FOLFIRINOX zu bevorzugen: Präoperative Kombinations-Chemotherapie verbesserte das Überleben bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

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In einer Studie an Patienten mit Pankreaskarzinom und Borderline-Resektabilität und einem Vergleich mit historischen Daten hat eine Kombinations-Chemotherapie mit modifiziertem FOLFIRINOX-Regime vor der Operation das Überleben verlängert. Das Vorgehen erwies sich im Vergleich zu FOLFIRINOX zusammen mit einer hypofraktionierten Strahlentherapie als günstig.

Die von Mitarbeitern des MD Anderson Cancer Center der University of Texas (USA) durchgeführte multizentrische, randomisierte, klinische Studie der Phase II (Alliance A021501) etablierte das präoperative FOLFIRINOX-Regime als bevorzugte Therapie für diese Patienten. Erste Ergebnisse der Studie waren erstmals auf dem Gastrointestinal Cancers Symposium 2021 der American Society of Clinical Oncology vorgestellt worden.

Die Patienten, die neoadjuvant modifiziertes FOLFIRINOX erhielten, hatten eine 18-Monats-Gesamtüberlebensrate (OS) von 66,7 Prozent, was sowohl die Rate von 50 Prozent bei vorausgewählten historischen Kontrollen als auch die OS-Rate von 47,3 Prozent bei Patienten übertraf, die FOLFIRINOX gefolgt von einer Strahlentherapie erhielten. Das mediane OS der für die Auswertung zur Verfügung stehenden Patienten, die ausschließlich neoadjuvantes FOLFIRINOX erhielten, betrug 29,8 Monate. Bei Patienten, die außerdem eine Strahlentherapie bekamen, lag das mediane OS bei 17,1 Monaten.

„Für diese Patientenpopulation spielt die systemische Chemotherapie im perioperativen Umfeld eindeutig eine Rolle“, sagt Studienleiter Dr. Matthew Katz, der einen Lehrstuhl für chirurgische Onkologie innehat. „Diese Arbeit zeigt, dass Pankreastumore, die große Blutgefäße betreffen, nach FOLFIRINOX bei günstigen Outcomes sicher entfernt werden können.“

Patienten, bei denen Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Borderline-Resektabilität diagnostiziert wird, haben Tumore, bei denen große abdominale Blutgefäße beteiligt sind. Die Resektion dieser Tumore erfordert komplexe Operationen, und nicht alle Patienten profitieren davon. Ohne Vorbehandlung kommt es nach der Operation häufig zu einem Rezidiv.

Sowohl die Chemotherapie als auch die Strahlenbehandlung werden häufig bei Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Borderline-Resektabilität eingesetzt – welches Regime das optimale ist, war in der Vergangenheit Gegenstand von Diskussionen. Trotz mehrerer Studien zur Strahlentherapie in den vergangenen zwei Jahrzehnten sind die Daten zur Unterstützung dieser Behandlung im neoadjuvanten Setting widersprüchlich.

Ziel dieser Studie war die Bewertung zweier neoadjuvanter Behandlungsschemata bei Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Borderline-Resektabilität: eines mit alleiniger FOLFIRINOX-Chemotherapie (Fluorouracil [5-FU], Leucovorin, Irinotecan, Oxaliplatin) und eines mit systemischer Chemotherapie, gefolgt von einer stereotaktischen Bestrahlung (SBRT). Die Autoren wollten eine oder beide Behandlungen als Behandlungsstandard etablieren und Therapiesäulen identifizieren, die in zukünftigen Studien durch neue Wirkstoffe ergänzt werden können.

Die Studie umfasste 126 Patienten, die an 50 Standorten in den USA behandelt und für eine systemische Therapie (70 Patienten) oder eine systemische Therapie und sequenzielle hypofraktionierte Strahlentherapie (56 Patienten) randomisiert wurden. Von den ersten 30 Patienten aus jedem Arm, die für eine Auswertung zur Verfügung standen, hatten sich 17 im Arm mit alleiniger Chemotherapie und 10 im Arm mit Kombinationstherapie einer vollständigen Resektion (negativer Resektionsrand) unterzogen, was zur Schließung des Studienarmes mit Kombinationstherapie und der Fortsetzung der Behandlung für die gesamte Kohorte im Chemotherapie-Arm führte.

Bei 104 der 120 landesweit in die Studie aufgenommenen Patienten handelte es sich um Weiße. Laut den Studienautoren zeigt dies, dass Systeme entwickelt werden müssen, um die Diversität der Kohorten zu verbessern, die in den USA in klinische Studien zu Bauchspeicheldrüsenkrebs aufgenommen werden.

Patienten, die die röntgenologischen Kriterien erfüllten, erhielten randomisiert acht Zyklen FOLFIRINOX oder sieben Zyklen FOLFIRINOX plus Strahlentherapie mit SBRT oder hypofraktionierter bildgesteuerter Strahlentherapie. Nach dem Re-Staging wurden die für den operativen Eingriff geeigneten Patienten einer Pankreatektomie unterzogen und erhielten dann vier Zyklen einer adjuvanten Chemotherapie mit Folinsäure, Fluorouracil und Oxaliplatin (FOLFOX).

Achtunddreißig Patienten im Arm mit alleiniger Chemotherapie sowie 28 Patienten im Arm mit Chemotherapie und Bestrahlung wurden protokollgemäß operiert. Bei 32 Patienten im Arm mit alleiniger Chemotherapie sowie bei 19 Patienten im Arm mit Chemotherapie und Bestrahlung führte man eine Pankreatektomie durch. Unter den Patienten, die sich einer Pankreatektomie unterzogen, wurde bei 28 (88%) im Arm mit alleiniger Chemotherapie sowie bei 14 (74%) im Arm mit Chemotherapie und Bestrahlung eine vollständige Resektion erreicht.

Beide Therapien wurden gut vertragen. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse vom Grad 3 oder höher, die möglicherweise mit der FOLFIRINOX-Therapie in Zusammenhang standen, waren Diarrhoe (18%), Hypokaliämie (14%) und Neutropenie (12%). Die häufigste Nebenwirkung vom Grad 3 oder höher während der Strahlentherapie stellte eine Anämie dar (5%).

„Angesichts dieser Studienergebnisse glauben wir, dass alle Patienten mit Tumoren, bei denen man von einer ‘Borderline-Resektabilität’ spricht, in Erwartung einer anschließenden Pankreatektomie vier Monate lang mit FOLFIRINOX behandelt werden sollten“, schlussfolgert Katz. „Diese Daten bilden die Grundlage, auf der zukünftige Studien zu Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Borderline-Resektabilität aufbauen und unseren Patienten bessere Behandlungen und Ergebnisse bieten können.“

Diese Studie war nicht darauf ausgelegt, die Chemotherapie direkt mit Chemotherapie und Strahlentherapie im neoadjuvanten Setting zu vergleichen. Die Rolle der Strahlentherapie in diesem Setting bleibe undefiniert, erklären die Studienautoren. Zukünftige Untersuchungen seien nötig, um festzustellen, ob bestimmte Patienten von einer neoadjuvanten Bestrahlung profitieren können.