Forderung nach verstärktem Screening auf parasitäre Infektion mit erhöhtem HIV- und Zervixkarzinom-Risiko6. Juli 2026 Symbolbild Schistosoma haematobium © vetre/stock.adobe.com Forschende der Liverpool School of Tropical Medicine (LSTM) fordern, Millionen Frauen und Mädchen verstärkt auf die weibliche genitale Schistosomiasis (female genital schistosomiasis, FGS) zu untersuchen. Die vernachlässigte Tropenkrankheit kann das Risiko für chronische Erkrankungen, eine HIV-Infektion und Zervixkarzinome erhöhen. In einer neuen, in „The Lancet Microbe“ veröffentlichten Übersichtsarbeit sprechen sich Forschende der Liverpool School of Tropical Medicine (LSTM), des Malawi-Liverpool-Wellcome Programme (MLW) und der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) dafür aus, FGS künftig systematisch in Angebote der sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung zu integrieren. Dadurch sollen Diagnostik und Behandlung verbessert werden. FGS als unterschätzte Infektionskrankheit mit hoher Prävalenz FGS wird durch eine Infektion mit dem parasitären Wurm Schistosoma haematobium verursacht, der durch Kontakt mit befallenem Süßwasser übertragen wird. Die Eier des Parasiten lagern sich im Gewebe der Geschlechtsorgane ab und verursachen Entzündungen, Läsionen sowie Vernarbungen. Weltweit sind mindestens 40 Millionen Frauen – vorwiegend in Subsahara-Afrika – von der Krankheit betroffen; dennoch ist sie bislang kaum in die Angebote der sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung integriert. Die Studie untersuchte das Zusammenspiel von FGS mit anderen gynäkologischen Infektionen. Dabei fanden sich Hinweise darauf, dass die durch die Krankheit verursachten chronischen Entzündungen und Gewebeschäden die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen könnten – darunter HIV und humane Papillomviren (HPV), die Hauptursache des Zervixkarzinoms. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Integration von FGS-Screenings in bestehende Programme zu HIV, Gebärmutterhalskrebs und sexueller Gesundheit die Diagnose und Versorgung für Millionen von Frauen verbessern könnte. Zu den vorgeschlagenen Ansätzen gehören kombinierte HPV- und FGS-Tests anhand einer einzigen Genitalprobe, eine verbesserte Schulung des medizinischen Personals sowie der Einsatz neuer molekularer und KI-gestützter Diagnoseverfahren. Amaya Bustinduy, Professorin für globale Infektionskrankheiten bei Kindern und Jugendlichen an der LSHTM und leitende Autorin der Studie, erklärt: „Die FGS ist nach wie vor eine der am stärksten vernachlässigten gynäkologischen Erkrankungen, von denen Frauen und Mädchen in Afrika betroffen sind. Trotz des Ausmaßes des Problems wird sie sowohl in Programmen zur Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten als auch in der allgemeinen sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung routinemäßig übersehen.“ Plädoyer für integrierte Versorgung und One-Health-Ansätze Russell Stothard, Professor für medizinische Parasitologie an der LSTM und Mitautor der Studie, kommentiert: „Diese Arbeit unterstreicht die dringende Notwendigkeit, von isolierten, krankheitsspezifischen Ansätzen abzurücken und hin zu einer integrierten Versorgung zu gelangen, die die Überschneidungen zwischen FGS, HIV, HPV und anderen Erkrankungen im Bereich der reproduktiven Gesundheit berücksichtigt.“ Die Arbeit stützt sich unter anderem auf Ergebnisse der Studie „Hybridisation in Urogenital Schistosomiasis“ (HUGS) in Malawi, die eine hohe Rate an Koinfektionen zwischen FGS und anderen Genitalinfektionen aufzeigte. Zudem hebt die Studie die zunehmende Bedeutung zoonotischer und hybrider Schistosomenarten hervor – darunter Parasiten, die üblicherweise mit Nutztieren in Verbindung gebracht werden und nun in Genitalproben von Frauen mit FGS nachgewiesen wurden. Laut den Forschenden werfen diese Erkenntnisse wichtige Fragen zu Diagnose, Behandlungseffektivität und Krankheitsbekämpfung auf. Stothard ergänzt: „Das Auftreten zoonotischer und hybrider Schistosomenarten unterstreicht zudem die Bedeutung von ‚One Health‘-Ansätzen, die die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt ganzheitlich betrachten.“ Die Autoren warnen davor, dass fragmentierte, krankheitsspezifische Programme den Frauen in Endemiegebieten nicht gerecht werden, und betonen, dass die anhaltende Vernachlässigung von FGS das Erreichen umfassenderer globaler Gesundheitsziele gefährden könnte. (lj/BIERMANN) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Die Supplementierung von Folat könnte Risiko für Zervixkarzinome senken HIV: Neu identifizierter Antikörper könnte die Behandlung verbessern
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