Ersatztherapie für das fehlende Dopamin bleibe vorerst der Eckpfeiler der Behandlung. Ohne sie könnten viele Patienten ihren Alltag kaum bewältigen. Bei schweren Verläufen kommen zudem Operationen wie die Tiefe Hirnstimulation oder Eingriffe im Thalamus hinzu. Dort werden überaktive Nervenbahnen durchtrennt oder mit Elektroden beruhigt, um extremes Zittern der Betroffenen zu stoppen. Doch so wirksam diese Verfahren sind: Sie erfordern einen nicht ganz ungefährlichen Eingriff ins Gehirn.

In Nimwegen arbeiten Forschende daran, dass sich die Art der Behandlung eines Tages ändert, nicht nur mit Blick auf Parkinson. „Hirnerkrankungen betreffen jeden Vierten“, sagt Neurowissenschaftler Julian Kosciessa vom Donders Centre for Cognition nüchtern. Gleichzeitig seien viele etablierte Medikamenten- und Psychotherapien nicht präzise genug. Klassische Operationen hingegen setzten voraus, „dass man den Kopf öffnet“: „Neurologie und Psychiatrie brauchen neue Interventionen“, fasst er zusammen.

Gehirn-OP ohne Skalpell

Eine dieser neuen Interventionen ist fokussierter Ultraschall (Focused Ultrasound Stimulation), quasi eine Art „Gehirn-OP ohne Skalpell“. Die Grundidee erinnert an eine Lupe in der Sonne: Werden Strahlen an einem Punkt gebündelt, entsteht genau dort die größte Wirkung. „Ultraschall ermöglicht uns eine Alternative, ohne den Kopf zu öffnen. Wichtige Hirnregionen sind tief, klein und komplex. Wir wollen sie erreichen, ohne operieren zu müssen“, erklärt Kosciessa. Schon heute wird hochenergetischer fokussierter Ultraschall andernorts eingesetzt, um bei starkem Tremor winzige Bereiche im Thalamus zu veröden. Ziel ist, das Zittern zu unterbinden.

In Nimwegen liegt der Schwerpunkt jedoch auf einer subtileren Anwendung: sehr niedrige Intensitäten, die das Gewebe nicht erhitzen, sondern mechanisch minimal beeinflussen. Die Schallwellen versetzen Zellen in sehr leichte Schwingungen und reizen dadurch Ionenkanäle in den Zellmembranen. So entsteht die Möglichkeit, tief gelegene Hirnregionen vorübergehend zu stimulieren, ohne sie zu verletzen. Das verlangt enorme Genauigkeit: Schädelknochen unterscheiden sich von Mensch zu Mensch in Dicke und Dichte, also muss berechnet werden, wie die Schallwellen sich im Kopf des individuellen Patienten ausbreiten. Für Menschen mit Parkinson könnten solche Eingriffe eines Tages eine echte Alternative zur Behandlung mittels klassischer Operationen werden oder sie zumindest gezielt ergänzen.

Auf der Spur der Ursachen

Parallel dazu wird in Nimwegen an den Ursachen von Parkinson geforscht. In genetischen Modellen, etwa mit der Fruchtfliege Drosophila, lassen sich motorische Ausfälle nachbilden. So wird systematisch untersucht, welche Gene an der Krankheit beteiligt sind. „Bei Parkinson sind es um die 150 Gene, die für die Krankheit verantwortlich sind“, berichtet Edward de Haan. „Die Arbeit an möglichen Medikamenten zielt auf diejenigen, die am wichtigsten scheinen.“ Schritt für Schritt sollen Wirkstoffe gefunden werden, die tiefer ansetzen als die bisherige Dopamintherapie. „Irgendwann wird die Medikation nicht mehr nur Symptome behandeln, die man mit Dopamin übergießt“, so de Haan, „sondern dafür sorgen, dass die Krankheit gar nicht erst entsteht.“

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