Forschungsprojekt zur Jugendgesundheit unter Einfluss der COVID-19-Pandemie29. Mai 2023 Psychosoziale Probleme haben während der Pandemie insbesondere bei sozial benachteiligten Jugendlichen zugenommen. (Foto: © anatoliycherkas – stock.adobe.com) Psychosoziale Probleme bei Jugendlichen haben während der Pandemie-Zeit zugenommen. Ein Forschungsteam aus Bochum und Bielefeld erarbeitet nun gemeinsam mit Jugendlichen Handlungsempfehlungen. Trotz einiger Forschungsarbeiten zum Thema ist auch nach der Pandemie noch wenig über ihre (langfristigen) Auswirkungen auf die psychosoziale Gesundheit Jugendlicher bekannt. Um das zu ändern, beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen der Hochschule für Gesundheit (HS Gesundheit) in Bochum und der Hochschule Bielefeld im Rahmen des Kooperationsprojektes „co*gesund“ seit Ende 2021 damit, wie Jugendliche in Krisenzeiten ihre psychosoziale Gesundheit herstellen können und welche Ressourcen sowie Unterstützungsmaßnahmen ihnen dabei zur Verfügung stehen. In einem ersten Schritt verschaffte sich das Forschungsteam unter Leitung von Prof. Eike Quilling, Vizepräsidentin für Forschung und Transfer an der HS Gesundheit, mittels einer Literaturrecherche einen Überblick über den internationalen Forschungsstand bezüglich der Auswirkungen der Pandemie auf Jugendliche. Die im Herbst 2022 veröffentlichte Übersichtsarbeit zeigt, dass psychosoziale Probleme während der Pandemie, insbesondere bei sozial benachteiligten Jugendlichen, zugenommen haben. Zudem wurde deutlich, wie wichtig es ist, Jugendliche bei der Krisenbewältigung zu unterstützen. „Dazu werden gesundheitsfördernde, präventive und krisenfeste Strukturen benötigt, die nachhaltig wirken und an lokale Voraussetzungen angepasst sein müssen“, so Projektmitarbeiterin Maja Kuchler. Das vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) NRW geförderte Projekt setzt einen besonderen Fokus auf bildungsbenachteiligte Jugendliche im Übergang zwischen Schule, Ausbildung und Beruf. Ziel ist, gemeinsam mit Fachkräften und Jugendlichen Handlungsempfehlungen für gesundheitsfördernde Maßnahmen zu entwickeln, die sie in diesem Übergang stärken und stützen. Dazu wurden Interviews mit Fachkräften aus Schulen (insbesondere Berufsschulen und Sekundarschulen) sowie berufsvorbereitenden Maßnahmen geführt, die Aufschluss über Bedarfe der Gesundheitsförderung gegeben haben. Um den Jugendlichen selbst eine Stimme zu geben, wurden in den Settings vier Gruppendiskussionen mit Jugendlichen über ihre Erfahrungen während der Pandemie-Zeit geführt. In abschließenden Workshops arbeiteten Jugendliche zunächst allein, später im begleiteten Diskurs mit Fachkräften an den Themenbereichen (psychosoziale) Gesundheit, gelingender Übergang und Unterstützungssysteme. Handlungsempfehlungen entstanden in Zusammenarbeit mit Jugendlichen Basierend auf den Erkenntnissen leitet das co*gesund-Team derzeit Handlungsempfehlungen zur Gesundheitsförderung bildungsbenachteiligter Jugendlicher im Übergang zwischen Schule, Ausbildung und Beruf ab. Im Zentrum steht dabei, dass Jugendliche ganz individuelle Interessen, Stärken, aber auch Problemlagen und Herausforderungen mit sich bringen, welche durch die Schaffung und Stärkung von Entfaltungsmöglichkeiten in ihren Lebenswelten (unter anderem Schule, Vereine, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Ausbildungsstellen) mehr Beachtung finden müssen. „Hierfür werden krisenresistente Strukturen, die Lebens- und berufspraktische Erfahrungsräume und soziale Begegnungsräume sicherstellen, benötigt. Auch müssen die Jugendlichen selbst viel stärker aktiv mit einbezogen werden“, sagt Projektleiterin Quilling. Über die zentralen Ergebnisse hat sich das Team in regionalen Veranstaltungen mit jungen Menschen sowie Fachkräften in Bochum und Bielefeld ausgetauscht. In Bochum traf sich die Forschungsgruppe hierzu im April zunächst mit der Bochumer Stadtschülervertretung (BSV) und am 15. Mai mit Bochumer Akteuren aus dem Bildungs- und Jugendhilfebereich an der HS Gesundheit. Die Bochumer Schülervertreter betonten im Austausch insbesondere den Wunsch nach mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schüler, Aufhebung struktureller Bildungsungerechtigkeit und Schaffung eines gerechten Schulsystems. Zudem bedarf es ihrer Meinung nach mehr Orientierung zur Entwicklung der Zukunftsperspektive der Schüler, die nicht nur in Projektform, sondern kontinuierlich (und krisenresistent) ins Bildungssystem integriert ist, sowie mehr Ansprechpartner (mehr Schulsozialarbeiter, aber auch Schulpsychologen). Die Bochumer Akteure aus dem Bildungs- und Jugendhilfebereich spiegelten zurück, dass die Ergebnisse sie nicht überraschen und der Handlungsbedarf groß sei. Hierzu bedürfe es vor allem stärkerer Vernetzung sowie koordiniertem und abgestimmtem Vorgehen sowie nachhaltiger Angebotsstrukturen auf gesamter kommunaler Ebene (nicht nur in einzelnen Stadtteilen). Sie betonten die Überlastung der zuständigen Fachkräfte, für die es Angebote (Qualifizierung und Coaching) zu ihrer Stärkung und Strukturen zu ihrer Entlastung geben müsse
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