Forschungsprojekt KABINE: Mobile Telemedizin für Krisensituationen

Das Projektkonsortium präsentiert die im Forschungsprojekt „KABINE“ entwickelte mobile telemedizinische Versorgungseinheit, die eine hausärztliche Erstversorgung auch in Katastrophen- und Krisensituationen ermöglicht (v. l.): Jella Balster, Projektmitarbeiterin Docs in Clouds TeleCare GmbH, Dr. Tobias Martin, Projektmitarbeiter AcuteCare InnovationHub, Uniklinik RWTH Aachen, PD Dr. Andreas Follmann, Projektleiter AcuteCare InnovationHub, Uniklinik RWTH Aachen, Daniela Götz, Projektmitarbeiterin Docs in Clouds TeleCare GmbH, Niklas Zimmermann, Projektmitarbeiter Docs in Clouds TeleCare GmbH. Prof. Dr. Dr. Michael Czaplik, Projektleiter und CEO Docs in Clouds TeleCare GmbH. (Foto: ©Uniklinik RWTH Aachen)

Klingt kurios, aber soll im Krisenfall helfen: Auf Basis einer umgebauten Toilettenkabine ist an der Uniklinik RWTH Aachen eine mobile, telemedizinische Versorgungseinheit entstanden, die in Katastrophengebieten zum Einsatz kommen soll.

Mit einer öffentlichen Abschlussdemonstration auf dem Gelände des Technischen Hilfswerks in Aachen ist das Forschungsprojekt KABINE der Klinik für Anästhesiologie an der Uniklinik RWTH Aachen, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, erfolgreich zu Ende gegangen. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Bevölkerungsschutz, Gesundheitswesen und Politik nutzten die Gelegenheit, sich über die Projektergebnisse sowie das Potenzial der entwickelten telemedizinischen Versorgungseinheit für den Einsatz in Krisen- und Katastrophensituationen zu informieren.

Mobile Versorgungseinheit für den Krisenfall

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Vorstellung der in den vergangenen zwei Jahren entwickelten KABINE – einer mobilen, telemedizinischen Versorgungseinheit, die auf Basis einer umgebauten Toilettenkabine entstanden ist. Das System wurde entwickelt, um die hausärztliche Versorgung auch dann sicherzustellen, wenn Arztpraxen, Krankenhäuser oder Verkehrswege infolge einer Katastrophe beschädigt, zerstört oder überlastet sind.

In einer Live-Demonstration zeigten die Projektbeteiligten, wie Patientinnen und Patienten mithilfe der KABINE medizinisch versorgt werden können. Dabei führten die Patientinnen und Patienten unter telemedizinischer Anleitung selbstständig verschiedene Untersuchungen durch. Die Besucherinnen und Besucher erhielten dabei einen praxisnahen Einblick in die Funktionsweise der integrierten Medizingeräte sowie in den telemedizinischen Behandlungsablauf. 

Live-Demonstration zeigt Einsatz in der Praxis

Vor der Demonstration präsentierte das Projektkonsortium die zentralen Ergebnisse der Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Im Fokus standen insbesondere die technische Umsetzung der mobilen Versorgungseinheit, die Erprobung des Systems unter realitätsnahen Bedingungen sowie mögliche zukünftige Einsatzszenarien im Bevölkerungsschutz. Die KABINE soll dazu beitragen, Versorgungslücken in außergewöhnlichen Schadenslagen zu überbrücken und die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung auch unter erschwerten Bedingungen aufrechtzuerhalten. Dazu sollen die telemedizinischen KABINEN direkt nach dem Katastropheneinsatz vor Ort bereitgestellt werden können. Für unzugängliche Orte soll ein Lufttransport ermöglicht werden. In der Akutphase soll das System außerdem bei der Einteilung von Patienten in verschiedene Behandlungskategorien unterstützen.

Ausblick

Nach Ansicht der Uniklinik RWTH Aachen bilden die gewonnenen Erkenntnisse mit dem erfolgreichen Abschluss des Projekts eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung telemedizinischer Lösungen im Bevölkerungsschutz und können Impulse für zukünftige Konzepte einer resilienten Gesundheitsversorgung liefern. Bereits jetzt zeige sich eine hohe Akzeptanz der KABINE bei den Besucherinnen und Besuchern der Abschlussveranstaltung sowie bei den Teilnehmenden der Studien.

Wie geht es nun weiter? Laut Angaben der Uniklinik hat das Projektteam aktuell eine Folgeförderung beantragt, um gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz die KABINE erstmals in den Realeinsatz zu bringen. Dabei sollen ab 2027 verschiedene Szenarien erprobt werden: Vom Einsatz im Rahmen der internationalen Hilfe, der Flüchtlingshilfe bis hin zu Sanitätswachdiensten und dem Katastrophenschutz.

(ah/BIERMANN)